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Großer Preis von Brasilien : Vettel zum dritten Mal Weltmeister

25.11.2012 18:59 Uhrvon und
Mit 25 bereits dreimal Formel-1-Weltmeister. Sebastian Vettel kann sein Glück kaum fassen. Foto: dpaBilder
Mit 25 bereits dreimal Formel-1-Weltmeister. Sebastian Vettel kann sein Glück kaum fassen. - Foto: dpa

Sebastian Vettel hat nach einem turbulenten Rennen seinen Weltmeistertitel in der Formel 1 verteidigt. Beim letzten Rennen von Michael Schumacher rollte Vettel nach einer Kollision in der ersten Runde das Feld vom letzten Platz aus auf und sicherte sich erneut den Titel - zum dritten Mal in Folge.

Als Sebastian Vettel nach fast zwei nervenaufreibenden Stunden über die Ziellinie schlich, kaum zu sehen in der aufgewirbelten Regengischt, da sah er selbst erstmal nicht durch. „Ich wusste bis zum Schluss nicht, ob es reicht“, sagte der Heppenheimer. „Hinterm Safetycar zu zittern und ins Ziel zu humpeln, war schon eine ganz schöne Qual.“ Kurz danach erreichte ihn der erlösende Funkspruch seines Teamchefs Christian Horner: „Dreifacher Weltmeister, du bist der Beste!“

In einem dramatischen Saisonfinale war der Red-Bull-Pilot beim Großen Preis von Brasilien als Sechster ins Ziel gekommen, doch weil sein Rivale Fernando Alonso nur Zweiter hinter Jenson Button wurde, reichte es.

Drei seiner 13 WM-Punkte Vorsprung hatte er gerettet, mit 281 zu 278 Zählern sicherte sich Vettel den dritten Titel in Folge. „Es war das härteste Rennen meiner Karriere“, sagte der erleichterte Vettel nach dem denkwürdigen Saisonendspurt und grüßte seine jubelnden Fans in Heppenheim. „Es tut mir leid, wenn der eine oder andere heute von der Couch gefallen ist, aber im Auto war es genauso spannend. Mehr Steine hätte man uns nicht in den Weg legen können.“

Das Rennen war mehr oder weniger ein Spiegelbild einer Saison voller Aufs und Abs gewesen. Es hatte schon auf den ersten Metern begonnen. Vettel erwischte einen schwachen Start und wurde in der vierten Kurve von Bruno Senna erwischt. Es knallte, plötzlich stand Vettel entgegengesetzt der Fahrbahn und musste das Feld an sich vorbeiziehen lassen. „Ich stand dann praktisch als Geisterfahrer in Kurve vier, da bleibt einem erstmal der Atem weg“, sagte er und meinte in Richtung Senna: „Das Grab von Ayrton Senna ist ja hier in Sao Paulo. Ich muss doch mal hingehen und ihm erzählen, was sein Neffe da gemacht hat.“ Senna verteidigte sich: „Ich konnte nichts mehr machen, das war einfach ein unglücklicher Rennzwischenfall.“

Nach dem Unfall schien der Titel verloren. Doch das Auto lief noch. Vettel drehte um, startete eine Aufholjagd. „Ich habe gemerkt, dass es noch einigermaßen passte“, sagte er. „Aber wir hatten einigen Schaden am Auto, auf der Geraden ging nichts, deshalb konnte ich schlecht überholen.“ Das Auto sei „komplett aus der Balance“ gewesen, erklärte Red Bulls Technikchef Adrian Newey. „Es bestand immer die Gefahr, dass der Auspuff bricht. Das gibt leicht ein Feuer.“

Vettel fuhr zwar trotzdem wieder nach vorn und lag zeitweise direkt hinter Alonso, doch die Steine rollten weiter zwischen seine Räder. „Schon ganz früh funktionierte mein Boxenfunk nicht mehr, und das in so einem Rennen“, sagte er. „Mein Team hörte mich nicht mehr.“ Dann begann es zu regnen, mal mehr, mal weniger, zwischendurch kam das Safetycar wegen Trümmerteilen auf die Strecke, dann krachten der Force-India-Pilot Nico Hülkenberg und Lewis Hamilton (McLaren) im Kampf um die Spitze ineinander und schenkten Alonso zwei Plätze. „Ich wusste nicht, wie es wirklich stand“, sagte Vettel. „Es war unglaublich.“

Weil sein Funk nicht funktionierte, kam es mit seinem Team zu einem Missverständnis. So holte er sich beim Boxenstopp erst Trockenreifen und musste kurz darauf wegen der immer nasser werdenden Strecke doch Regenreifen aufziehen. „Das Timing beim Boxenstopp war denkbar beschissen“, sagte Vettel, der seine Crew mit dem zweiten Wechsel überrascht hatte. „Die mussten erstmal die Reifen auspacken.“

Vettel fiel dadurch weit zurück, Alonso war plötzlich auf Titelkurs. Doch Vettel gab nicht auf und arbeitete sich wieder nach vorn auf Rang sieben, der ihm bei Alonsos zweitem Platz genügt hätte. Kurz vor Schluss konnte sich dann Michael Schumacher in seinem letzten Formel-1-Rennen immerhin die Leistung anheften, seinem Nachfolger und Freund auch ein wenig beim Titelgewinn geholfen zu haben. Er ließ Vettel ohne große Gegenwehr auf Rang sechs vor. „Er war viel schneller, es war nicht meine Absicht, ihm da jetzt unnütz im Weg zu stehen“, sagte Schumacher. „Ich bin bereitwillig zur Seite gefahren, natürlich macht man das gerne, wenn der Kumpel hinter einem ist und um die WM kämpft.“ Schumacher, der schließlich mit einem siebten Platz abtrat, war in der Boxengasse Vettels erster Gratulant. Er sprach von einem „runden Tag“ und erklärte fast philosophisch: „Es ist ein schöner Moment, dem Seb jetzt das Feld zu überlassen.“

Vettel hielt sich danach bis zum Schluss an die Anweisung aus der Box: „Bleib auf dem Schwarzen“, also auf der Strecke. Ohne zu hohes Risiko spulte er die restlichen Runden hinunter und musste hoffen, dass Button an der Spitze keinen Fehler macht. Wie schnell das gehen kann, zeigte Paul di Resta. Der Force-India-Pilot versetzte dem irrwitzigen Treiben einen spektakulären Höhepunkt. Nach seinem Ausrutscher in die Mauer zwei Runden vor Schluss rückte wieder das Safetycar aus, Überholen blieb bis zum Ziel verboten, Alonso war geschlagen. „Ich bin sehr stolz aufs Team“, sagte er enttäuscht, aber gefasst. „Wir haben es nicht hier in Brasilien verloren, sondern schon vorher.“

So wurde nicht er, sondern Sebastian Vettel mit 25 Jahren zum jüngsten dreifachen Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Drei Titel in Folge hatten vorher nur die Legenden Schumacher und Juan Manuel Fangio errungen. Vettel war sich der historischen Dimension bewusst: „Es gibt nur zwei, die das vorher geschafft haben. Man muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Aber jeder kann auch sein eigenes Glück schaffen.“ Und dann erklärte er sein Erfolgsgeheimnis nach fast zwei Stunden Chaos: „Im Auto habe ich zu keiner Zeit gezweifelt.“

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