Sport : Formel 1: Wut und Genugtuung

In seinem vorletzten Grand Prix vor einer einjährigen Pause gelang Mika Häkkinen "ein Meisterwerk", wie die italienische "Gazzetta dello Sport" respektvoll feststellte. "Monte Carlo, Silverstone und nun Indianapolis gehören in das Rekordbuch eines Rennfahrers", sagte der nun 20-malige Grad-Prix-Sieger. Selten sah man den Finnen so ausgelassen wie nach seinem Sieg im Mekka des amerikanischen Automobilsports. "Dieser Tag ist für mich einer der wichtigsten in meiner Karriere." Nach dem 17. und letzten Weltmeisterschafts-Lauf in 14 Tagen in Suzuka wird sie vorläufig beendet sein. Häkkinen will sich mehr um seine Familie kümmern, vor allem um den neun Monate alten Sohn Hugo, "der bald zu laufen und zu sprechen anfangen wird".

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Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Trotz des Sieges ärgerte sich Häkkinen über seine Strafversetzung von Startplatz zwei auf vier, weil er im Warm-up bei Rotlicht auf die Strecke gefahren war. "Ich habe Mika selten so wütend gesehen", sagte McLaren-Teamkollege David Coulthard. Häkkinen fand das Strafmaß zu hart, "denn ich konnte aus meiner Position nicht mal die Ampel sehen". Renndirektor Charlie Whiting: "Wenn wir es einem Fahrer durchgehen lassen, tun es in Zukunft alle. Geldstrafen helfen da wenig."

Dass Häkkinen gewann, war ein Sieg der Disziplin und Taktik. Disziplin, weil er auf Abwarten fuhr. "Mika und auch David haben am Anfang Benzin gespart und Reifen geschont", lobte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Deshalb hätten beide extrem spät tanken können, später als Michael Schumacher und später als man selbst eingeplant hatte. Die Silberpfeile waren darüber hinaus auch besser bereift als Ferrari. Die weichen Reifen erwiesen sich bei Asphalttemperaturen von bis zu 38 Grad als die klügere Wahl. Schumacher gab zu: "Der Vorteil, den wir uns von den harten Reifen versprachen, trat nicht ein." Der bereits feststehende Weltmeister empfand Häkkinens Sieg als "ausgleichende Gerechtigkeit" für die "etwas zu harte Strafe".

Mika Häkkinen fährt nun noch gelöster zu seinem Abschiedsrennen nach Suzuka, einen Grand Prix, den er schon zwei Mal gewonnen hat. Aber selbst ein dritter Sieg in Japan wird ihn nicht mehr umstimmen. "Meine Entscheidung ist getroffen", bekräftigte er. Michael Schumacher blickt seinem langjährigen Rivalen mit Wehmut hinterher: "Mika war von der Formel 3 bis heute ein großer Gegner." Häkkinen gab scherzhaft zurück: "Du hast mich in den Rücktritt getrieben, weil du zu viel gewonnen hast."

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