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Sein letztes Rennen : Michael Schumacher - ein großer Preis

24.11.2012 14:34 Uhrvon
Rekordsieger. Sieben Weltmeistertitel hat Michael Schumacher gewonnen, aber die Herzen nur selten. Sebastian Vettel (links) hat das schon nach wenigen Jahren erreicht. Foto: dpaBild vergrößern
Rekordsieger. Sieben Weltmeistertitel hat Michael Schumacher gewonnen, aber die Herzen nur selten. Sebastian Vettel (links) hat das schon nach wenigen Jahren erreicht. - Foto: dpa

Es gibt keinen Zweifel: Michael Schumacher ist der beste Rennfahrer aller Zeiten. Fraglich aber ist, ob er auch der größte ist. Allzu oft versuchte er, sich mit Tricks Vorteile zu verschaffen. Am Sonntag fährt er seinen letzten Grand Prix. Aber da steht ein ganz anderer im Mittelpunkt:  Sebastian Vettel. Ein Essay über wahre Meisterschaft.

Der Fußball hat Pelé, das Boxen hat Ali, der Basketball hat Jordan. Fast jeder Sport hat einen Goat. Einen Greatest of all time, einen Allergrößten der Geschichte. In der Formel 1 ist die Frage nach dem strahlendsten Stern am Himmel ein heikles Thema. Weil sie, wie praktisch alle Fragen in der Formel 1, mit Michael Schumacher zu tun hat.

Er hat die höchste Klasse des Motorsports mehr als ein Jahrzehnt lang dominiert und Rekorde aufgestellt, die vielleicht niemand mehr brechen wird. Am Sonntag wird er in Sao Paulo seinen 308. und endgültig letzten Grand Prix fahren, doch die Frage danach, ob er wirklich der Größte aller Zeiten ist, die nimmt er mit in den Ruhestand.

Sieben WM-Titel und 91 Rennsiege hat Schumacher eingefahren. Genügt das, um zu vergessen, wie er manchen Erfolg erreicht hat? Oder ist der 43-Jährige nur der „Beste aller Zeiten“, wie sein Kollege Nico Rosberg ihn nennt?

Größe war in der Geschichte des Rennsports noch nie nur eine Frage von Titeln oder Siegen. Es mag paradox wirken, aber gerade im Angesicht der kreischenden Maschinen ist der weiche Faktor Mensch ein hohes Gut im Motorsport. In der potenziell tödlichen Formel 1 müssen die Größten mehr als sich selbst im Blick haben, sie haben als Leitfiguren auch Verantwortung für den Rest der Meute. „Für mich beinhaltet die Bezeichnung ‚der Größte‘, dass man auch seinen Platz im Zusammenspiel der Dinge versteht“, sagt Damon Hill. Der Brite, Weltmeister von 1996, ist gegen die Ikonen der 90er gefahren, gegen Alain Prost, Ayrton Senna, Nigel Mansell. Längst hat sich Hill aus dem Rennsportgeschäft zurückgezogen und ist würdevoll ergraut, doch einer jagt ihn immer noch und er ihn. Das Rätsel Michael Schumacher lässt ihn nicht los.

Das liegt auch daran, dass Hill Teilnehmer eines der denkwürdigsten WM-Finals in der Formel-1-Geschichte war. Immer noch wird er auf Adelaide 1994 angesprochen, als ihm Schumacher ins Auto fuhr und sich so seinen ersten Titel holte. „So sollte eine Saison nicht zu Ende gehen“, sagt Hill. Er fragt sich immer noch: Wie weit kann, wie weit darf man für den Erfolg gehen?

Die Situation im diesjährigen WM-Kampf ist ein wenig entspannter als vor 18 Jahren, nicht nur deswegen, weil Schumacher gar nicht beteiligt ist. Um den Titel fahren der Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel und Fernando Alonso im Ferrari. Vettel liegt 13 Punkte vor Alonso, ein vierter Platz würde ihm reichen, auch wenn Alonso gewänne, dann wäre er zum dritten Mal in Folge Weltmeister. Drei Titel, das ist in der Formel 1 eine Schallmauer, wer sie durchbricht, steigt auf in den Olymp des Motorsports. Da oben tummeln sich Ayrton Senna, Jackie Stewart oder auch Niki Lauda. Alain Prost wurde viermal Weltmeister, der Argentinier Juan Manuel Fangio war mit fünf Titeln lange Rekordhalter. Bis Schumacher kam und alle beiseiteräumte.

Der Crash, der ihn zum Weltmeister machte. 1994 touchierte Michael Schumacher in Runde 36 des letzten WM-Laufs in Adelaide den Wagen seines Konkurrenten Damon Hill. Foto: picture-alliance / dpaBild vergrößern
Der Crash, der ihn zum Weltmeister machte. 1994 touchierte Michael Schumacher in Runde 36 des letzten WM-Laufs in Adelaide den Wagen seines Konkurrenten Damon Hill. - Foto: picture-alliance / dpa

Dem Erfolg alles unterzuordnen, im Zweifel auch das Gewissen, das ist das Erbe, das Michael Schumacher der Formel 1 hinterlassen hat. Wenn er fuhr, saßen Held und Bösewicht im gleichen Cockpit, und man wusste nie, wer am Ende das Steuer übernahm. Mal quetschte er sich in der engsten Schikane des Nürburgrings an Jean Alesi vorbei, dann wieder rammte er seine WM-Rivalen Hill oder Villeneuve. Über die Kontroversen seiner Karriere, und es gab fast jedes Jahr eine, spricht Schumacher bis heute nicht gern. Sein Standardsatz zu diesem Thema lautet: „Meine Weste hat ein paar dunkle Flecken, aber sie ist immer noch ziemlich weiß.“

Einer der größten Flecken stammt vom Rennen in Monaco 2006. In der Rascasse-Kurve hatte er damals seinen Ferrari zum Stehen gebracht und damit seinem Rivalen Alonso die letzte Qualifikationsrunde vermasselt. Ein Fahrfehler, beteuerte der Deutsche, doch die Rennkommissare unterstellten ihm Vorsatz und verbannten ihn auf den letzten Startplatz. „Damit hat er sein Image ruiniert und unseren Sport in Verruf gebracht“, sagte Stirling Moss, eine Formel-1-Größe aus den 50er Jahren.

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