Formel-1-Weltmeister : Lewis Hamilton: Weltstar aus dem Arbeiterviertel

Lewis Hamilton polarisiert mit privaten Eskapaden – seine Fahrkünste dagegen sind unbestritten. Am Sonntag ist er in Abu Dhabi zum zweiten mal Weltmeister geworden.

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Steht auf vier Räder und Vierbeiner. Hamilton mit seiner Bulldogge Roscoe.
Steht auf vier Räder und Vierbeiner. Hamilton mit seiner Bulldogge Roscoe.Foto: imago

Einen prominenten Fan hat Lewis Hamilton mit seinem WM-Titel in Abu Dhabi besonders glücklich gemacht. Kein geringerer als Bernie Ecclestone wünschte sich den Briten als neuen Weltmeister, weil er viel besser zu vermarkten sei als Nico Rosberg, den niemand kenne. Der Formel-1-Chef hat Hamilton schon seit dessen Formel-1-Debüt 2007 ins Herz geschlossen. Der erste dunkelhäutige Formel-1-Star, der fröhliche Youngster, der unbekümmert das ganze Establishment durcheinander wirbelt, der Familienmensch, der sich rührend um seinen behinderten Bruder kümmert – all das war damals im Jahr eins nach Michael Schumacher eine wunderbare und gewinnversprechende Geschichte.

Die Anfänge der Traumkarriere sind inzwischen tausendfach erzählt. Der kleine Lewis wuchs als Einwandererkind mit karibischen Wurzeln im britischen Arbeiterstädtchen Stevenage auf. Hamiltons Vater Anthony und die gesamte Familie mussten gerade am Anfang viele Opfer bringen, um ihm seine Rennsportkarriere zu ermöglichen. Aus dieser Aufsteiger- Vergangenheit leitet Hamilton selbst gern ab, „hungriger“ zu sein als der in Monaco aufgewachsene Teamkollege Nico Rosberg.

Ron Dennis als früher Förderer von Hamilton

Nach den ersten großen Kart-Erfolgen sprach er als Zehnjähriger bei einer Veranstaltung den McLaren-Teamchef Ron Dennis an und sagte: „Ich möchte später einmal für Sie Formel 1 fahren.“ Dennis nahm ihn als 13-Jährigen unter seine Fittiche und ins McLaren-Mercedes-Nachwuchsförderprogramm auf. Dadurch genoss Hamilton von Jugend an bestmögliche Betreuung und Förderung und wuchs in einer hoch professionellen Umgebung auf. 2007 holte ihn Dennis schließlich ins Formel-1-Team, wo er den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso zermürbte. In dem Jahr vergab Hamilton den WM-Titel noch, in seiner zweiten Saison 2008 gelang ihm die Krönung.

Hamiltons virtuoser Fahrstil beeindruckte von Beginn an nicht nur die Fans, sondern auch seine Konkurrenten. Anfangs bewies er auch Talent, dabei immer äußerst sympathisch zu wirken. Zum Beispiel durch die Nachdenklichkeit, mit der er sich schon mal auf mögliche Rückschläge einstellte: „Die werden kommen, das ist klar. Und es wäre dumm von mir, mich mit dieser Vorstellung überhaupt nicht auseinanderzusetzen.“

Netter und lieber Junge von nebenan - nur nach außen

Aber schon damals wussten einige: Auch wenn sich Hamilton sehr geschickt als der nette, liebe Junge von nebenan verkauft, der kein Wässerchen trüben kann und von seinem eigenen Erfolg völlig überrascht und überwältigt ist – so harmlos unschuldig ist er in Wirklichkeit nicht. Gerade im Verbund mit seinem ehrgeizigen Vater Anthony, der jeder Eislaufmutter alle Ehre machen würde und der in den ersten Jahren seiner Formel-1-Karriere als Manager noch alle Fäden zog, beherrscht er die Tricks und Spielchen hinter den Kulissen der Formel 1 genauso gut wie jeder andere Top-Fahrer.

Sportlich steht seine Leistung zwar bei allen außer Zweifel, speziell in diesem Jahr müssen das auch die Fans anderer Piloten anerkennen. Aber dass Hamilton sich nicht nur in der Sportszene, sondern auch sehr gerne in der Showkreisen bewegt, polarisiert im Fahrerlager und außerhalb. Das andauernde Hin und Her in seiner Beziehung zu „Pussycat Doll“-Sängerin Nicole Scherzinger, das Dauerdrama zwischen angeblich anstehender Hochzeit und Trennung, der auffällige Schmuck, die wuchtigen Goldketten, die vielen Tattoos, die Abstecher nach Hollywood, die auf Twitter genauso veröffentlicht werden wie die Fotos von Hund Roscoe, all das steht bei ihm manchmal mehr im Fokus als alles andere.

Freunde sagen: Die Star-Attitüden sind nur aufgesetzt

Ob ihm das jetzt selbst manchmal zu viel wird? Vielleicht hat er sich deshalb von seinem Manager Simon Fuller getrennt, der sich auch um die Vermarktung von David Beckham kümmert und der ihn von Anfang an als großen Showstar vermarkten wollte. Doch viele, die ihn besser kennen, sagen, dass die ganzen Star-Attitüden eigentlich nur aufgesetzt seien. Und dass sich Lewis Hamilton in Wahrheit immer noch im kleinen Kreis seiner Familie und engster Vertrauter am wohlsten fühle und im Innersten das Kind aus Stevenage geblieben sei.

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