Formel 1 : Wann droht Mercedes Streit zwischen seinen Fahrern?

Noch wirkt das teaminterne Formel-1-Duell von Lewis Hamilton und Nico Rosberg harmonisch – doch wie lange noch?

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Piep, piep, piep, wir haben uns alles ganz lieb. Alle freuen sie sich bei Mercedes nach dem zweiten Doppelsieg der noch jungen Saison in der Formel 1. Der Nico und der Lewis natürlich ganz besonders.
Piep, piep, piep, wir haben uns alles ganz lieb. Alle freuen sie sich bei Mercedes nach dem zweiten Doppelsieg der noch jungen...Foto: REUTERS

Eine freundschaftliche Umarmung im Ziel. Gegenseitige Komplimente, die beiden Herren wissen, was sich gehört. Gegner? Nein. Konkurrenten? Jein. Schließlich kommen sie ja aus einem Stall, die beiden zurzeit schnellsten Piloten in der neuen Formel-1-Saison. Und was sich da zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg anbahnt, ist ein Teamduell, das das Zeug dazu hat, ein neuer Klassiker in der Geschichte des Motorsports zu werden. Auch wenn Sebastian Vettel und Red Bull noch hoffen, spätestens ab Beginn der Europasaison so nahe an Mercedes heranzukommen, dass die Silbernen im Kampf um den WM-Titel noch angegriffen werden können: Im Moment deutet einiges darauf hin, dass das interne Duell zwischen den beiden Mercedes-Piloten die Formel-1-Saison 2014 bestimmen könnte.

In Bahrain wurde Hamilton am Sonntag wie schon eine Woche zuvor in Sepang beim zweiten Grand Prix Erster vor Rosberg, der dafür das Auftaktrennen der Saison gewonnen hatte. Es ist lange her, dass in der Formel 1 zwei Teamkollegen wirklich auf gleichem Niveau um den WM-Titel kämpften – vor allem ohne wirkliche Konkurrenz aus einem anderen Stall. 2007 kämpften zwar die damaligen McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso auf Augenhöhe, aber da war eben auch noch Kimi Räikkönen im Ferrari, der dann ja am Ende sogar der lachende Dritte war und Weltmeister wurde. 1996 machten die Williams-Piloten Damon Hill und Jacques Villeneuve zwar den Titel unter sich aus, Villeneuve war in seiner ersten Formel-1-Saison damals aber von Anfang an Außenseiter.

Hamilton und Rosberg erinnern an Damon Hill und Jacques Villeneuve

Die letzten wirklich ganz großen teaminternen Duelle um den Titel ohne Einmischung von außen liegen schon über 25 Jahre zurück: 1988 und 1989 waren es Ayrton Senna und Alain Prost, die sich bei McLaren ihre epischen Zweikämpfe lieferten – vor allem 1988 war McLaren so dominant wie derzeit Mercedes und gewann 15 von 16 Rennen. Doch dieses Duell war von sehr viel Polemik zwischen Senna und Prost begleitet. Zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg scheint es im Verhältnis dagegen derzeit noch zu stimmen . Nico Rosberg und Lewis Hamilton sind schon im Kart gegeneinander gefahren und träumten davon, einst in der Formel 1 gegeneinander zu fahren. Und Nico Rosberg sagt, an ihrem guten Verhältnis habe sich nichts geändert. Auch das Duell von Bahrain sei „jederzeit fair“ gewesen.

Die Frage ist, wie lange das so bleibt. Die Vorgaben der Teamführung sind im Moment klar. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sagt: „Beide dürfen frei fahren, gegeneinander kämpfen – aber sie wissen auch, dass wir natürlich beide Autos im Ziel sehen wollen.“ Die Regeln werden schon im Vorfeld festgelegt. Eine davon hieß in Bahrain: Wir haben zwei Strategien. Wer nach dem Start vorne ist, bekommt die theoretisch schnellere Strategie mit auf die Strecke. Weswegen Nico Rosberg ja schon am Samstag betont hatte, dass der Start wohl ganz entscheidend sein würde.

Der Deutsche hatte nicht verhindern können, dass Hamilton besser vom Start wegkam. Als dann vom Team im Rennen die Anweisung kam, beide Autos ins Ziel zu bringen, sahen darin einige Beobachter doch eine Teamorder zugunsten von Hamilton. „War es aber nicht“, sagte der Brite. Und Rosberg stimmte dem zu: „Es gab nur noch einmal den eigentlich unnötigen Hinweis, dass wir uns nicht gegenseitig von der Strecke befördern sollten.“

Ein Hinweis, den der Brite entschlossen zu seinen Gunsten nutzte. Eines weiß der Deutsche nun: Wenn er Hamilton im WM-Titelkampf schlagen will, dann muss er sich von Anfang an in die führende Position bringen. Denn in einem teaminternen Duell, in dem Risiko unerwünscht ist, hat der nach dem Start Führende immer die besseren Siegchancen.

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