Sport : Foul in Zeitlupe

Schiedsrichter Krug erklärt, warum es Gelb für Frank Rost gab

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NACHSPIEL

Es passiert in der achten Minute im Westfalenstadion: Dortmunds Frings eilt auf das Schalker Tor zu, Torwart Rost wirft sich ihm entgegen. Frings fällt, Schiedsrichter Fandel pfeift Elfmeter und zeigt Rost Gelb. Zwei Fehlentscheidungen, glaubt Kommentator Reinhold Beckmann nach Ansicht der Zeitlupe: Erstens habe Rost Frings nicht berührt. Zweitens hätte er wegen einer Notbremse Rot zeigen müssen. Stimmt das, Herr Krug?

Für mich steht keineswegs zweifelsfrei fest, dass Rost den Spieler Frings nicht berührt hat. Man muss Zeitlupenbildern gegenüber skeptisch sein. Berührungen finden auf dem Platz in Bruchteilen von Sekunden statt, so dass sie auch in der Zeitlupe manchmal nicht zu erkennen sind. Auf dem Platz, wo Sie den Ablauf des Geschehens live erleben, nehmen Sie deutlicher wahr, ob eine Berührung stattgefunden haben muss. Beim Film machen sich Regisseure diesen Umstand zunutze. Wenn sich in Filmen zwei Schauspieler prügeln (denken Sie an „Rocky“), schlagen sie vorbei, was selbst in der Zeitlupe nicht erkennbar ist. Erst der Geräuschemacher sorgt dafür, dass jeder Treffer sitzt. Er macht am Ende die Meinung. Beim Fernsehen übernimmt dann der Kommentator, ob gewollt oder ungewollt, die Funktion des Geräuschemachers und vermittelt dem Zuschauer einen Eindruck. Achten Sie in Zukunft mal darauf, wie selten Sie bei Fouls auch in Zeitlupe eine Berührung erkennen können.

Bei der Notbremse gibt es zwei Kriterien: Der Torwart hat natürlich das Recht, zum Ball zu gehen. Dabei muss erkennbar sein, dass der Ball das Spielobjekt ist und nicht nur der Gegner durch Foulspiel um die Torchance gebracht werden soll. Rost wollte durch seinen Sprung den Ball erreichen. Das andere ist die Vereitelung einer hundertprozentigen Torchance. Der Ball ist vom Spieler Frings nach außen vom Tor weg gespielt worden. Daher war die Frage, ob er überhaupt noch die Möglichkeit gehabt hätte, aus diesem spitzen Winkel direkt ein Tor zu erzielen. Aus diesen beiden Gründen war Gelb die angemessene und absolut richtige Strafe.

Hellmut Krug (47) erklärt im Wechsel mit Manfred Amerell eine aktuelle Szene des Spieltages aus Regelsicht. Krug pfiff 17 Jahre in der Bundesliga. Foto: dpa

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