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Formel 1 : Verwarnung für Mercedes

Das Image der Silberpfeile hat Kratzer abbekommen. Doch um eine harte Strafe ist Mercedes in der Reifentest-Affäre herumgekommen. Das Werksteam erhielt wie auch Pirelli nur eine Verwarnung. Red Bull und Ferrari dürften schäumen.

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Blaues Auge. Mercedes ist nach seinen umstrittenen Testfahrten mit Reifen-Hersteller Pirelli überraschend glimpflich davon gekommen.
Blaues Auge. Mercedes ist nach seinen umstrittenen Testfahrten mit Reifen-Hersteller Pirelli überraschend glimpflich davon...Foto: dpa

Mercedes kann aufatmen. Der Formel-1-Rennstall ist in der Affäre um die 1000 Kilometer Reifentest mit Pirelli im Mai in Barcelona mit einem blauen Auge davon gekommen. Statt der von vielen Experten erwarteten Millionenstrafe oder einem Punktabzug gab es nur eine Verwarnung und den Ausschluss vom dreitägigen Nachwuchsfahrer-Test im Juli.

Das Gericht unter Vorsitz von Edwin Glasgow folgte damit dem Antrag von Mercedes-Anwalt Paul Harris, der genau das im Falle einer Verurteilung als angemessene Strafe in dem Raum gestellt hatte. Damit hatte sich schon angedeutet, dass man sich bei Mercedes wohl doch nicht so ganz sicher war, wirklich alles richtig gemacht zu haben, obwohl die Bosse Toto Wolff und Niki Lauda immer wieder gegenteiliges verkündet hatten. Auch Pirelli hat nichts zu befürchten. Der italienische Reifenhersteller ging ebenfalls mit einer Verwarnung aus dem Verfahren. Theoretisch kann der Automobil-Weltverband Fia in seiner Rolle als Kläger gegen das Urteil Berufung einlegen. Das ist aber kaum anzunehmen.

Mercedes wurde zwar schuldig gesprochen, gegen die Paragraphen 22.4 (Testverbot während der Saison) und 151c (Vorteilsnahme durch Sport schädigendes Verhalten) verstoßen zu haben. Dass es dennoch zu dem relativ milden Urteil kam, wurde vor allem damit begründet, dass das Team „in gutem Glauben“ gehandelt habe und an durchaus kompetenter Stelle Informationen eingeholt habe. Dabei geht es um die telefonische Anfrage beim Fia-Renndirektor Charlie Whiting, der den Test „unter bestimmten Bedingungen“ für erlaubt erklärt hatte. Dazu gehörten etwa die Einladung aller anderen Teams, die aber nicht erfolgte. Pirelli-Chef Paul Hembery hatte schon vor Wochen zugegeben: „Wenn wir das gemacht hätten, wäre der Test nie zustande gekommen, weil sich garantiert einer quergelegt hätte.“ Pirelli berief sich vor Gericht allerdings auf eine Information zu dem Thema, die an alle Teams 2012 ergangen war. Mercedes argumentierte, man habe bei Pirelli durchaus nachgefragt, ob die Bedingungen erfüllt seien, um sich eben auf keinen Fall strafbar zu machen. Auch das wurde im Bereich „mildernde Umstände“ verortet.

Natürlich spielt auch die Politik eine Rolle. Zu sehr verärgern wollte die Fia Mercedes mit Sicherheit nicht. In der gegenwärtigen schwierigen Gesamtsituation der Formel 1 kann man es sich nicht leisten, einen der weltweit wichtigsten Hersteller zu verärgern und den dortigen Ausstiegsbefürwortern neue Munition zu liefern. Und Pirelli wird in Zukunft wohl auch noch gebraucht. Die Bereitschaft anderer Reifenhersteller, in die Formel 1 einzusteigen, hält sich in Grenzen. Ebenfalls nicht ganz unschuldig am milden Urteil dürfte die etwas undurchsichtige Rolle sein, die Charlie Whiting als Fia-Mitarbeiter in der ganzen Affäre spielte. Seine Beteiligung half sicherlich mit, das Verhalten der anderen Beteiligten etwas weniger kritisch zu beurteilen.

Begeistert sind die Konkurrenten vom Urteil verständlicherweise nicht. Es herrscht an vielen Stellen das Gefühl vor, dass Mercedes für einen gravierenden Regelverstoß doch recht billig davon gekommen sei. „Der Vorteil, den sie haben, wird durch die Strafe nicht wirklich ausgeglichen“, meint Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der den Fall gemeinsam mit Ferrari angezeigt hatte. Zwar werden die Kilometer beim Nachwuchsfahrer-Test, an dem Mercedes nun nicht teilnehmen darf, von den Teams erfahrungsgemäß vor allem zu Test- und Entwicklungszwecken benutzt. „Doch bei dem Barcelona-Test saßen die Stammpiloten im Auto“, sagt Horner. „Die können viel mehr Informationen liefern als unerfahrene Nachwuchsfahrer.“

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