Sport : Formel 1: Zwei fahren allen davon

Karin Sturm

Acht Monate, 17 Rennen, ein Weltmeister Michael Schumacher, nur vier verschiedene Sieger, Überraschungen, Enttäuschungen, Gewinner und Verlierer - die Bilanz der Formel-1-Saison 2000

Fahrer des Jahres ist Michael Schumacher: Neun Siege, neun Polepositions und der dritte WM-Titel - das spricht für sich. Mika Häkkinen stand dem Weltmeister allerdings kaum nach. Die beiden bewegten sich konstant auf überragendem Niveau.

Einsteiger des Jahres ist Jenson Button. Der Jungstar hat alle Zweifler überzeugt. Viele hatten sich vor Saisonbeginn gefragt, ob der 20-jährige Brite mit seiner geringen Erfahrung für den Sprung direkt von der Formel 3 in die Formel 1 schon reif sei. Doch Button glänzte von Anfang an, zeigte kaum Nerven und machte nur wenige Fehler.

Die Rückkehrer des Jahres kommen aus München: Nach 13 Jahren Formel-1-Pause kam BMW zurück - mit Williams als Partner und einem Platz auf dem Podest für Ralf Schumacher beim ersten Auftritt in Australien. Dass BMW-Williams Dritter in der Konstrukteurs-WM werden würde, hätte vor der Saison niemand zu prophezeien gewagt.

Der Absteiger des Jahres ist Eddie Irvine. Im letzten Jahr hatte der Nordire mit Ferrari noch bis zum letzten Rennen um den WM-Titel gekämpft, in dieser Saison wurde er mit Jaguar zum Hinterherfahrer degradiert. Irvine bestätigte, was viele auch schon in seiner Ferrari-Zeit dachten: dass er eben doch kein absoluter Top-Mann ist, wenn er nicht in ein von Anfang an perfektes Auto steigen kann.

Die Enttäuschung des Jahres lieferten gleich zwei Teams, die mit hohen Erwartungen in die Saison 2000 gestartet waren: Jordan und Jaguar. Das eine konnte nie an die Form und die Ergebnisse der letzten Saison anknüpfen, das andere machte auch nicht den nach der Übernahme des Stewart-Teams durch Ford erwarteten weiteren Sprung nach vorn.

Die Aktion des Jahres ließ den Formel-1-Fans den Atem stocken: Das Überholmanöver von Mika Häkkinen gegen Michael Schumacher in Spa bei Tempo 320 - mit dem überrundeten Ricardo Zonta in der Mitte - wird in die Formel-1-Geschichte eingehen.

Die Umsteiger des Jahres sind zwei Fahrer, bei denen ein Schritt zurück zum Schritt nach vorne wurde: Olivier Panis, der den Sprung vom Rennfahrer bei Prost zum Testfahrer bei McLaren wagte und sein Image so aufpolierte, dass er schon zu Saisonmitte unter mehreren Angeboten für 2001 wählen konnte. Dazu Alexander Wurz, der nach einer völlig verkorksten Saison bei Benetton im nächsten Jahr im Silberpfeil als Testpilot sein wahres Potential zeigen will.

Der Aussteiger des Jahres ist Johnny Herbert. Der Engländer, der Anfang 1989 seinen ersten Grand Prix fuhr, hat sich nach 161 Rennen aus der Formel 1 verabschiedet und will sein Glück jetzt in den USA, in der Cart-Serie, suchen.

Die Tragödie des Jahres spielte sich in Italien ab: Der Massenunfall in der ersten Runde in Monza forderte das erste Todesopfer der Formel 1 seit sechs Jahren, seit dem schwarzen Wochenende von Imola mit den tödlichen Unfällen von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger. Diesmal traf es einen Streckenposten, den 33jährigen Paolo Ghislimberti, der von einem abgerissenen Rad erschlagen wurde.

Der Zwischenfall des Jahres geschah in Hockenheim, als ein in Frankreich von Mercedes entlassener Mitarbeiter alle Sicherheitsschranken durchbrach, auf die Strecke lief und damit McLaren-Mercedes um den Sieg brachte. Nur durch die notwendige Pace-Car-Phase hatte Rubens Barrichello wieder so nahe herankommen können, dass er Häkkinen am Ende noch abfing.

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