Formel 1 : Vettel als Klassenclown

In der Formel 1 punktet man mit schnellen Runden, nicht mit Humor. Red Bull will es momentan wohl trotzdem mal mit Witzen versuchen.

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Die Formel 1 war einmal der Sport der Abenteurer und Hasardeure. Es war die größte Mutprobe, auf der Nordschleife des Nürburgrings durch Regen und Nebel zu rasen, der Tod saß als Beifahrer mit im Cockpit. Heute ist die Formel 1 ein Sport für Streber. Es gewinnt nicht mehr der Mutigste, sondern der, der am härtesten arbeitet und am gewissenhaftesten seine Hausaufgaben macht. Man muss sich nur die Liste der vergangenen Weltmeister anschauen: Schumacher, Alonso, Hamilton – allesamt Klassensprechertypen mit Hang zum Perfektionismus. Der sympathische Surfertyp Jenson Button hat es im vergangenen Jahr auch nur geschafft, weil ihm sein pedantischer Lehrer Ross Brawn ein unschlagbares Auto zusammengebaut hatte.

Bei Red Bull tut man alles, um nicht streberhaft rüberzukommen. Ein Spaßteam soll’s sein, immer für einen Witz zu haben. Vettel gibt dabei den Klassenclown, der seine Pointen treffsicher aus der letzten Reihe abfeuert. Die besten Vorlagen dazu liefert ihm sein eigener Rennstall.

In Ungarn hat Vettel trotz des schnellsten Autos wieder einmal nicht gewinnen können. Vor einer Woche war es eine falsch eingestellte Kupplung, diesmal soll ein defektes Funkgerät schuld daran gewesen sein, dass Vettel den Abstand zu seinem Vordermann Mark Webber hinter dem Safetycar zu groß werden ließ. Dabei war wohl eher das Problem, dass er die Regel gar nicht kannte. Das alles ist nicht einfach nur Pech oder Zufall – das Ausrutschen auf der Bananenschale hat Methode. Irgendetwas geht immer kaputt bei den Tollpatschen von Red Bull, irgendwer steht immer auf dem Schlauch.

Inzwischen macht sich Vettel selbst über diese Fortsetzungskomödie lustig. Das ist sympathisch, aber es wird ihm nicht den Titel einbringen. Wenn Vettel und Red Bull die Besten in einer Streberklasse werden wollen, müssen sie anfangen, sich mit ihren Hausaufgaben zu beschäftigen. Ansonsten droht ihnen das Hängenbleiben im Slapstick-Fach.

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