Formel 1 : WM-Entscheidung vertagt

Der Finne Kimi Räikkönen hat den Großen Preis von Belgien in Spa- Francorchamps gewonnen und damit die WM-Entscheidung in der Formel 1 vertagt.

Spa-Francorchamps (11.09.2005, 16:46 Uhr) - Der WM-Führende Fernando Alonso wurde Zweiter. Der spanische Renault-Pilot profitierte dabei einmal mehr vom Pech für McLaren-Mercedes, als der hinter dem führenden Räikkönen fahrende Juan Pablo Montoya in der viertletzten Runde nach einem Crash mit BMW-Williams-Pilot Antonio Pizzonia von der Strecke flog. Alonso kann sich nun im zweiten Anlauf am 25. September beim Brasilien-Grand-Prix in Sao Paulo erstmals zum Formel-1-Weltmeister krönen.

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Ebenfalls vorzeitig beendete der bereits entthronte Titelverteidiger Michael Schumacher ausgerechnet in seinem «Wohnzimmer» das Rennen nach einem unverschuldeten Crash mit dem Japaner Takuma Sato. In dem von einigen spektakulären Ausfällen geprägten Rennen verkürzte Räikkönen mit seinem sechsten Saisonerfolg den Rückstand auf Renault-Fahrer Alonso (111) um lediglich zwei Punkte auf 25 Zähler.

«Schade, dass das mit Juan Pablo passiert ist und wir nicht bekommen haben, was wir verdient gehabt hätten», meinte der Finne sichtlich verärgert, der nach 1:30:01,295 Stunden und 306,944 km (44 Runden à 6,976 km) als erster über die Ziellinie fuhr. Sein spanischer Rivale verpasste es zwar als Zweiter, sich im viertletzten Saisonrennen mit 24 Jahren und 44 Tagen zum bislang jüngsten Weltmeister zu krönen. Beim nächsten Duell in in Brasilien reicht Alonso in jedem Fall aber der dritte Platz zum Titel.

«Zweiter ist besser, als wir erwartet hatten. Wir mussten nichts riskieren. Wir haben das Rennen so durchgezogen, wie es für uns ging», sagte Alonso. Geschlagen geben will sich McLaren-Mercedes im Kampf um die Krone allerdings noch nicht. «Wir sollten alle optimistisch nach Brasilien fahren. Die WM ist immer noch offen», betonte Teamchef Ron Dennis.

Der seit einer Woche gestürzte Titelverteidiger Michael Schumacher erlebte unterdessen einen weiteren bitteren Moment in dieser Saison, als er nach 14 Runden von Sato im BAR-Honda von der Piste geschoben wurde. «Ich glaube, wir haben schon öfter Harakiri-Aktionen von ihm erlebt. Wir haben schon oft mit ihm gesprochen. Ich weiß nicht, welche Therapie jetzt noch bei ihm hilft», schimpfte Schumacher, nachdem ihn Sato kurz nach der Safety-Car-Phase ins Heck gekracht war. «Die Bremsen haben blockiert», gab Sato als Entschuldigung an. Schumacher hatte sich den Japaner bereits auf der Strecke vorgeknöpft und ihm wild gestikulierend die Leviten gelesen.

In der Gesamtwertung bleibt der 36-Jährige aber auf Rang drei (55) vor Montoya (50). Bruder Ralf kam im Toyota auf den siebten Rang. Auch in der Kontrukteurs-Wertung behauptete Renault (152) die Führung vor McLaren-Mercedes (146), trotz des Ausfalls von Giancarlo Fisichella (Italien) im zweiten Renault. Ferrari (90) blieb Dritter.

Vom Start weg lagen die beiden Silberpfeile vorn. Allerdings in der Reihenfolge Montoya vor Räikkönen. So hatten sich auch für den Lauf qualifiziert. Auf dem rutschigen Kurs baute das Duo seinen Vorsprung vor dem ersten Boxenstopp kontinuierlich aus, während sich Michael Schumacher ans Heck von Alonso heftete.

Fisichellas Crash in der zwölften Runde ausgangs der berüchtigten Eau rouge bei rund 300 km/h brachte das Feld durch die folgende Safety-Car-Phase wieder zusammen, in denen die Teams die Zeit zum Boxenstopp nutzten. Größter Nutznießer schien Ralf Schumacher gewesen zu sein, als er sich zwischenzeitlich auf den zweiten Rang verbesserte. Bei einem erneuten Reifenwechsel verzockten sich die Toyota-Ingenieure in der 25. Runde allerdings, und der 30-Jährige fiel wieder auf den siebten Rang zurück.

An der Spitze bauten Montoya und Räikkönen ihren Vorsprung wieder aus, wobei der zum Siegen verdammte Finne mit einer Rundenbestzeit nach der anderen immer näher an den Kolumbianer herankam. Nach einem erneuten Stopp zehn Runden vor Schluss kehrte Räikkönen dann vor Montoya auf die Strecke zurück, ehe Pizzonia den ersten Doppelerfolg des britisch-schwäbischen Rennstalls in dieser Saison. «Wir haben alles getan, was wir konnten. Ich bin enttäuscht über Williams. Das war nicht nötig, so viel zu riskieren», schimpfte Dennis und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug fasste kurz und knapp zusammen: «Pizzonia hat leider den Doppelsieg verhindert, aber wir kämpfen weiter. Die Minimalchance für Kimi ist noch da.»

(Von Volker Gundrum, dpa)

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