Formel 1 : Verdächtige Geräusche

Sebastian Vettel dominiert die Formel 1, was die Konkurrenz zur Verzweiflung bringt. Vor dem Rennen in Südkorea befeuern die Rivalen des dreimaligen Weltmeisters nun erneut Verschwörungstheorien. Vettel reagiert darauf mit Ironie.

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Geheimnisvoller Koffer. Stecken darin die Antworten auf Vettels Überlegenheit? Foto: Reuters
Geheimnisvoller Koffer. Stecken darin die Antworten auf Vettels Überlegenheit? Foto: ReutersFoto: REUTERS

Die Formel 1 ist eine beliebte Spielwiese für Verschwörungstheoretiker. Vor allem dann, wenn sich ein Team oder ein Fahrer eine extreme Dominanz erarbeitet haben. So ist es auch kein Wunder, dass sich nach der Triumphfahrt von Sebastian Vettel in Singapur prompt wieder ein Experte zu Wort meldete, der Verdächtiges bemerkt haben wollte. Der ehemalige Formel-1-Teamchef Giancarlo Minardi wollte auf seinem Hotelbalkon in Singapur verdächtige Motorengeräusche an Vettels Red Bull gehört haben, die den Einsatz einer verbotenen Traktionskontrolle belegten. Ein solches System verhindert das Durchdrehen der Hinterräder beim Beschleunigen. Minardi forderte „Aufklärung und Antworten“ vom Weltmeisterteam.

Die gab ihm erst einmal der Automobil-Weltverband Fia. „Vettels Auto wurde wie alle anderen auch nach dem Rennen kontrolliert, da war absolut alles in Ordnung“, stellte Fia-Rennleiter Charlie Whiting fest. Und auch ansonsten gab es im Fahrerlager Kopfschütteln, schließlich hätte das verräterische Rattern an der Hinterachse bestimmt schon mal jemand von der Konkurrenz gehört. Der Force-India-Pilot Adrian Sutil schaute sich noch einmal Aufnahmen aus Vettels Auto an und kam zu dem Schluss: „Absoluter Unfug – da klingt überhaupt nichts nach Traktionskontrolle. Und so was würde man wirklich hören.“

Der McLaren-Fahrer Lewis Hamilton stellte zwar vielsagend fest, Vettel habe in Singapur 20 Meter früher als alle anderen Gas geben können, „das konnte ich zuletzt so zu den Zeiten, als es die Traktionskontrolle noch gab“. Aber selbst Vettels WM-Hauptrivale Fernando Alonso winkte ab. Dass der von einem Renault-Motor befeuerte RB9-Bolide andere Geräusche als andere Renault-Autos mache, sei kein Geheimnis, sagte der Ferrari-Fahrer. „Ich denke schon, dass sie etwas anderes einsetzen als wir. Aber ich denke auch, dass das absolut regelkonform ist. Red Bull hat bisher jeden Test bestanden, also liegt es an uns, einen besseren Job zu machen.“

Der wirkliche Grund für Vettels Überlegenheit ist vermutlich eine ganz spezielle Abstimmung des Motors zur besseren Ausnutzung der Abgase für mehr Anpressdruck, gepaart mit einem auf die jeweilige Strecke angepassten Fahrstil von Vettel. Dafür fliegt er selbst zwischen Überseerennen zurück und sitzt in England tagelang im Simulator, um die Möglichkeiten, die ihm die Technik bietet, auch optimal auszunutzen.

Das gibt ihm dann auch die Stärke und Souveränität, mit den Gerüchten auf seine eigene Art umzugehen: voller Ironie. „Die hat super funktioniert in Singapur“, sagte er vor dem Rennen in Südkorea am Sonntag auf Fragen nach der Traktionskontrolle. „Wir haben den ganzen Freitag und Samstag getüftelt und am Sonntag hat es erstmals richtig funktioniert. Ich denke, dass wir bei den nächsten Rennen dann noch mehr von dem System profitieren können.“ Bei folgenden Fragen trieb er sein Spiel noch ein bisschen weiter und verkündete mit betont ernster Miene: „In Korea ist das System vielleicht nicht so entscheidend. Aber auf engeren Kursen wird es wieder eine größere Rolle spielen.“ Danach erklärte er sein Motto: „Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung und jeder kann sehen und hören, was er will. Wir nehmen das eher mit Humor als mit Ernst.“ Karin Sturm

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