Sport : Forza statt Steuererklärung

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Helmut Schümann über Motivationsprobleme vor dem Finale

Gott, was macht man heute Abend als Freund gepflegten, spannenden Fußballs, am Abend des Saisonhöhepunktes, dem Finale in der Champions League? Die Steuererklärung, Hemden bügeln, und auch der Keller gehört schon seit langem aufgeräumt – alles ist spannender als einem Fußballspiel zwischen Juventus Turin und dem AC Mailand zuzuschauen. Das Beste daran ist, dass eine von beiden Mannschaften verlieren wird, das Schlechteste, dass eine siegt.

Das findet auch noch in Old Trafford statt, wo ansonsten Manchester United spielt, wo die Historie wabert und erzählt von aufopferungsvollen Fußballschlachten, von Leidenschaft, Liebe und Lust. Von Dingen also, von denen Milan nichts weiß und Juventus auch nicht und, zugegeben, Old Trafford, die Heimstatt des reichsten und durchkalkuliertesten Fußballklubs der Welt, ebenfalls nur noch in der Erinnerung. So gesehen ist der Ort schon sehr stimmig für diese Vertreter Italiens mit ihrem durch und durch durchkalkulierten Fußballspiel. Das hat uns als Urvater der Fußballverhinderung der Trapattoni beschert, mit Jogurt auf Lebenszeit gehört der bestraft dafür, und doch machen ihn alle nach, Milan und Juve vorweg, grausam.

Also weggucken bei diesen Fußballverdrehern, man müsste eh nur weinen, weil Real nicht dabei ist, und sich sehnen nach Zidane, Raul, Figo. Aber die sind nicht dabei, die machen die Steuererklärung, die räumen den Keller auf, weil sie rausgeflogen sind im Halbfinale gegen Juventus.

Das hätte nicht passieren dürfen, auch wenn, na gut, Juventus in diesem Halbfinale einmal, zum ersten Mal seit Erfindung des italienischen Fußballs, schön spielen musste und schön spielte. Richtig schön haben sie sogar gespielt und verdient gewonnen gegen Real. Fast hatte man es ihnen gegönnt am Ende. Vielleicht guckt man mal eine Halbzeit rein, vielleicht gibt Juve ja der Ästhetik noch einmal die Ehre. Und vielleicht, sehr wahrscheinlich sogar, blenden sie in diesem Moment auch die Tribüne ein, und auf der sitzt Silvio Berlusconi, für Mailand als Präsident, für Italien als Präsident, fürs Fernsehen als Präsident, für sich – und dann, bitte Juventus, haut sie weg, die Berlusconis und die, die in seinem Namen auf dem Rasen stehen. Wenn es gerecht zugeht in der Welt, dann haut Juventus Milan weg, forza Juve!, forza!, dann guckt man vielleicht auch die zweite Halbzeit. Und wenn’s nicht anders geht auch noch die Verlängerung. So schlimm sieht der Keller ja nun auch nicht aus, der kann warten. Die Steuer auch.

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