Sport : Formkurve und Kursverlauf

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Michael Rosentritt über die Linien von Borussia Dortmund

Genau genommen hat der NochMeister Borussia Dortmund zwei Probleme mit den Zeitungen: die Bundesligatabelle auf den Sportseiten und den Kursverlauf der Vereinsaktie im Börsenteil. Nachdem der Verein am vergangenen Wochenende hinter dem VfB Stuttgart auf Platz drei zurückgefallen war, reagierte auch die BVB-Aktie. Ein Anteilsschein des ersten deutschen börsennotierten Klubs kostete bei Handelsschluss am Montagabend nur noch 2,65 Euro und notierte damit auf einem neuen Allzeittief. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate hat diese Aktie rund die Hälfte ihres Wertes verloren und ist gegenüber dem ersten Handelstag weniger als ein Viertel wert. Das Papier war beim Börsengang im Oktober 2000 zu einem Kurs von elf Euro ausgegeben worden. So viel zur äußerlichen Wechselwirkung von Formkurve und Kursverlauf.

Mit der Aktie ist das Betriebsklima auf dem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Vereinspräsident Gerd Niebaum hielt jetzt den Zeitpunkt für gekommen, mal ordentlich auf den Putz zu hauen. Nicht im Wirtschaftsrat des Klubs, sondern in der Kabine. Es sei nicht nur die 1:2-Heimniederlage am vergangenen Samstag gegen Bremen, sondern die Summe der peinlichen Vorstellungen in der Rückrunde. Aus den zehn Spielen seit der Winterpause hat Dortmund zehn Punkte weniger geholt als der FC Bayern München.

Damit ist die angestrebte Qualifikation für die Champions League erheblich in Gefahr geraten. „Wir haben den Stand erreicht, wo du die Keule rausholen und eine Drecksau sein musst, damit die Mannschaft sich richtig erschreckt“, sagte Matthias Sammer nach der präsidialen Standpauke. Der Trainer will herausgefunden haben, dass es seinen Spielern an der nötigen Einstellung zum Beruf mangele. Sollten die Profis ihrem Beruf weiter so schlampig nachgehen, werden sie es künftig nicht mehr nur zu hören, sondern über ihren Kontostand zu spüren bekommen. Der BVB zahlt in der laufenden Saison keine Punktprämien mehr. Nur im Falle der erneuten Qualifikation für die Champions League wäre ein Honorar fällig.

Auch da stimmt die Einstellung wohl nicht. Besser wäre es, die Gehälter der Spieler in Form von BVB-Aktien abzugelten. Als kleine Motivationshilfe.

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