Sport : Frankfurt?

Die Eintracht fürchtet eher die Fans als den Abstieg. Christoph Daum gibt seine Abschiedsvorstellung

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Nur gut, dass zwischen den beiden gepflegten Rasenplätzen im Schatten der Frankfurter Arena ein turmhohes Fangnetz gespannt ist. Sonst wäre die eigens für den Torjäger Theofanis Gekas abgehaltene Übung beim Training von Eintracht Frankfurt wohl zur vollkommenen Blamage geraten, schließlich brachte es der seit Wochen als Versager verunglimpfte Grieche fertig, einen Volleyschuss nach dem anderen wahlweise 15 oder 20 Meter über die Latte zu jagen. Immer hoch in die Maschen. So als befände er sich beim American Football statt beim Fußball.

Selbst Christoph Daum, der im trüben März wie ein Erlöser aus einer anderen Welt begrüßte Trainer, ertrug im sonnigen Mai diese Fehlleistung mit Fassung. „Das geht schon die ganze Zeit so“, klagte der 57-Jährige, „die Quote im Torabschluss liegt bereits im Training deutlich unter der anderer Klubs.“ Und erst recht im Wettkampf: Lächerliche sechs Tore hat die Eintracht 2011 zustande gebracht – und weil sich niemand vorstellen kann, dass die harmlosen Hessen ausgerechnet im letzten Saisonspiel beim Meister Borussia Dortmund zu erstligareifen Tugenden zurückfinden, dürfte Tasmania Berlin seinen Halbrunden-Negativrekord bald los sein.

„Wir sind in einer Situation, in der ich lieber die Klappe halten sollte“, flötete der fidele Daum, und natürlich folgten trotzdem schwallende Ausführungen. Vieles klang dabei nach Abschied: „Ich würde das alles wieder so machen, es hat sich gelohnt … Das Negativerlebnis gehört zu meiner Vita wie Meisterschaften und Europapokalsiege … Ich sehe in Frankfurt Riesenpotenziale, aber darüber zu sprechen ist aberwitzig.“ Der Vielredner dürfte schon bald wieder Privatier in seiner Villa in Köln-Hahnwald sein, schließlich will Daum direkt nach dem Dortmund-Spiel abschließende Gespräche führen, um „einen Konsens herzustellen, der für den Verein am besten ist“.

Sein Abschied ist unvermeidlich. Heribert Bruchhagen lauschte der nutzlosen Motivationsrhetorik seines Retters mit dem Gleichmut eines Dickhäuters. Der Vorstandschef lässt sich fürs Abstiegsfinale nicht blenden. „Wir haben nur Außenseiterchancen“, sagt er Hinter den Kulissen ist vor der Aufsichtsratssitzung am Montag längst klar: Bruchhagen bleibt der Boss, aber ihm wird künftig ein Manager zur Seite gestellt, der Jan Schindelmeiser heißen könnte. Der frühere Hoffenheimer soll das Begehren des Aufsichtsrates erfüllen, „dass einer die Sensoren am Puls der Truppe hat und mehr frische sportliche Kompetenz einbringt“. Und dann ist ja noch ein Trainer zu finden, der möglichst zur unverbrauchten Generation gehören soll.

Frankfurt größte Sorge ist auch nicht die bevorstehende Trainersuche, es sind die eigenen Anhänger. Mit dem unnötigen Abstieg könnte sich Bruchhagen irgendwie arrangieren, nicht aber mit erneuten Verfehlungen der Eintracht-Ultras. Der Vorstand und der Vereinspräsident Peter Fischer haben die 8000 mitreisenden Frankfurter Fans offiziell dazu aufgerufen, am Samstag Vernunft walten zu lassen. „Eine Störung der Meisterfeier wäre der Super-Gau für Eintracht Frankfurt“, sagt Bruchhagen. „Es geht in diesem Spiel auch um unser Image.“ Vielleicht sogar mehr als um den Klassenerhalt.

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