Francesco Totti : Alter Wolf mit scharfen Augen

Francesco Totti und der AS Rom haben ihre Schwächen abgelegt und empfangen in der Uefa Champions League den FC Bayern München.

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Ewiger Held der ewigen Stadt. Totti schießt auch im fortgeschrittenen Alter von 38 Jahren immer noch Tore. Foto: imago/Gribaudi/ImagePhoto
Ewiger Held der ewigen Stadt. Totti schießt auch im fortgeschrittenen Alter von 38 Jahren immer noch Tore.Foto: imago/Gribaudi/ImagePhoto

In Rom wartet man am Dienstagabend auf ein rundes Jubiläum. Die „Gazzetta dello Sport“ hat errechnet, dass Francesco Totti 17 der bislang insgesamt 99 Tore des AS Rom in der Champions League erzielt hatte. Darunter Treffer Nummer 80 (gegen Bordeaux) und Nummer 90 (vor vier Jahren zum 3:2-Sieg gegen den FC Bayern München). Da ist es geradezu logisch für die an die Macht der Zahlen glaubenden Italiener, dass ihm am Dienstagabend (20.45 Uhr, live bei Sky) gegen die Münchner auch Nummer 100 glücken wird. Francesco Totti ist zwar mittlerweile 38 Jahre alt, unter Trainer Rudi Garcia hat der ewige Held der ewigen Stadt aber eine bemerkenswerte Metamorphose hingelegt.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters steht Francesco Totti weiter im Zentrum des Angriffsspiels beim AS Rom. Physisch hält er dies durch, weil ihm Garcia eine Diät nahegelegt hat: kein Eis mehr für das Schleckermaul. Auch mental hat der Ex-Weltmeister zugelegt. Vergeudete er in der Vergangenheit oft Kraft mit leidenschaftlichem Lamentieren, wenn es mal nicht so lief, so konzentriert er sich jetzt mehr auf die Arbeit mit dem Ball.

Francesco Totti: Nicht mehr der Schnellste, aber noch immer wichtig für den AS Rom

Francesco Totti ist zwar nicht mehr der Schnellste, sein Auge für die Mitspieler hat aber nicht gelitten. Oft schickt er die schnellen Außenstürmer Gervinho und Juan Iturbe in die Tiefe und vollendet nicht selten deren Rückgaben. Auch mit dem italienischen Nationalstürmer Mattia Destro harmoniert er mittlerweile. „Mattia verleiht unserem Spiel mehr Tiefe und damit mehr Platz zwischen Verteidigungslinie und Mittelfeld der Gegner“, sagt Garcia.

Der Franzose ist der eigentliche Motor des Wandels bei der Roma. Er hat die viele Jahre lang selbstgefälligen AS-Profis mit einer mentalen Generalüberholung auf ein neues Niveau geführt. Sie strotzen jetzt vor Selbstbewusstsein. Vor dem Spiel gegen Chievo Verona am Samstag kündigte Garcia an: „Wir holen die Meisterschaft.“ Ergebnis: Juventus, das vor der Länderspielpause den AS Rom noch umstritten bezwungen hatte, zeigte sich beeindruckt und kam gegen Sassuolo nur zu einem Unentschieden. Die Römer hingegen fegten Verona mit 3:0 vom Platz und rückten in der Tabelle bis auf einen Punkt an den erstplatzierten Rekordmeister Juventus heran. „14 Wölfe“ hatte Garcia auf dem Platz gesehen.

Trotz seines Alters: Francesco Totti ist permanent in Bewegung

Der Wolf ist das Symboltier der Römer und der Romanisti, der Fans des AS Rom. Der angeblich von einer Wölfin gesäugte Romulus soll Rom gegründet haben. Die Fans des AS Rom haben das Wappentier in Beschlag genommen. Und Garcia kitzelt damit die Raubtierinstinkte der Seinen heraus. Spieltheoretisch ist ihm eine Synthese aus José Mourinhos humorlosem Prätorianerfußball und Pep Guardiolas Ballbesitzphilosophie gelungen. Ball und Spieler sind permanent in Bewegung, Altmeister Totti eingeschlossen. Während der Ballzirkulation vergessen die Römer aber nicht den Pass in die Tiefe. In der Defensive hat Garcia den Weggang von Innenverteidiger Mehdi Benatia zu den Bayern mit den Neuzugängen Konstantinos Manolas und Mapou Yanga-Mbiwa überraschend problemlos kompensiert. Die Roma steht sicher. Sie ist die derzeit spielstärkste Mannschaft Italiens und schießt inzwischen auch viele Tore.

Falls es mal nicht so läuft, weiß Garcia ebenfalls Rat. Als er sich im Spiel gegen Juventus vom Schiedsrichter ungerecht behandelt fühlte, setzte er zum pantomimischen Spiel einer Violine an – um anzudeuten, der Referee würde den Turinern eine schöne Serenade liefern. Das zog eine Rote Karte nach sich – und machte ihn zum Helden bei den Fans. Die sind weniger schöngeistig eingestellt. Trotz der Todesschüsse eines Roma-Anhängers auf einen Napoli-Fan im Mai traktierten Roma-Ultras am ersten Spieltag der Champions League Fans von ZSKA Moskau mit Messerstichen. Derartige Gewaltausbrüche sind bei den gelbroten Hooligans anscheinend selbst durch Tragödien nicht auszurotten.

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