Formel 1 : Von der Disko auf die Piste

In Bars und mit Schlaftabletten bereiten sich die Fahrer auf das erste Nachtrennen in Singapur vor.

Karin Sturm[Singapur]
Formel 1 GP Singapur - Kubica und Heidfeld
Arbeitsplatz bei Nacht. Heidfeld (vorne) und Kubica betrachten die erleuchtete Rennstrecke.Foto: dpa

Nico Rosberg hat die perfekte Vorbereitung ersonnen. „Ich gehe die ersten paar Tage in die Disco und schlafe dann tagsüber“, sagte der Williams-Pilot grinsend. „So bin ich perfekt im Zeit-Rhythmus für das Rennwochenende.“ Um den besonderen Herausforderungen des Wochenendes zu begegnen, muss man eben außergewöhnliche Wege gehen. Am Sonntag wird nämlich ein besonderes Formel-1-Rennen ausgetragen: zum ersten Mal wird in Singapur gefahren – und zum ersten Mal in der Nacht. Um 20 Uhr Ortszeit beginnt das Rennen. Da die Startzeit der sechs Stunden Zeitverschiebung wegen dem in Europa üblichen Rennbeginn entspricht, versuchen die Piloten, im Kopf in Europa zu bleiben. „Im Gegensatz zu sonstigen Überseerennen, wo es wichtig ist, sich so schnell wie möglich auf die lokale Zeit einzustellen, versuchen wir diesmal, so weit wie möglich im europäischen Zeitfenster zu bleiben“, sagt der WM-Führende Lewis Hamilton.

Um 18 Uhr gibt es Mittagessen, früh um drei Uhr geht es ins Bett

So schwärmten auch Nick Heidfeld und Adrian Sutil schon aus ins Singapurer Nachtleben, um ja nicht zu früh einzuschlafen. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso schaut lieber bis früh Videofilme am Computer – und David Coulthard gibt sich speziellen Vergnügungen hin: „Meine Verlobte Karen ist hier - da verbringe ich die zusätzliche Zeit natürlich am liebsten im Schlafzimmer.“
Aufstehen werden Coulthard und seine Kollegen in Singapur gegen 13 Uhr, Mittagessen gibt’s gegen 18 Uhr, und nachts gegen drei geht es wieder ins Bett. Wobei einige Teamärzte sich fragen, ob das wohl so ganz problemlos funktionieren wird. Schließlich haben die Fahrer nach Training und Qualifying noch Adrenalin im Blut. „Die Frage ist, wie schnell sie das abbauen können, um zur Ruhe zu kommen“, sagt etwa Toyotas Teamarzt Roberto Ceccarelli. Seine Lösung: „Möglicherweise müssen wir mit einem leichten Schlafmittel nachhelfen, damit das klappt.“

Die Flutlichtstrahler sind viermal heller als in einem Fußballstadion

Nicht viel weniger kompliziert ist der technische Ablauf des Rennens, das auf den Straßen am Hafen Singapurs ausgetragen wird. Der ehrgeizige Stadtstaat ist dabei Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bei der Verwirklichung seines Traums von einem Nachtrennen so weit es nur ging entgegengekommen und wird unter anderem auch für die komplette Stromrechnung aufkommen. Und die wird gewaltig ausfallen. Die Strecke wird komplett mit Flutlichtstrahlern ausgeleuchtet, die viermal heller als in einem Fußballstadion sind. Sie werden gespeist von zwölf voneinander unabhängigen Generatoren, die ein „ausfallsicheres“ System darstellen, wie die Veranstalter immer wieder betonen. „Das ist wirklich taghell“, sagt etwa Toro-Rosso-Pilot Sebastien Bourdais, der aus seiner Indycar-Zeit immerhin schon weiß, wie es sich unter Flutlicht fährt.

Vor Regen fürchten sich alle - und die Helmfirmen basteln an speziellen Visieren

Eine Frage kann dagegen noch niemand beantworten: Was passiert, wenn es regnet? Eine nicht so unwahrscheinliche Möglichkeit, denn Gewitterschauer in den Abendstunden sind im tropischen Singapur eher die Regel als die Ausnahme. „Das könnte eventuell schon Probleme geben“, warnt BMW-Teamchef Mario Theissen. „Da gibt es bisher überhaupt keine Erfahrungswerte, wie sich das auf die Sichtverhältnisse auswirken wird.“ Helmfirmen basteln schon eifrig an speziellen Visieren, die die Tröpfchenbildung, Hauptursache für eine mögliche Blendwirkung, so weit wie möglich verhindern soll.

Nick Heidfeld hätte es trotzdem deutlich lieber gesehen, „wenn es möglich gewesen wäre, das irgendwo unter simulierten Bedingungen einmal zu testen“. Seine Hoffnung: „Wenn es schon regnen muss, dann wäre es besser, wenn das schon am Freitag oder Samstag passieren würde und nicht erst im Rennen.“ Zur Not kann er den Frust über einen Unfall ja danach in der Disko herunterspülen.

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