Frankfurt - Kaiserslautern 0:0 : Nur der Pöbel gewinnt

Schon vor dem enttäuschenden 0:0 zwischen Frankfurt und Kaiserslautern kommt es zu Ausschreitungen zwischen beiden Fangruppen. Auf dem Platz sorgen weder Gekas noch Lakic, die besten Torschützen beider Teams, für Gefahr.

von
Dampf abgelassen. Schon vor dem Stadion waren Fans beider Lager aneinander geraten, während des Spiels zündelte Kaiserslauterns Anhängerschaft auf den Rängen.
Dampf abgelassen. Schon vor dem Stadion waren Fans beider Lager aneinander geraten, während des Spiels zündelte Kaiserslauterns...Foto: dpa

Auch nach dem Schlusspfiff traute sich bei Eintracht Frankfurt niemand weiter vor als bis zur Strafraumgrenze. Kein Spieler wollte es nach dem furchtbaren 0:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern wagen, bei der vorsichtigen Danksagung der wütenden Anhängerschaft in der Nordwestkurve zu nahe zu kommen. Denn dort, wo die gewaltige Ultra-Gruppierung ihren Stammplatz hat, brannten vereinzelte Fahnen, schwangen die Fans wütend die Fäuste, gingen Schimpfkanonaden auf die Profis ab. Die Geduld der Getreuen scheint aufgebraucht bei den im neuen Jahr weiter notorisch sieg- und torlosen Hessen, die kraftlos den Abstiegsplätzen entgegen taumeln. Aber auch die Pfälzer hinterließen in einem zweitklassigen Erstligaspiel nicht unbedingt einen besseren Eindruck; wenn sie auch in der 89. Minute die beste Chance des Spiels vergaben. Da war Torjäger Srdjan Lakic nach einem flotten Konter mustergültig von Adam Hlousek freigespielt worden, vergab aber kläglich. „Ich werde mich nicht verrückt machen lassen, normalerweise ist das ein Tor“, gab der Kroate zu. Auch FCK-Coach Marco Kurz wollte sich eingedenk der grotesken Szene nicht grämen: „Ich hätte das Ding gerne drin gesehen, aber wir lassen uns nicht auseinanderdividieren.“

Solche Zuversicht ist den Frankfurtern derzeit völlig fremd. „Das ist ein ganz enttäuschendes Ergebnis“, stammelte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, „wir hatten uns den Durchbruch erhofft, aber wir sind keinen Schritt weiter.“ Trotz eines dreitägigen Trainingslagers im Westerwald sei das Bemühen „von Nervosität“ geprägt gewesen. Dem 62-Jährigen ist es ein Rätsel, „dass wir nicht mutiger spielen und immer die Verantwortung abgeben.“ Auf die Frage, ob Trainer Michael Skibbe die Mannschaft noch erreiche, antwortete Bruchhagen mit einem knappen „Ja“.

Skibbe versicherte hinterher, „nicht ratlos“ zu sein, gleichwohl erweckt der rhetorische geschickte Fußballlehrer mittlerweile genau diesen Eindruck. „In erster Linie ist das ein Kopfproblem“, erklärte der 45-Jährige. Die wachsweichen Ausführungen Skibbes standen im Gegensatz zu dem Wutausbruch, der den eingewechselten Ioannis Amanatidis befallen hatte. Der 29-jährige Stürmer, von Skibbe zwischenzeitlich suspendiert, hielt einen minutenlang Monolog, um die bedrohliche Lage zu verdeutlichen. „Das geht so nicht! Das ist zu wenig! Die Körpersprache stimmt nicht!“ Der aufgebrachte Grieche schrie seinen Frust heraus: „Vielleicht ist nicht allen klar, worum es hier geht. Das ist indiskutabel.“

Letztere Feststellung darf auf alle Fälle für die Ausschreitungen gelten, die zu dem um eine Viertelstunde verspäteten Anpfiff führten. Frankfurter und Lauterer Fans waren am Bahnhof Sportfeld aufs Heftigste aneinandergeraten, es flogen Flaschen, Feuerwerkskörper und Leuchtmunition, nachdem ein Sonderzug aus der Pfalz per Notbremse gestoppt und dann von Frankfurter Hooligans angegriffen wurde. Im Anschluss sperrte die Polizei zeitweise den S-Bahnhof, sechs Polizisten wurden leicht verletzt. Acht Eintracht-Anhänger wurden bis Spielende in Gewahrsam genommen. Der unschöne Auftakt eines unschönen Bundesliganachmittags im Frankfurter Stadtwald.

1 Kommentar

Neuester Kommentar