Sport : Frankfurter Unfrieden

Aufsichtsratschef Neppe verlässt die Eintracht, der Erstligist installiert eine neue Führung

Hartmut Scherzer

Frankfurt (Main). Es ist so, wie es eigentlich immer schon war bei der Eintracht: Ob sich der Klub aus Frankfurt am Main wie durch ein Wunder vor dem Abstieg rettet oder auf abenteuerliche Weise aufsteigt, in der Führungsetage ist Unruhe erste Bürgerpflicht. Ausgerechnet jetzt, just nach dem ersten Spieltag der Bundesliga, gab der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Neppe den langen Machtkampf verloren und trat als Chef des höchsten Gremiums der Eintracht Frankfurt Fußball AG zurück. Der Aufsteiger stand erst einmal führungslos da. Denn es gab auch keinen Vorstandsvorsitzenden mehr, seit Volker Sparmann im Juni aus seinem Amt schied, um auf seinen Managerposten beim Verkehrsverbund Rhein-Main zurückzukehren. Bei der Eintracht schien nur einer die Dinge noch halbwegs im Griff zu haben: Trainer Willi Reimann.

Gestern Abend stellte die Eintracht eine gewisse hierarchische Ordnung wieder her. Auf einer Aufsichtsratssitzung am Frankfurter Flughafen wurden dem Verein neue personelle Strukturen gegeben: Der Wirtschaftsexperte Peter Schuster (60) wurde zum Vorstandsvorsitzenden bestellt und damit Sparmanns Nachfolger. Und in einem Abwasch hat sich der Bundesligist auch gleich noch einen neuen Chef für den Aufsichtsrat verordnet: Es ist Herbert Becker (63) vom Hauptsponsor Fraport. Alles soll nun in friedliche Bahnen gelenkt werden. Die Neuen erhielten auch gleich einen wichtigen Arbeitsauftrag: Sie sollen der Eintracht einen Manager besorgen. Als Favorit für diesen Job gilt Heribert Bruchhagen, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die DFL hat Bruchhagen bereits genehmigt, dass er die Verhandlungen mit der Eintracht aufnimmt.

Beckers Vorgänger Jürgen Neppe, ein hemdsärmeliger Druckerei-Unternehmer aus der Provinz, verstand sich als Macher und nicht nur als oberster Kontrolleur im höchsten Gremium. Der ehemalige Fußball-Abteilungsleiter von Germania Kleinkrotzenburg wollte Spuren im Klub hinterlassen: Neppe wollte ursprünglich Wolfgang Holzhäuser, den Finanzchef von Bayer Leverkusen, zum Nachfolger Sparmanns bestellen, dazu einen Sportdirektor und gleich noch einen Manager obendrein installieren. Mit seinen Vorstellungen, „einen Profiverein mit einem Dreigestirn Sportdirektor, Manager und Trainer“ zu besetzen, machte er sich Reimann und Sparmann zu Gegnern. „Ich habe ganz andere Vorstellungen“, sagte Reimann. „Wenn der Verein jetzt Millionen in den Vorstand investiert und nicht in die Mannschaft, ist er auf dem Holzweg – und zwar gewaltig.“ Als Neppe dem Trainer ständig neue Spieler vorschlug, sprach ihm Reimann die sportliche Qualifikation ab.

Neppe verlangte eine Entschuldigung von Reimann. Auf die wartet er heute noch. Ungeschickt trat der 50-Jährige in seinem Tatendrang auf, Neppe warf Sparmann öffentlich Selbstdarstellung und ein allzu beschauliches Arbeitstempo vor. Dabei hatte der Verkehrsexperte „alles richtig gemacht“, wie ihm die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bescheinigte: die Lizenz erkämpft, als die bankrotte Eintracht schon in der Amateurliga zu verschwinden drohte. Die Finanzen geordnet, nachdem seine Vorgänger 30 Millionen Euro des Investors „Octagon“ innerhalb von zwei Jahren ausgegeben hatten. Und Sparmann hatte mit Freund Willi Reimann („Ich liebe diesen Trainer“, Originalton Sparmann) sogar den Aufstieg möglich gemacht.

Jürgen Neppe sagt, er gehe „als guter Demokrat“ angesichts von „Leuten mit anderen Auffassungen“. In der Opposition wolle er nicht arbeiten. „Ich steige vom Stuhl ohne ernste Verletzungen.“ Eine Mahnung hinterließ er allerdings noch für die neue Eintracht-Führung um Schuster und Becker. Sie sollten doch bitte „im Umgang miteinander nicht die Menschenrechte vergessen“.

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