Formel 1 : Von hinten nach vorne

In Budapest gewinnt der finnische Außenseiter Kovalainen vor dem deutschen Außenseiter Glock. Die ausgeschiedenen Favouriten freuen sich über den Sieg ihrer Kollegen.

Karin Sturm
Formel 1
Die Finnen Heikki Kovalainen (r.) und Kimi Raikkonen feiern ihren Sieg. -Foto: dpa

BudapestDer eine weinte bittere Tränen, der andere konnte trotz der Niederlage noch ein bisschen grinsen: Felipe Massa blieb beim Formel-1-Rennen von Ungarn in einer Depression stecken, nachdem ihn ein Motorschaden drei Runden vor Schluss aus allen Sieg- und WM-Führungsträumen riss.

„Ich habe alles getan, was ich konnte, perfekte Arbeit abgeliefert“, berichtete er mit immer noch tränenerstickter Stimme, „aber was soll ich machen?“ Diese Frage stellte sich auch Lewis Hamilton, der auf dem Hungaroring als der große Favorit gestartet war, dem Massa aber gleich einmal mit einem Superstart die Show gestohlen hatte. Sein Pech konnte Hamilton dennoch gelassener ertragen, obwohl ihn ein Reifenschaden auf den fünften Platz zurückwarf. Angesichts des Massa-Ausfalls baute er seine WM-Führung sogar noch aus. Und: „Außerdem kann ich mich ja mit meinem Teamkollegen Heikki Kovalainen über dessen ersten Sieg freuen.“

Favouriten freuen sich über Sieg der Außenseiter

Ja, bei diesem Formel-1-Rennen konnten sich die Favoriten höchstens mitfreuen. Der Finne kam durch das Pech der Spitzenreiter unerwartet zum allerersten Formel-1-Triumph seiner Karriere. „Es tut mir leid für Felipe“, sagte Kovalainen. „Aber ich freue mich natürlich riesig über den Erfolg, ich hoffe, es ist der erste von vielen”. Sein Teamchef Ron Dennis scheint daran zu glauben. Er begrüßte ihn über Funk mit „Willkommen im Klub der Sieger“.

Fast schon dorthin aufgestiegen ist der eigentliche Sensationsmann des Wochenendes – und das nicht nur aus deutscher Sicht: Timo Glock, der vor zwei Wochen in Hockenheim nach einem Aufhängungsbruch mit Tempo 200 in die Boxenmauer geflogen war, landete als Zweiter auf dem Podium – noch vor Weltmeister Kimi Räikkönen. Glock hatte schon im Qualifying mit dem fünften Rang aufmerken lassen – im Rennen bewies er dann, dass das nur ein Anfang war.

Gekonnt und mit dem Glück des Tüchtigen fuhr er die Sensation heraus. Selbst nachdem er sich bei der Siegerehrung Unmengen von Champagner in den Mund gesprüht hatte, konnte Glock kaum glauben, was er da auf dem technisch anspruchsvollen Kurs erreicht hatte: „Dass ich in meiner ersten Saison schon auf dem Podium stehen würde, das hatte ich mir nicht erträumt.“ In den vergangenen drei Rennen war es ihm immer besser gelungen, sein Auto weiterzuentwickeln. „Dafür haben wir jetzt die Belohnung bekommen“, jubelte Glock. „Es ist ein unglaubliches Gefühl.“

Ein unglaubliches Gefühl hatte ihn allerdings auch schon im Rennen begleitet – Glock litt immer wieder unter Magenkrämpfen. Deshalb konnte er auch kaum trinken. „Ich glaube, ich habe von den zwei Litern in meiner Flasche keine 0,2 Liter getrunken“, erzählte Glock, der am Abend nach dem Rennen sehr erschöpft wirkte. „Ich bin leer und kaputt“, sagte er, bevor er sich in die dreiwöchige Formel-1-Pause verabschiedete.

Deutsche Rennställe bleiben auf der Strecke

Für die anderen Deutschen lief in Budapest nicht viel zusammen. Nick Heidfeld hatte schon im Qualifying nahezu alle Chancen verloren, als er bereits im ersten Teil ausschied – weil ihm Toro-Rosso-Pilot Sebastien Bourdais im Weg gestanden und seine schnellste Runde zerstört hatte. Im Rennen brachte ihn auch eine Ein-Stopp-Strategie nur noch bis auf Platz 10.

BMW-Sauber erlebte sowieso einen schlechten Tag: Robert Kubica, im Qualifying noch Vierter, rutschte bis auf den achten Platz zurück. „Dieses Rennen ist völlig an uns vorbeigelaufen“, resümierte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Und sonst? Nico Rosberg landete am Ende auf Platz 14, Adrian Sutil musste fünf Runden vor Schluss mit technischen Problemen aufgeben, Sebastian Vettel hatte es schon in der Anfangsphase erwischt.

Ein aufregendes Wochenende aus deutscher Sicht bot dieses Formel-1-Rennen von Ungarn dennoch. Dank Timo Glock, der sich trotz angeschlagener Gesundheit bravourös nach vorn gekämpft hatte. Und am Ende nur von einem anderen Nicht-Favoriten überboten wurde, dem glücklichen Finnen Kovalainen. Der Klub der Sieger in der Formel 1 könnte in dieser Saison noch anwachsen.

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