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Michael Schumacher : Auf der Strecke des Schicksals

21.07.2012 00:00 Uhrvon
Ich hab' Spaß, ich geb' Gas. Michael Schumacher kann nicht genug kriegen von der Geschwindigkeit. Foto: dapdBild vergrößern
Ich hab' Spaß, ich geb' Gas. Michael Schumacher kann nicht genug kriegen von der Geschwindigkeit. - Foto: dapd

Am Ende der Saison läuft Michael Schumachers Vertrag in der Formel 1 aus. In den drei Jahren seiner zweiten Karriere hat er wenig erreicht. Fährt er deswegen noch weiter?

Manche Dinge hat man so oft getan, dass sie irgendwann ganz automatisch ablaufen. Das geht auch Michael Schumacher so. Weil ein Formel-1-Auto sanitärtechnisch verhältnismäßig schwach ausgerüstet ist, hält es der siebenmalige Weltmeister seit Beginn seiner Karriere so: Vorm Einsteigen gibt’s „einen Kurzbesuch im WC“. Das ist seit 21 Jahren sein Ritual, da muss er gar nicht weiter drüber nachdenken. Und dann gibt es wiederum Dinge, die hat man so oft gemacht – und plötzlich sind sie weg, einfach so.

91 Rennen hat Schumacher bis zu seinem ersten Rücktritt 2006 gewonnen, mehr als jeder andere Formel-1-Pilot der Geschichte.

Fast jedes Rennwochenende war es das Gleiche: Kurzbesuch WC, Einsteigen, Aussteigen, rauf aufs Podest, Hymne dirigieren, Siegerinterview. Beim Grand Prix von Deutschland, der an diesem Wochenende in Hockenheim stattfindet, hat Michael Schumacher das schon neunmal durchgezogen. Doch so leicht wie früher geht das nicht mehr. Als Schumacher vor kurzem beim Rennen in Valencia Dritter wurde, wirkte er bei seinem ersten Besuch auf dem Podest seit 2006 wie ein Tourist, der sich verirrt hat. Später sollte er wie üblich ein paar deutsche Worte in die Kameras sagen, antwortete aber auf Englisch und kicherte dann verlegen. Ein Gewinner zu sein, das muss der 43-Jährige im zweiten Teil seiner Grand-Prix-Geschichte mühsam von neuem erlernen. Michael Schumacher, die Fortsetzung kommt nur langsam in Schwung – auch deshalb wird nun wild darüber spekuliert, ob es einen dritten Teil geben wird.

Um es in Schumachers Worten zu sagen: Faktum ist, dass am Ende der Saison sein Dreijahresvertrag mit Mercedes ausläuft. Je näher der Zeitpunkt rückt, desto häufiger wird Schumacher mit Fragen zu seiner Zukunft konfrontiert. Doch offensichtlich hat er es mit der Klärung nicht so eilig. Er wolle sich nicht verrückt machen lassen, sagt er: „Vor Oktober kann von meiner Seite mit Sicherheit keine Entscheidung getroffen werden.“

Dabei hatte sein Teamchef Ross Brawn kurz zuvor öffentlich noch im Sommer eine Entscheidung darüber gefordert, wer 2013 der zweite Pilot neben Nico Rosberg wird. In der „Welt“ erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nun, Brawns Worte seien kein Ultimatum gewesen, sondern hätten lediglich den Wunsch nach einem baldigen Beginn der Gespräche dokumentiert. „Nico fährt bei uns, Michael wird noch mit uns sprechen“, sagte Haug noch. „Danach kommunizieren wir die Ergebnisse.“

Diese knappen Aussagen werden in der Formel 1 dahingehend gedeutet, dass Schumacher am Ende seines dreijährigen Kontrakts eine einseitige Option auf eine Vertragsverlängerung besitzt. Dass sich ein Rennstall so sehr den Launen eines Piloten aussetzt, wäre in der Formel 1 höchst ungewöhnlich. Es erscheint aber nicht ausgeschlossen, dass der glühende Schumacher-Fan Haug seinem Wunschpiloten im Comeback-Rausch einst diese Klausel zugestand. Bereits im vergangenen Jahr deutete Brawn an, dass die Entscheidung bei Schumacher selbst liegt: Wenn er weiterfahren wolle, werde man schnell eine Lösung finden. Und für dieses Szenario spricht auch, dass Haug offenbar mit sanftem Druck eine frühere Klärung herbeiführen will. „Michael und wir werden nach zwölf oder 13 Rennen beide mehr wissen“, behauptete er in Hockenheim – das wäre dann Anfang September.

Dieser Wunsch ist verständlich. Im Oktober sind die Transfertätigkeiten der Spitzenteams in der Regel längst abgeschlossen, schon jetzt ist der Markt für Toppiloten praktisch abgegrast. Eine – wenn auch wenig wahrscheinliche – Alternative wäre höchstens Lewis Hamilton, dessen Vertragsverlängerung bei McLaren sich ebenfalls zur Hängepartie gestaltet. Der Brite erklärte aber am Donnerstag, ein Teamwechsel würde sich für ihn „abnormal“ anfühlen. Ansonsten blieben nur Fahrer aus der zweiten Reihe, etwa der derzeit cockpitlose Adrian Sutil.

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