Sport : Frank Rost: Große Hände, große Klappe

Michael Rosentritt

Seine Hände sind die größten der Bundesliga. 23 Zentimeter liegen zwischen der Spitze des Mittelfingers und der Handwurzel. So etwas macht sich in seinem Beruf besonders vorteilhaft. Frank Rost ist nämlich Torhüter. Und das bei Werder Bremen. Mittlerweile ist das wieder was wert. "Bremen ist die erfolgreichste Mannschaft der Rückrunde", sagt Rudi Völler, der gern für Bremen stürmte und mittlerweile genauso gern Teamchef ist. "Aus Dankbarkeit diesem Verein gegenüber nominiere ich doch keinen Spieler." Aber es fällt schon auf, dass der SV Werder mit vier Spielern nach den Bayern (fünf) das größte Kontingent für das Freundschaftsspiel gegen Frankreich (heute, 20.45 Uhr) stellt. Neben Marco Bode und Frank Baumann zählen auch die Neulinge Torsten Frings und Frank Rost zum Kader.

Nun sind an diesem Frank Rost nicht nur die Hände groß. In jüngerer Vergangenheit fiel er des Öfteren wegen seiner großen Klappe auf. Nachdem er im Juni 1999 im DFB-Pokalfinale den entscheidenden Elfmeter gehalten hatte, war es ihm offenbar ein Bedürfnis, zu verkünden: "Ein geiles Gefühl, die Bayern vom Sockel zu stoßen." Keine drei Stunden später legte der gerade mal 25-Jährige vor dem Eingang zur Werder-Party im Berliner Hotel "Steigenberger" ordentlich nach. Als der Ordnungsdienst Rost und seinen Eltern etwas übereilt den Einlass verweigerte (was später korrigiert wurde), konterte er mit den Worten: "Macht eure Scheiß-Party doch alleine! Ihr könnt euch den Hauptsponsor sonstwo hinstecken!"

Viel zu feiern hatte Werder seitdem nicht. Und Rost genügend Zeit darüber nachzudenken, was warum so alles über ihn geschrieben stand. Endlich angekommen im Zirkel der deutschen Auswahlspieler gibt er sich dieser Tage recht bedacht. "Ich möchte mich hier nur gut präsentieren, denn Ansprüche kann ich nicht stellen." Oliver Kahn ist gesetzt im Team von Völler, "völlig klar", sagt Rost, "aber in den diplomatischen Dienst bin ich immer noch nicht eingetreten".

Rost scherzt im Kreis der Nationalelf und überspielt damit eine seiner wertvollsten Erfahrungen. Zu oft habe er sich den Mund verbrannt, "du landest in einer Schublade, die so vorteilhaft nicht ist". Wenn er doch nur seine Hände sprechen lassen könnte. Die lagen selten daneben. Eine Gabe, die ihm in die Wiege gelegt wurde. Seine Eltern waren Handball-Nationalspieler der DDR, der Vater 1980 gar Olympiasieger. Es hat nicht viel gefehlt, dann wäre auch der Sohn beim Handball gelandet. "Mein Vater riet mir, beim Fußball zu bleiben", erzählt Rost. Angefangen hat er mit neun Jahren bei Lok West Leipzig. Über Chemie Böhlen landete er auf der Kinder- und Jugendsportschule von Lok Leipzig und nach der Wende bei Werder, wo er sieben Jahre lang hinter Oliver Reck die Nummer zwei war. "Irgendwann habe ich gelernt, dass es besser ist, die einfachen Bälle zu halten", sagt Rost. "Es nützt niemandem etwas, wenn du ein, zwei unhaltbare Bälle fängst, aber die einfachen nicht. Davon gibt es einfach zu viele in einem Spiel."

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