Sport : Formel Eins: Zwei Überschläge und kein blauer Fleck

Karin Sturm

Schon wieder Melbourne. Beim Großen Preis von Australien drückt Michael Schumacher offenbar besonders wagemutig aufs Gaspedal. Vor einem Jahr verlor er bei Tempo 180 die Kontrolle über seinen Ferrari und bremste unsanft an der Streckenbegrenzung. Gestern, drei Minuten vor dem Abschluss des Freien Trainings, leistete sich der Weltmeister vor dem ersten Rennen der neuen Formel-1-Saison gar einen der spektakulärsten Unfälle seiner Karriere. Und das am 32. Geburtstag seiner Ehefrau Corinna.

Es passierte vor der sechsten Kurve. Michael Schumacher kam von der Strecke ab, schlitterte ins Kiesbett und überschlug sich zweimal. Die Zuschauer hielten noch den Atem an, da kletterte der Pilot schon aus dem Auto. Gut gelaunt und völlig unverletzt sprach Schumacher in die Mikrofone, was kaum einer für möglich gehalten hatte: "Mir geht es bestens, ich habe nicht einmal einen blauen Fleck." Da war auch Corinna Schumacher beruhigt, die den Unfall an den Bildschirmen in der Boxengasse verfolgt hatte.

Hintergrund:
Schumachers spektakulärste Unfälle

Michael Schumacher gab sich gelassen. "Es war zwar das erste Mal in meiner Karriere, dass ich mich überschlagen habe, aber trotzdem nicht so schlimm, weil ich nirgendwo angeschlagen bin", sagte er. "Ich habe immer auf den Aufprall gewartet, aber der kam nicht." Das Ganze sei recht ruhig und sanft abgelaufen. Und das Auto? "Ach, das ist nicht so schlimm, das kriegen wir wieder hin."

Beim ersten Duell der versammelten Weltelite nach der Winterpause belegte Schumacher Rang drei hinter seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (Brasilien) und dem Italiener Jarno Trulli, der für Jordan fährt. Die beiden Silberpfeile mit David Coulthard (Schottland) und Mika Häkkinen (Finnland) folgten auf den Plätzen vier und fünf. Schumachers Bruder Ralf Schumacher landete im Williams-BMW auf Platz sechs, Nick Heidfeld überraschte im Sauber auf Position sieben, der Mönchengladbacher Kollege Heinz-Harald Frentzen (Jordan) musste sich mit Rang acht begnügen. Weltmeister Schumacher war, vom Unfall einmal abgesehen, mit seinem ersten Tag in Melbourne sehr zufrieden: "Unsere Testeindrücke sind bestätigt worden. Das Auto ist sehr gut, wir waren von Anfang an schnell, und wir haben noch viel Spielraum."

Dieser Spielraum wird ihm an diesem Wochenende beim Streit um seinen Helm allerdings fehlen. Bekanntlich will Schumacher in der neuen Saison mit einer Sonderanfertigung der Braunschweiger Firma Schuberth antreten. Deswegen wirft ihm sein bisheriger Austatter Sports Europe ("Bell Racing") Vertragsbruch vor. Daraufhin hatte ein Gericht in Brüssel am Donnerstag entschieden, dass Schumacher auch künftig das Fabrikat des belgischen Herstellers tragen muss. "Ich breche keine Verträge, und ich will den Bell-Helm überhaupt nicht schlecht machen. Aber ich finde den neuen von Schuberth einfach besser. Und ich habe nun mal nur einen Kopf!"

Der wurde beim Unfall schon von dem neuen Fabrikat geschützt. Denn da das Brüsseler Urteil erst in der Nacht zum Sonnabend gültig wurde, testete Schumacher beim Freien Training schon mal den Schuberth-Helm. Die ultimative Belastungsprobe blieb aus. "Dem guten Stück ist nichts passiert, nicht mal eine Schramme", sagte Schumacher. "Aber es ist schon ein gutes Gefühl, ein bisschen Extra-Sicherheit zu haben."

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