Sport : Formel 1: Vermutungen, Verdächtigungen ...

Karin Sturm

Wunder-Ferrari, Wunder-Piloten - oder vielleicht doch noch etwas anderes? Nach der Demonstrations-Fahrt von Michael Schumacher, aber auch von Rubens Barrichello vor allem auf nasser Strecke beim Weltmeisterschafts-Lauf in Malaysia rätselt die gesamte Formel 1: Geht das wirklich noch mit rechten Dingen zu - oder fährt Ferrari eben doch jetzt schon mit der erst ab dem fünften WM-Rennen in Barcelona wieder erlaubten Traktionskontrolle?

"Ich will ihnen nichts unterstellen - aber dass Ferrari etwas ganz Besonderes hat, womit sie in diesem Bereich weit vor allen anderen liegen, steht außer Zweifel", sagt BMW-Rennleiter Gerhard Berger. "Tatsache ist auch, dass die Experten in allen anderen Teams darüber brüten, wie das auf legale Weise möglich sein könnte."

Dass die Ferraris in Sepang nach der Safety-Car-Phase auf der abtrocknenden Strecke mit ihren Intermediate-Reifen - einem Mix aus Rillen- und Regenreifen - besser bedient waren als der Rest des Feldes auf Regenreifen, war nicht zu übersehen. Aber fünf Sekunden schneller als der Rest der Welt? Und warum konnten die Ferraris am Anfang der Safety-Car-Phase auf noch ziemlich überfluteter Strecke mit Intermediates dem Feld hinterherhetzen, während die anderen auf Regenreifen kaum die Autos auf der Piste halten konnten? Schon im Warm-up hatte sich ein ähnliches Bild geboten, als nur Ferrari von Anfang an auf der noch völlig nassen Strecke mit Intermediates fahren konnte. "Eine Entscheidung aus dem Bauch heraus", meinte Michael Schumacher auf die Frage nach seiner Reifenwahl.

Michelin-Reifenchef Pierre Dupasquier flüchtete sich in Ironie: "Ich bewundere Ferrari, wie fantastisch sie auf völlig nasser Strecke mit den Intermediates unterwegs sein konnten." Ingenieure von Honda, die nicht genannt werden wollen, äußerten sich so: "Selbst als die Ferraris bei ihren Ausrutschern übers nasse Gras fuhren, haben die Räder kein bisschen durchgedreht. Vielleicht hat Ferrari ja eine Auf-dem-Gras-fahr-Kontrolle - und davon steht nichts im Reglement." Nach dem Ärger, den sich Heinz-Harald Frentzen letzte Woche mit seiner Äußerung über die Traktionskontrolle einhandelte, traut sich offenbar keiner mehr so richtig, seine Vermutungen offen auszusprechen. Und das Team, das zumindest im letzten Jahr Beweise dafür bekam, dass Ferrari mit einem nicht dem Reglement entsprechenden Auto unterwegs war, hält sich ohnehin zurück. Mercedes-Sportchef Norbert Haug und McLaren-Boss Ron Dennis reagieren auf das ganze Thema im Moment allergisch. Weil man mehr weiß, als man sagt, aber im Moment wegen größerer eigener Probleme nicht als schlechter Verlierer dastehen will? Wenn es heute in der Formel 1 zwei Teamchefs gibt, die noch so etwas wie klassischen britischen Sportsgeist verkörpern, dann sind das Ron Dennis und Frank Williams. Deren Teams waren nie in irgendwelche Betrugsversuche oder dubiose Geschichten verwickelt. Vonseiten der Partner Mercedes und BMW wird diese Haltung sicher unterstützt.

Der Weltverband Fia ist nicht schuldlos an den jetzigen Debatten und Verdächtigungen. Wenn man im Winter zugibt, man könne die Traktionskontrolle nicht nachweisen (weil die Elektronikspezialisten der Teams denen der Fia weit voraus sind), sie aber erst ab dem fünften Saisonrennen freigibt, ist das eine Einladung zum Betrug. Kommentar von Eddie Irvine: "Das ist so, als ob das IOC sagen würde, wir können Doping nicht kontrollieren, also erlauben wir es, aber an den ersten drei Olympia-Tagen ist es noch verboten. Ein absoluter Unsinn." Der gleichen Meinung ist Gerhard Berger: "Diese Fia-Haltung ärgert mich besonders. Wenn man die Traktionskontrolle jetzt gleich freigeben würde, dann wären die Debatten vom Tisch!"

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