Sport : Fragiles Gebilde

Karsten Doneck

Als die Champions League mit dem 1:1 bei CA Osasuna erreicht war, brach der Hamburger SV in kollektiven Jubel aus. Verständlich, stehen doch Millionensummen ins Haus. Das aber weckt auch Begehrlichkeiten. Der Kameruner Thimothee Atouba zum Beispiel fühlt sich weit unter Wert bezahlt. Er verlangt mehr Lohn. Als seine Wünsche gestern nicht erfüllt wurden, stänkerte Atouba öffentlich gegen den HSV- Vorstand. Sportchef Dietmar Beiersdorfer schlug ähnlich grob zurück. „Wenn er dreimal die Linie hoch- und runterläuft, will er mehr Geld“, war Beiersdorfers wenig deeskalierende Reaktion. Und ein neuer Konflikt ist da. Als hätte der HSV nicht schon genug Baustellen.

Die Neustrukturierung des Kaders zur Saison 2006/07 ging längst nicht so reibungslos vonstatten wie erhofft. Alte Hierarchien sind eingestürzt, neue noch nicht aufgebaut. Wichtige Spieler wie van der Vaart, Jarolim und Kompany fehlen verletzt, einer wie Demel ist gesperrt. Die bisherigen drei Unentschieden in der Bundesliga werden auch eher als Misserfolg gedeutet. Solche Probleme bilden noch allemal den Nährboden für Unruhe.

Der HSV, eigentlich auf dem Weg zurück zur Stärke der frühen Achtzigerjahre, kommt derzeit als ein recht fragiles Gebilde daher. Wieder stabile Verhältnisse herzustellen, das muss jetzt die vordringlichste Aufgabe der handelnden Personen sein. Für Präsident Bernd Hoffmann und Sportchef Beiersdorfer gab es knapp zwei Jahre lang nur eine Richtung: aufwärts. Es ist nicht mehr auszuschließen, dass sie sich bald auch mal im Krisenmanagement beweisen müssen.

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