Sport : Frank von Behren - ein großes Handballtalent mit Startproblemen

Klaus Rocca

Seine jugendlichen Fans werden es nicht so gern vernehmen. "Dann muss ich mir eben die Rasta-Locken abschneiden", sagt Frank von Behren. Keine Angst. "Nur dann, wenn mir die Haare ausfallen." So weit ist es noch nicht. Von Behren wird sein Markenzeichen noch ein Weilchen schmücken.

Frank von Behren schmückt seit einiger Zeit die deutsche Handballszene. Noch ist er kein Star wie Stefan Kretzschmar oder Daniel Stephan, "aber eines der größten Talente, die wir haben", sagt Bundestrainer Heiner Brand. Daniel Stephan urteilt über seinen Nebenmann: "Frank könnte eine tragende Säule im Nationalteam werden." Gute Ratschläge kann der nur drei Jahre ältere Welthandballer des Jahres dem Youngster derzeit reichlich geben: Beide bewohnen dasselbe Hotelzimmer in Berlin, vor dem heute in Frankfurt (Oder) beginnenden und in der Hauptstadt erst richtig los gehenden Supercup. Dabei wäre die Handball-Karriere des Frank von Behren fast schon beendet gewesen, noch ehe sie recht begonnen hatte. Bei der Weltmeisterschaft in Ägypten überzog er den Zapfenstreich und wäre beinahe nach Hause geschickt worden. Es sei von den Medien überzogen dargestellt worden, meint der 23-Jährige heute. "Wir saßen zu dritt im Casino und haben gar nicht auf die Uhr geschaut." Bei Brand hatte der junge Wilde schlechte Karten. "Frank stand damals auf der Kippe", erinnert sich der Bundestrainer. Doch er ließ Gnade vor Recht ergehen, schluckte auch Kritik über zunächst schwache Leistungen des Youngsters hinunter und freute sich nach dessen deutlicher Leistungssteigerung über seinen Vertrauensbeweis. Heiner Brand hat es nicht bereut. Schließlich sind Talente in einer Zeit, da die Ausländer in der Bundesliga die Marschrichtung angeben, äußerst dünn gesät.

Inzwischen hat Frank von Behren 28 Länderspiele bestritten und 62 Tore geworfen, ist zu einer festen Größe geworden. Kurioserweise nicht in seinem Verein GWD Minden. Dort steht er im Rückraum links im Schatten Talant Duschebajews. "Für mich ist es viel schwerer, im Verein einen Stammplatz zu erkämpfen als in der Nationalmannschaft", weiß von Behren. Dabei ist sein Trainer Aleksandr Rymanow überzeugt: "Frank hat alles, um ein großer Spieler zu werden." Doch zu der Erkenntnis kam er erst, als Frank von Behren über Gastmonate beim Zweitligisten TSG Bielefeld und die B-Nationalmannschaft auf sich aufmerksam machte. Mit großer Sprungkraft, gutem Blick für den Neben- und Vordermann, mit der Unbekümmertheit der Jugend.

Nahe Minden, in Hille, steht von Behrens Geburtshaus, ein Riesen-Bauernhof, der größte weit und breit. Doch mit Landwirtschaft hat er nichts im Sinn: "Damit ist kein Geld mehr zu machen." Frank von Behren muss es wissen. Er studiert im fünften Semester Betriebswirtschaft. Nicht übermäßig intensiv, dafür fehlt die Zeit. "Doch ich will mir ein zweites Standbein schaffen." Ein kluger Kopf. Mit Rasta-Locken. Noch.

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