Frank Schaefers Abschied in Köln : Entschlossen demontiert

Frank Schaefer wird allenfalls als Übergangstrainer in Erinnerung bleiben, aber das liegt weniger an Schaefer als an den Gepflogenheiten des Fußballs, der rastlos um sich selbst kreist und jede Woche neue Helden gebiert.

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Vermutlich dauert es nicht allzu lange, bis Frank Schaefer der allgemeinen Vergessenheit anheimfällt. Allenfalls als Übergangstrainer wird er in Erinnerung bleiben, aber das liegt weniger an Schaefer als an den Gepflogenheiten des Fußballs, der rastlos um sich selbst kreist und jede Woche neue Helden gebiert. Dass der bedächtige Schaefer in dieser rasenden Branche ein Fremder geblieben ist, hat er gestern noch einmal eindrücklich nachgewiesen, als er seinen Abschied als Cheftrainer des 1. FC Köln bekannt gab. Bescheiden, anständig, aufrichtig – so hat er sich bei seinem letzten großen Auftritt präsentiert. „Ich hatte das Gefühl, dass ich den Verein belaste“, sagte Schaefer zum Abschied.

So viel Anstand hat der Verein gar nicht verdient, der ihn vor allem in Person von Volker Finke entschlossen demontiert hat. Mit Andeutungen über seine Religiosität hat der Sportdirektor des FC erste Zweifel an Schaefers beruflicher Eignung gesät, mit steten Einmischungen ins Tagesgeschäft dessen Autorität endgültig untergraben. Finke hat sich wie ein Übertrainer aufgeführt, der alles besser kann.

Der FC verliert mit Schaefer nicht nur einen aufrichtigen Typen, sondern vor allem einen ausgezeichneten Trainer. Frank Schaefer hat aus einem verschrobenen Kader eine Mannschaft geformt, die er für seine fußballerische Idee begeistern konnte. Alles in allem war er vermutlich der beste Trainer, den der 1. FC Köln seit der Entlassung von Christoph Daum im Sommer 1990 gehabt hat. Vielleicht hat ihn genau das verdächtig gemacht.

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