• Formel 1: Vettel ist der König der Nacht in Singapur – zum Titel fehlt noch ein Punkt

Formel 1 : Vettel ist der König der Nacht in Singapur – zum Titel fehlt noch ein Punkt

Nach dem Sieg in Singapur benötigt Sebastian Vettel nur noch einen Punkt, um der jüngste Doppel-Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 zu werden.

Karin Sturm
Beim Nachtrennen in Singapur holte Sebastian Vettel seinen neunten Saisonsieg im 14. Rennen.
Beim Nachtrennen in Singapur holte Sebastian Vettel seinen neunten Saisonsieg im 14. Rennen.Foto: dpa

Irgendwie hatte es Papa Norbert Vettel wohl schon geahnt, das es mit Sebastian Vettels WM-Titel doch noch nicht ganz klappen würde, als er vor dem Start zum Großen Preis von Singapur einen Platz suchte, wo er in Ruhe und ohne Stress durch ihn beobachtende Fernsehkameras das Rennen anschauen wollte: „Um die WM geht es mir gar nicht, das hängt von zu vielen anderen Faktoren ab, die Sebastian ja gar nicht beeinflussen kann. Mir geht es nur darum, dass er heute hier gewinnt.“ Am Ende fand er dann ein solches Plätzchen in der Red Bull-Hospitality, von der aus er auch einen sehr kurzen Weg zum Siegerpodest hatte. 

Denn der Sohnemann, der am Samstag seinen Eltern – auch Mutter Heike war in Singapur mit dabei – zum 29. Hochzeitstag schon eine überlegene Poleposition geschenkt hatte – kletterte da auch wie geplant auf die oberste Stufe: In überlegener Manier krönte er sich zum König der Nacht in Singapur, gewann seinen insgesamt neunten Grand Prix in dieser Saison, den 19. insgesamt. Aber zum vorzeitigen Titelgewinn reichte es dann doch nicht ganz. Dadurch, dass Jenson Button im McLaren Zweiter wurde vor Vettels Teamkollegen Mark Webber, fehlt noch genau ein Punkt aus den letzten fünf verbleibenden Rennen. Selbst ein zehnter Platz würde Vettel also in zwei Wochen bei seinem Lieblingsrennen in Suzuka reichen, auch wenn Button als einziger verbliebener Rivale dort gewinnen sollte – und die Eltern Vettel überlegen jetzt, ob sie nicht doch entgegen der bisherigen Pläne nach Japan kommen sollen. 

Spannend wurde es für Vettel eigentlich nur beim letzten Stopp, als ihm der überrundete Lotus-Pilot Heikki Kovalainen bei der Ausfahrt so unglücklich in die Quere kam, dass er mit dem Red Bull die weiße Linie an der Ausfahrt berührte und einige schon eine Strafe befürchteten. Doch es passierte nichts – und der Heppenheimer konnte bei der Zieldurchfahrt, begleitet von einem weltmeisterlichen Riesenfeuerwerk, wieder einmal jubeln, wie auch die komplette Redbull-Truppe an der Box. „Brilliante Fahrt, super, toll, genieße es“, rief ihm Teamchef Christian Horner über Funk zu – und bekam als Antwort zunächst einmal einen recht quietschigen Freudenschrei. Erster Gratulant im Parc Fermé war Teamkollege Webber, ehe die Fernsehkamera ein begeistertes Küsschen abbekam.

 „Ich freue mich sehr über diesen Sieg“, strahlte Sebastian., „Ich habe ein tolles Auto gehabt, wir konnten pushen, uns, wenn nötig, absetzen, Abstand herausfahren. Dann kam das Safety Car, das hat mich den Vorsprung gekostet, aber egal, ich hatte einen guten Restart und Glück, dass zwischen Jenson und mir genug Abstand durch Überrundete war. Ich bin gut in den Rhythmus reingekommen, konnte wieder Abstand herausfahren. Das war gut, denn am Ende war bei dem Verkehr viel los. In der letzten Runde hatte ich fünf Autos vor mir, das war ganz schön eng, dadurch hatte ich am Ende nicht den ganz großen Vorsprung.“ Trotzdem sei es natürlich ein Superergebnis. Und was die WM angehe, so „sieht es so aus, als ob wir beim nächsten mal noch eine Chance erhalten“, grinste er. 

In der Schlussphase des Rennens, in dem er erstmals in dieser Saison vom Start bis zur Zielflagge die Führung nie abgab, war der Fast-Weltmeister auch versucht, noch einmal die von Jenson Button gehaltene schnellste Rennrunde anzugreifen: „Aber meine Ingenieure haben mir deutlich gesagt, ich solle das lassen, nicht einmal wagen, daran zu denken,“ musste er derartige Pläne begraben, „aber das war auch okay, schließlich ist es nun mal das wichtigste, das Rennen zu gewinnen.“ Den Hintergrund erklärte Christian Horner: „Wir hatten in den letzten Runden ein paar kleiner Problemchen, nichts ernstes, aber wir wollten einfach auf Nummer sicher gehen. Außerdem passiert auf dieser Strecke mit den vielen Bodenwellen so schnell etwas, wenn man voll angreift. Sebastian hat auf jeden Fall wieder eine grandiose Leistung abgeliefert.“ 

Die von Vettel angesprochene Safety-Car-Phase hatte Michael Schumacher in der 29. Runde ausgelöst, als er bei einem Überholversuch am Hinterrad des Sauber von Sergio Perez hängenblieb, aufstieg und ziemlich heftig frontal in die Leitplanken knallte: „Kompliment an die Sicherheitsvorkehrungen, die sehr viel abgedämpft haben,“ konnte er danach nur feststellen, „der  Aufprall war halbwegs akzeptabel, nicht zu heftig für mich. Es geht mir gut. Mein Vordermann ist ein bisschen früh vom Gas gegegangen, damit habe ich in dem Moment nicht gerechnet. Er fuhr auch nicht ganz auf die normale Linie zurück sondern blieb innen. Ich rechnete nicht damit, dass er da schon vom Gas geht und war zu eng dran. Ich wollte gerade ansetzen zum Reinstechen, aber da war er schon vom Gas weg.“ Wo er zu diesem Zeitpunkt genau gelegen hatte, wusste Schumacher gar nicht. „Nico ist so um sechs, sieben rum – auf jeden Fall war ich gut unterwegs und das wären heute Punkte geworden.“ 

Rosberg wurde dann auch Siebter: „Optimal wäre Rang 6 gewesen, ich bin 7., das ist okay. Ich habe kein gutes Setup gefunden an diesem Wochenende, habe Probleme mit dem Heck gehabt, die Reifen haben über die Renndistanz abgebaut, hauptsächlich war die Elektronik falsch eingestellt. Das konnte man aber nach der Qualifikation nicht mehr beheben, das ist nicht erlaubt.“ Mercedes-Sportchef  Norbert Haug war halbwegs zufrieden: "Das Rennen hatte sich ordentlich für uns entwickelt, aber als Michael draußen war, hat das Safety Car für eine neue Mischung gesorgt. Michael hatte einen guten Speed und Nico hat am Ende mit Platz sieben auf Reifen, die mehr Runden als alle anderen hatten, geholt, was so zu holen war. Für Michael war es sehr schade. Es wird noch untersucht, was der Grund für den Auffahrunfall war, aber Michaels Speed hat zuvor wie in Spa und Monza überzeugt. Adrian Sutil landete „mit nicht optimaler Strategie“ auf Platz neun. Timo Glock sah nach einen Abflug keine Zielflagge. „Leider hat mich ein HRT hinten am Rad getroffen, von da an war das Auto sehr unruhig, und nervös, irgendwann ist das Heck ausgebrochen und das wars.“


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