Frank Rost : Unbequem und ehrgeizig

Noch ist Frank Rosts auslaufender Vertrag nicht verlängert. Doch der Keeper will auf jeden Fall lange beim HSV bleiben.

Frank Heike[Hamburg]
Rost
Frank Rost -Foto: ddp

So etwas konnte Frank Rost nicht unkommentiert lassen. Der Spielerberater Roman Grill als Sportchef des HSV? Gar nicht gut, fand der Torwart und sagte das damals auch in einem Interview: Ganz allgemein merkte er an, dass er es für schlecht halte, wenn der Sportchef auch eigene Spieler berate, wie das im Fall Grill/Piotr Trochowski gewesen wäre. Als mündiger Profi sollte man so etwas sagen dürfen. Doch Rost hatte plötzlich ein Problem – die Vereinsführung um Vorstand Bernd Hoffmann reagierte verärgert. Rost solle sich um den Sport kümmern und Bälle halten und nicht in die Vereinspolitik einmischen, hieß es sinngemäß.

Es lässt sich nicht genau sagen, ob Hoffmann seinen meinungsfreudigen Torwart später wirklich zur Aussprache bestellte, weil er dachte, Rost liebäugele vielleicht selbst mit dem Posten des Sportchefs. Oder ob es nur ein Meinungsaustausch war. Hoffmann hält im Grunde viel von Rost. In jedem Falle wird man das Gefühl nicht los, dass die Vereinsführung ihn nun länger als nötig warten lässt: Der Torwart hätte seinen auslaufenden Vertrag gern um ein Jahr verlängert. Vor einem Jahr geschah das im Oktober. Nun heißt es von beiden Seiten, es sollten „zeitnah“ Gespräche geführt werden. Dieses „zeitnah“ dehnt sich aber schon seit Wochen. Vor dem Spiel am Mittwoch in der Europa League gegen Rapid Wien (20.50 Uhr, live bei Sat 1) wurde noch nicht gesprochen.

Rost gibt sich wortkarg: „Ich will nächstes Jahr weiter Fußball spielen, ganz klar. Ich habe immer gesagt, dass das beim HSV sein soll.“ Es gibt zurzeit niemanden, der als Ersatzkeeper von unten drängeln würde. Für den HSV geht es darum, wie er den Posten im Tor für die Zeit nach Frank Rost besetzt.

Druck will Rost nicht machen, doch man merkt, dass es ihn stört, so lange warten zu müssen. Die Leistung stimmt ja, wie sie immer stimmte, seit er im Januar 2007 aus Gelsenkirchen kam: nach ein paar schwächeren Spielen zu Saisonbeginn hat Rost in den vergangenen sieglosen Wochen mit vielen Verletzten und Kranken manche Punkte hinter einer wackligen Innenverteidigung mit wechselndem Personal festgehalten. Am besten drei Punkte sollten es gegen Wien sein, wenn sich der HSV eine Runde vor Schluss für das Sechzehntelfinale im nächsten Jahr qualifizieren könnte.

Frank Rost ist 36 Jahre alt; zwei Jahre wird er noch spielen wollen, und dass er seine Fußballkarriere nach der aktiven Laufbahn als Funktionär fortführen will, gilt als ausgemacht. Professionell, unbequem und ehrgeizig wird er bleiben und auch weiterhin versuchen, den Kollegen die Bequemlichkeit auszutreiben. Manchmal wirkt es beim HSV allerdings so, als versteckten sich die Spieler hinter ihrer meinungsstarken Führungsfigur.

Rost studiert nebenbei Betriebswirtschaftslehre und verbringt trainingsfreie Nachmittage (und schlaflose Nächte nach Niederlagen) vor Wirtschaftsbüchern oder dem PC. Es heißt, er besäße einen Anschlussvertrag, um nach dem Ende der Profi-Laufbahn noch zwei Jahre im HSV-Management mitzuarbeiten. Und dass er sich mit Frau und Tochter im eigenen Haus im elbnahen Nienstädten eingerichtet hat, spricht auch dagegen, dass er die Stadt noch einmal verlassen wird. Sicher, Rost ist ein Freund des englischen Fußballs. Aber dort könnte er eines seiner großen Ziele nicht verwirklichen: auf 400 Bundesligaspiele zu kommen. 376 sind es bisher.

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