Sport : Fortbildung im Breisgau

Beim 0:4 gegen Freiburg lernt der 1.FC Union, was ihm zu einem Spitzenteam fehlt

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Von Christoph Kieslich

Freiburg. In Südbaden war sich am Wahltag eine kleine Mehrheit ihrer Entscheidung sicher. „Immer die richtige Wahl – der Sport-Club“, prangte auf einem Transparent im Dreisamstadion zu Freiburg. Die freiwillige Beteiligung bei der Abstimmung mit den Füßen war hoch. 22 000 Zuschauer waren gekommen, und sie erlebten den neuen Tabellenführer der Zweiten Bundesliga: Mit dem 4:0 (1:0) gegen einen überforderten 1.FC Union überflügelte Freiburg den bisherigen Spitzenreiter Eintracht Trier.

„Wir müssen das als eine Art Fortbildung begreifen“, sagte Unions Trainer Georgi Wassilew, „um in Freiburg zu bestehen, ist Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Kraft erforderlich – und davon habe ich heute nichts gesehen.“ Unter einem pädagogischen Aspekt („ein besserer Lehrgang“) wollte auch Unions Präsident Heiner Bertram den Nachmittag im spätsommerlichen Breisgau verstanden wissen: „Ich kann damit leben, wenn die bessere Mannschaft gewinnt. Uns sind heute die Grenzen aufgezeigt worden.“ Die nächsten Spiele gegen Greuther Fürth und den 1.FC Köln dürften ähnlich schwer werden.

Dabei hatte Union nichts unversucht gelassen, um dem erstligatauglichen Freiburger Ensemble zu widerstehen, immerhin hatte man beide Auswärtspartien zuvor gewonnen. Wassilew entschied sich für eine vorsichtigere Gangart, beorderte den wiedergenesenen Libero Steffen Menze als zusätzliche Absicherung vor die Abwehr von Michael Molata, zog Steffen Baumgart ins Mittelfeld zurück und hoffte vorne auf einen wachen Moment von Sreto Ristic.

Doch diese Taktik war schon nach zehn Minuten durchkreuzt, als sich Daniel Ernemann von Abder Ramdane überlaufen ließ und Molata den vorbeirauschenden Franzosen von den Beinen holte. Levan Kobiaschwili zeigte sich auch in zwei Anläufen nervenstark, weil Schiedsrichter Peter Gagelmann den ersten erfolgreichen Versuch hatte wiederholen lassen.

Eigentlich bot sich Union lediglich eine hauchdünne Chance, dieser Partie eine andere Richtung zu geben, als nur vier Minuten später ausgerechnet Ernemann seinen Fehler vor dem 1:0 hätte wettmachen können. Doch mit einem gewaltigen Reflex parierte Richard Golz den Schuss aus kurzer Distanz.

Freiburg indessen setzte entschlossen nach. Angetrieben von den beiden überragenden Georgiern Zkitischwili und Kobiaschwili wurde Chance um Chance kreiert, und Union hatte es Sven Beuckert zu verdanken, dass das Spiel erst in der 55. Minute entschieden war: Iaschwili bediente Ramdane ideal und der vollendete unbedrängt und unhaltbar.Den Rest erledigte Freiburg „in einem Rausch“, wie Baumgart sagte.

Auf der Tribüne jubelte Freiburgs Vizepräsident Fritz Keller. „Man sieht, dass das Selbstvertrauen von Spiel zu Spiel zunimmt, und heute scheint der Knoten geplatzt zu sein.“ Freiburg, meistgenannter Favorit in dieser Liga, hat nun auch auf dem Feld unterstrichen, dass der Klub sofort wieder aufsteigen will. In einer euphorischen Atmosphäre wurde nur fünfeinhalb Monate nach seiner Kreuzbandoperation Ibrahim Tankos Rückkehr in die Freiburger Elf gefeiert. Und der Ghanaer leitete prompt den dritten Treffer für Andreas Zeyer ein. Der Schlusspunkt durch Stefan Müller war ein Zufallsprodukt, schmälerte die Leistung der Freiburger aber nicht.

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