Sport : Frankens Napoleon

Von den Entgleisungen des Fußball-Präsidenten Roth

Torsten Geiling

Nürnberg. Er liebt die große Pose, Michael A. Roth. Autokratisch und mit eiserner Hand führt der nur 1,64 Meter kleine fränkische Napoleon erfolgreich seine Unternehmen. Nur als Präsident des 1. FC Nürnberg will ihm dies nicht gelingen. Nach seiner Vision sollte der Club als „FC Bayern der zweiten Liga“ die zweithöchste Spielklasse im deutschen Fußball in dieser Saison dominieren und den sofortigen Wiederaufstieg schaffen. Doch alles andere, nur nicht die sportlichen Leistung, erinnern derzeit an den Rekordmeister aus München.

Nach sechs Spielen ohne Sieg und einer 1:2-Heimniederlage am Wochenende gegen Lübeck steht der Club am Rande des Abgrunds: Lediglich das bessere Torverhältnis trennt den Verein noch von einem Abstiegsplatz. Und es sind nicht die Spieler, die auf dem Platz aus allen Lagen schießen und vielleicht mit übertriebener Härte für Schlagzeilen sorgen. Einmal mehr ist es in Nürnberg die Vereinsführung, die völlig planlos in dieser Situation verbal um sich tritt.

Zum Eklat kam es nach dem Spiel gegen Lübeck. Roth tobte und zeterte und verschig sich schließlich zu einer Äußerung, die ihn in ganz Deutschland zwar nicht berühmt, aber berüchtigt ghemacht hat: „Nach dieser Vorstellung muss ich sagen: Ich habe eine Pistole samt Waffenschein und würde einigen am liebsten das Hirn durchpusten.“ Mit dieser Entgleisung hat der schon öfters irrlichternde Teppichhändler die Äußerungen seines ehemaligen Angestellten Edgar Geenen bei weitem übertroffen. In der Saison 2001/2002 hatte der damalige Manager die Spieler des Clubs als „Dreck, Abschaum, Müll und Lepra“ bezeichnet, die nicht einmal den „Schuss Pulver“ wert seien, um sie zu erschießen.

Positive Schlagzeilen produzieren die Franken schon lange nicht mehr. Und eigentlich zehrt der Verein seit Jahren nur noch von seiner ruhmreichen Vergangenheit, in der neun Meistertitel nach Nürnberg geholt wurden. Doch das ist lange her. Auf dem Briefkopf datiert der letzte Titel aus dem Jahr 1968. Seit der Club ein Jahr später als bisher einziger Titelverteidiger abstieg, pendelt der Verein zwischen erster und zweiter Liga und hat mit sechs Abstiegen inzwischen einen Negativrekord aufgestellt.

Legendär sind nur noch die Skandale: Da wurde ein Abwehrspieler beurlaubt, weil er absichtlich Eigentore erzielt haben soll, um auf dem schwarzen Wettmarkt satte Gewinne einzustreichen. Unparteiische erhielten teure Geschenke, es gab schwarze Kassen, aus denen man illegal Handgelder zahlte, und die Nürnberger Justiz verfügte gegen 21 Personen, darunter zwei Präsidenten und drei Spieler, strafrechtliche Sanktionen und verurteilte darüber hinaus einen Schatzmeister wegen Veruntreuung von Klubgeldern und Steuerhinterziehung.

Und jetzt geistern auch noch Rassismus-Vorwürfe eines ehemaligen Angestellten durch Franken. Roth widerspricht, mit der ihm eigenen Beharrlichkeit: „Es gibt in unserer Mannschaft keinen einzigen Spieler, der andere Menschen wegen seiner Hautfarbe oder Herkunft verachtet“, verfügte nun der Präsident für den Verein.

Ohne den geltungssüchtigen 68-Jährigen Teppichhändler Roth gäbe es den Traditionsverein aber wahrscheinlich schon gar nicht mehr. Seine Geldspritzen und Bürgschaften haben den von chronischen Finanznöten geplagten Verein schon mehrmals vor dem Schuldentod bewahrt. Daraus zieht Roth auch seine große Machtfülle. In seinen zwei Amtszeiten (1979 – 1982 und seit 1994) sind bereits zwölf Trainer seiner Ungeduld und Launen zum Opfer gefallen.

Vom eigenen Rücktritt will der impulsive Roth indes nichts wissen, auch wenn ihn der deutsche Fußballverband nun vor den Kontrollausschuss zitieren könnte. Er habe sich zwar in der Wortwahl vergriffen, wofür er sich entschuldigen wolle, doch seien die Äußerungen in einem „Kurzgespräch rein privater Natur“ gefallen. „Beim Club ist alles in bester Ordnung. Nur der Erfolg fehlt".

Bisher schwört der Präsident noch auf seinen Coach Wolfgang Wolf. „Der Trainer steht überhaupt nicht zur Diskussion", sagt Michael A. Roth Woche für Woche. Diesen Schwur bekam auch sein Vorgänger Klaus Augenthaler zu hören – bis er auf einmal gefeuert war. Jetzt ist Augenthaler Trainer bei Bayer Leverkusen. Wenn sich also nicht bald der erwünschte Erfolg einstellt, wird Trainer Wolfgang Wolf wohl die Nummer 13 auf Roths Abschussliste.

Einen Waffenschein hat er ja, wie wir jetzt wissen.

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