Sport : Frank Rost

Wie Hamburgs Torhüter das Spiel in Bremen erlebte

Steffen Hudemann

Frank Rost trägt Rollkragenpulli unter dem kurzärmligen Trikot. Der Pulli ist gegen die Kälte, die kurzen Ärmel haben Symbolik. Der Hamburger SV hat den Torwart in der Winterpause geholt, weil er einer ist, der ehrgeizig ist, der immer vollen Einsatz zeigt. Einer, der die Ärmel in harten Zeiten hochkrempeln kann. Und beim HSV waren die Zeiten zuletzt so hart, dass man die Ärmel gleich ganz weglassen kann, sonst kommt man mit dem Hochkrempeln nicht mehr nach.

Vor fast zehn Jahren wurde Frank Rost in Bremen Stammtorhüter, später ging er zu Schalke, wurde dort am Ende Ersatztorhüter und soll nun kraft seiner Erfahrung dem HSV helfen, nicht abzusteigen. Seine Erfahrung zeigt der Torhüter in kleinen Gesten. Spektakuläre Bälle muss er in diesem Spiel nicht abwehren, dafür ist Werders Offensive zu harmlos. Der 33-Jährige strahlt Ruhe aus. Er fängt Flanken und harmlose Schüsse sicher ab, wirft den Ball dann schnell und präzise zum Mitspieler oder verlangsamt das Spiel – ganz so, wie es die Spielsituation erfordert. Es sind kleine Dinge, die einer verschüchterten Mannschaft Sicherheit verleihen.

Kurz vor der Halbzeit gibt es einen Elfmeter, knapp 100 Meter von Frank Rost entfernt, im Bremer Strafraum. Rost steht am Pfosten, schlägt die Hacken gegen das Metall, um die Erde zwischen den Stollen zu entfernen. Dann macht er vier, fünf Schritte nach vorne, erwartet den Schuss auf der anderen Seite. Rafael van der Vaart trifft. Rost klatscht kurz in die Hände, spuckt in seine Handschuhe, reibt sie aneinander. Keine großen Gesten. Einmal kurz in die Hände gespuckt – es gibt noch Arbeit.

Auch in der zweiten Hälfte bleibt ein Bremer Sturmlauf aus. Einmal setzt Miroslav Klose zu einem Dribbling an. Doch der Ball springt ihm vom Fuß. Rost wirft sich dazwischen. Klose kommt ins Stolpern, kann nicht mehr bremsen und trifft Rost am Kopf. Der Torwart muss behandelt werden. Eine Minute, dann steht er wieder. So etwas kommt vor, kein Grund für Rost zu klagen. Sieben Minuten vor Ende fängt Rost einen letzten harmlosen Kopfball ab. Auf der Gegenseite schließt van der Vaart einen Konter zum 2:0 ab. Rost sprintet aus dem Tor zur Mittellinie, umarmt dort Juan Pablo Sorin und Joris Mathijsen. Auf dem Rückweg ins Tor ballt er die Fäuste in Richtung der mitgereisten HSV-Fans. Jetzt ist die Arbeit getan, jetzt darf er seine Freude zeigen.

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