Sport : Frankfurt kämpf um die Lizenz und gegen Hansa Rostock

Hartmut Scherzer

Die beiden Herren, die derzeit mit der Rettung von Eintracht Frankfurt beschäftigt sind, traten zur Mittagsstunde im Waldstadion vor die Medien, um über den letzten Stand der Dinge zu informieren - beziehungsweise ihn zu verschweigen. Dem Verein droht der Absturz von zwei Seiten - durch Abstieg und Lizenzentzug. Das "Outfit" verriet die Zuständigkeit der beiden Männer im präsidentenlosen Traditionsklub. Felix Magath, der Teamchef, noch verschwitzt im Trainingsanzug und Badeschlappen, bearbeitet den sportlichen Teil. Klaus Lötzbeier, der Geschäftsführer, herausgeputzt im schwarzen Anzug, ist mit dem wirtschaftlichen Teil der Rettungsaktion beschäftigt. Nur die bunte Krawatte ließ nicht den Schluss zu, dass der Herr mit dem weißen Haarkranz anschließend zu einer Beerdigung aufbrechen musste. Obwohl: Der Gang über die Straße in die Otto-Fleck-Schneise zur DFB-Zentrale dürfte schwer genug gewesen sein. Um Mitternacht des 15. März endete die Abgabefrist für das Lizenzierungsverfahren.

Zur sportlichen Rettung hat man in Frankfurt zur Zeit mehr Vertrauen als zur wirtschaftlichen. Für den unverhofften Aufschwung sorgte Felix Magath, dessen Motto "Qualität kommt von Quälen" dem Verein vier Siege und ein Unentschieden in den sieben Spielen der Rückrunde eingebracht hat. Morgen kommt Hansa Rostock, der direkte Konkurrent im Abstiegskampf. "Weil wir mit einem Sieg aus eigener Kraft Rostock überholen und einen Nichtabstiegsplatz erreichen können, ist dieses Spiel schon etwas Besonderes", sagte Magath. Mit unterschwelliger Genugtuung, immerhin, bemerkte der "Hardliner" noch: "Die Liga nimmt uns wieder ernst."

Lötzbeier konnte für seinen Bereich lediglich seinen ganz persönlichen Optimismus über die Lizenzvergabe versprühen. "Ich habe ein gutes Gefühl und bin überzeugt, dass unser Konzept funktioniert." Irritiert ist freilich die Öffentlichkeit - und die Abstiegskonkurrenz - über den angeblichen "plötzlichen Reichtum der armen Leute von Frankfurt" (Kicker), die mit der Verpflichtung von Spielern in der Winterpause gegen DFB-Auflagen verstoßen hätten. "Immer schwankend zwischen Kleingeist und Größenwahn" (FAZ) hatte die mit knapp 14 Millionen Mark verschuldete Eintracht letzte Woche völlig überraschend das Sanierungsprojekt der Stadt in Verbindung mit dem Neubau des Stadions abgesagt und die Damen und Herren im Römer verprellt. 125 Millionen Mark hatte die Stadt für den neuen Stadionbau bewilligt. Die Eintracht sollte den Stadionbetreiber IMG zum gesuchten "strategischen Partner" nehmen, wie Schatzmeister Rainer Leben den Geldgeber nennt. Doch in letzter Minute sprang die Eintracht ab. Die Vermarktungsgesellschaft ISPR soll nun der "big spender" sein, einen im letzten Sommer gewährten 17-Millionen-Kredit, in Raten über zehn Jahre zurückzuzahlen, in einen Zuschuss umgewandelt haben. Alles Spekulationen. Die tatsächliche Finanzlage der Eintracht bleibt verschwiegen. Endgültige Klarheit wird wohl erst Ende April herrschen, wenn der DFB-Lizenzierungsausschuss seine Entscheidung bekannt gibt.

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