Franck Ribéry : Bayern München: Die Socken des Sonnenkönigs

Franck Ribéry ist wieder einmal nicht fit – trotzdem ist er das beherrschende Thema beim FC Bayern.

Thomas Becker[München]
Ribery
Franck Ribéry, hier im Trainingslager des FC Bayern in Dubai, fehlte den Münchenern bereits für den Großteil der...Foto: Pixathlon

Wenn Reporter bei einem Spieler tagelang darauf achten, ob er Badeschlappen oder Turnschuhe trägt, ob er in Socken oder Fußballschuhen der Arbeit nachgeht, und wenn sie über all das auch noch längere Exposés verfassen, dann ist klar, dass es sich nicht um einen mediokren Wasserträger handelt, sondern um einen der Großen. Beim Trainingslager des FC Bayern in Dubai war das mal wieder Franck Ribéry. Dass der akribisch Beobachtete eine komplette Woche lang wegen entzündeter Zehen nur ein paar Mal gegen den Ball treten konnte, zum Rückrundenauftakt am Freitag gegen Hoffenheim wohl nicht im Kader stehen wird und dennoch die Schlagzeilen bestimmte, zeigt wieder mal, wie wichtig diese Personalie beim deutschen Rekordmeister ist – und das nicht nur aus sportlicher Sicht.

Es geht natürlich auch ums Geld. Geht er, oder bleibt er? Diese Frage stellt sich seit Monaten, und so wie es aussieht, wird sie demnächst endlich entschieden. „Wir werden vor Saisonende Klarheit haben, innerhalb von zwei, zweieinhalb Monaten. Ich möchte es vor der WM wissen“, sagte Ribéry in einem Interview mit dem französischen Sender France 2, „ich glaube nicht, dass es sich lang hinziehen wird, das wird schnell gehen.“ Nach dem Geschmack einiger Entscheider im Verein zieht sich die Ungewissheit schon viel zu lange. Sportchef Christian Nerlinger bemüht sich zwar um diplomatische Formulierungen („Wir werden eine saubere Lösung finden“), doch Neu-Präsident Uli Hoeneß hatte noch zu seinen Managerzeiten angekündigt, den Franzosen zu verkaufen, wenn er im Frühjahr keiner Vertragsverlängerung zustimme. Für gut 50 Millionen Euro würde man Ribéry aus dem bis 2011 laufenden Vertrag in Richtung Real Madrid oder FC Chelsea ziehen lassen; im Jahr darauf würde man keinen Cent mehr an ihm verdienen.

Bisher ist keine Tendenz zu erkennen. In München wäre Ribéry weiterhin der Sonnenkönig, bei Real oder Chelsea nur einer von vielen Galaktischen. Die Bezahlung dürfte in beiden Fällen ordentlich sein. Ein Münchner ist Ribéry bislang nicht geworden. Noch kein deutsches Wort kommt ihm über die Lippen, Frau und Kinder weilen oft in der Heimat, und ohne Luca Toni werden auch die Besuche beim Promi-Italiener Hugo’s in der Münchner City weniger werden.

Wie Trainer Louis van Gaal die Causa Ribéry sieht, kann man sich denken. Der Niederländer besteht auf unbedingte Loyalität zum Klub, doch ein Bekenntnis zum FC Bayern war von Ribéry nicht zu vernehmen. In Dubai sagte van Gaal, er sei „sauer, weil Franck ein sehr gutes Trainingslager nicht mitmachen konnte. Jetzt müssen wir ihn während der Saison integrieren. Das ist immer schwierig.“ Van Gaal ließ keinen Zweifel daran, was er von seinem Star erwartet: „Er muss trainieren, das weiß er. Ich habe es ihm oft gesagt. Reha-Training ist auf einer Skala 30, ein leichtes Van-Gaal-Training 100.“ Der Trainer verteilt aber auch Lob. „Ribéry setzt auf dem Platz alle meine Vorgaben um, sogar besser als Robben. Enttäuschend sind natürlich seine Verletzungen. Da wurde früher etwas versäumt. Profis müssen ihren Körper pflegen.“ Auf keinen Fall werde er sich aber hineinreden lassen, wann Ribéry und der ebenfalls dauerverletzte Arjen Robben wieder fit sind: „Wenn das der Vorstand entscheidet, dann gehe ich sofort, morgen“, sagte er dem „Kicker“. So fand das Trainingsspiel gestern Abend beim FC Basel auch ohne die beiden Stars statt: Sie legten mit Assistenztrainer Andries Jonker eine Sondereinheit an der Säbener Straße ein, während ihre Kollegen durch zwei Tore von Miroslav Klose und einen Treffer von Hamit Altintop 3:1 (0:1) gewann.

Schon zuletzt lief es ohne das Spektakel-Duo ganz ordentlich. Dass Ribéry und Robben vor der WM endlich wieder zu alter Form finden wollen, ist klar, aber keine Erfolgsgarantie. „Franck kann die Champions League nicht alleine gewinnen, auch Arjen Robben kann das nicht“, sagte van Gaal, „beide müssen mit den neun anderen zusammenspielen.“ Beim ersten Training nach dem Dubai-Ausflug haben sie das dann tatsächlich mal wieder getan – eine komplette Einheit lang.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben