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Sinkender Mercedes-Stern : Michael Schumacher: Tramper ohne Ziel

30.09.2012 17:21 Uhrvon
Und dann stehst du im Regen... Michael Schumacher weiß noch nicht, wohin es nach dem Aus bei Mercedes für ihn geht.Bild vergrößern
Und dann stehst du im Regen... Michael Schumacher weiß noch nicht, wohin es nach dem Aus bei Mercedes für ihn geht. - Foto: Reuters

Bei Mercedes hat er sich ins Aus manövriert. Nun rätselt die Formel 1: Hört Michael Schumacher auf oder nicht?

Charlie Whiting schüttelte ungläubig den Kopf. Der Rennleiter der Formel 1 wollte gerade den Großen Preis von Ungarn starten, als er ganz hinten jemanden mit beiden Armen wedeln sah. Es war Michael Schumacher, der in seinem Mercedes winkte wie eine Rentnerin auf einer Sonntagsfahrt, die ihr Auto an der Ampel abgewürgt hat. Whiting brauchte einen Moment, um zu begreifen, was ihm Schumacher signalisieren wollte – dann brach er den Start ab. Der Rekordweltmeister hatte sein Auto auf den falschen Startplatz gestellt.

Die Szene aus den letzten Julitagen ist typisch für die wenig erfolgreiche zweite Formel-1-Karriere des Michael Schumacher. Es war nicht das einzige Mal seit seinem Comeback 2009, dass der Mercedes-Pilot die Orientierung verlor. Am folgenschwersten verirrte er sich dabei neben der Strecke: bei den Vertragsverhandlungen mit Mercedes. Deswegen wird in der kommenden Saison der Brite Lewis Hamilton in seinem Wagen sitzen, deswegen muss Schumacher womöglich endgültig aufhören. „Vom Mythos zum Arbeitslosen“, schreibt der „Corriere della Sera“ und fragt: Darf eine Legende so enden?

Wie bei so vielen Unfällen in seiner Karriere trägt der siebenmalige Weltmeister auch diesmal eine Mitschuld. Seinen auslaufenden Vertrag mit Mercedes hätte er schon im Sommer verlängern können. Das gab seine Managerin Sabine Kehm zu erkennen, das bestätigte auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Schumacher aber habe nie ein klares Signal gegeben, ob er über das Saisonende hinaus bleiben wolle, erklärte Brawn der BBC: „Michael war immer unsicher, was er machen will.“

Bildergelerie: Michael Schumachers Karriere

Was genau den Deutschen stutzen ließ, darüber kann nur spekuliert werden. War es die Leistungsfähigkeit seines Autos, das meist nur Fahrten im Mittelfeldgetümmel zuließ? Oder waren es Zweifel an seiner eigenen Stärke, an seinen Augen, seinen Reflexen, die immer wieder Gegenstand öffentlicher Debatten waren? Doch wie er so sinnierte, verlor Schumacher die Zeit völlig aus den Augen – und seine Verhandlungsposition. Er erkannte nicht, dass sein Name auch im eigenen Rennstall verblasste. Als er fast schon frech erklärte, er wolle sich frühestens im Oktober entscheiden, hatte Mercedes genug. Man nahm Kontakt zu Lewis Hamilton auf, und plötzlich war Schumacher nur noch Zuschauer im Rennen um seine eigene Zukunft. Am Ende wurde der 91-malige Grand-Prix-Sieger mit einer Pressemitteilung so eiskalt abserviert, wie er es früher mit seinen Gegnern getan hatte.

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