Formel 1 : Unfälle, verbockte Strategien und Motorplatzer

Die Summe der kaputten Teile: Christian Hönicke über Sebastian Vettels geplatzten WM-Traum.

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Am Anfang war es Gischt, am Ende Qualm der hinter Sebastian Vettels Auto aufstieg.
Am Anfang war es Gischt, am Ende Qualm der hinter Sebastian Vettels Auto aufstieg.Foto: dpa

Sein explodierter Renault-Motor dampfte noch unter dem dunklen Himmel von Südkorea, da hatten sich die dunklen Wolken über dem Kopf von Sebastian Vettel schon wieder verzogen. Er habe sich nichts vorzuwerfen und könne heute Nacht gut einschlafen, verkündete der WM-Zweite. Er hatte auch keinen Grund, sich unruhig hin- und herzuwälzen. Auch in der Dunkelheit von Yeongam hatte jeder gesehen, dass er der Mann dieses Rennwochenendes gewesen war. Er war souverän durch die Gischt gepflügt, ohne Wackler, ohne Ausrutscher, ohne nervöse Zuckungen. Das war noch vor kurzem keine Selbstverständlichkeit.

Die WM 2010 hat Vettel bei Lichte betrachtet so gut wie verloren. Aber nicht in Südkorea – es ist die Summe der gebrochenen Teile, die er und sein Red-Bull-Team übers Jahr angehäuft haben. Da waren Unfälle, Zündkerzen, verbockte Strategien, platte Reifen und Motorplatzer dabei.

Zumindest Vettel aber ist im Saisonverlauf gereift. Die Zahl seiner Aussetzer ist deutlich zurückgegangen, nicht nur hinter dem Lenkrad. Wo er noch vor nicht allzu langer Zeit nach Ausreden gesucht hat, gibt er seine Patzer inzwischen zu und lernt aus ihnen. So wächst er mit jedem Rückschlag. Am Sonntag stand da kein trotziger Junge mehr, sondern ein Mann, der mit sich zu Recht im Reinen war und hinnahm, was nicht zu ändern war.

Sebastian Vettel ist wieder einen Schritt weiter auf dem Weg, sich selbst zu meistern. So langsam müsste sein Rennstall nun nachziehen – andernfalls muss sich der Deutsche einen Partner suchen, der mit seiner Entwicklung Schritt halten kann. Dem Tagesspiegel hat Vettel mal gesagt, dass er gern für Ferrari fahren würde. Dort weiß man jedenfalls, wie man Weltmeister wird.

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