Sport : Frankreich verzeiht Zidane

Hans-Hagen Bremer

Paris - Zinedine Zidane hat gesprochen, und die Mehrheit der Franzosen scheint von seiner Erklärung überzeugt zu sein. Voller Selbstbeherrschung wirkte der Fußballstar in dem Fernsehinterview, bei dem er sich eine einfache khakifarbene Jacke über die Schultern gelegt hatte und mit ruhiger, emotionsloser Stimme sprach: „Ich entschuldige mich bei allen Kindern, die das gesehen haben. Das ist unentschuldbar.“ Dennoch bedauert Zidane seinen Kopfstoß gegen Marco Materazzi im WM-Finale nicht. Schließlich habe ihn Materazzi übel beleidigt. Zidane sagte dazu: „Er hatte kein Recht dazu.“

Abgeschlossen ist der Fall noch nicht. Die Disziplinarkommission des FußballWeltverbandes Fifa hat gegen beide Spieler ein Verfahren eingeleitet. Beide wurden für Donnerstag, 20. Juli, gemeinsam vor die Disziplinarkommission in Zürich vorgeladen. Die Kommission soll noch am gleichen Tag eine Entscheidung fällen. Zudem hat Fifa-Präsident Joseph Blatter nicht ausgeschlossen, dass Zidane die Auszeichnung als bester Spieler der WM aberkannt wird.

Die Franzosen wissen zwar immer noch nicht, womit genau der italienische Verteidiger Marco Materazzi ihn beleidigt hatte. Doch sie nehmen Zidane ab, dass es „sehr harte Worte“ waren, die dieser gegen seine Mutter und Schwester gebraucht habe. Deshalb sehen sie Zidane nach, dass er mit einem Kopfstoß reagierte. Schon vor dem Fernsehauftritt hatten die Franzosen ihrem Fußballidol vergeben. 61 Prozent der Befragten hatten laut einer Umfrage Verständnis für ihn bezeugt. „Er hat seine Mutter über den Sieg gestellt“, sagte der Schauspieler Jamel Debbouze der Zeitung „Le Parisien“. „Ich hätte genauso reagiert.“

Die französische Presse stellt sich größtenteils hinter Zidane. „Das war genau das, was man von Zidane hören wollte“, meinte „Nice-Matin“. „Mit wenigen Worten, wie sonst mit wenigen Pässen, ist Zidane wieder das geworden, was er immer war – einer, der ein Bespiel gibt und zum Sieg führt.“ Dieses Bild von ihm werde man bewahren. „Niemals in seiner Karriere hat er sich mit solcher Überzeugungskraft geäußert“, merkte die Sportzeitung „L’Equipe“ an, nachdem sie kurz nach dem Finale mit Zidane streng ins Gericht gegangen war. Nur „Libération“ machte eine Ausnahme. Die Zeitung warf Zidane vor, im Interview kein Wort für seine Mannschaftskameraden oder für die italienische Elf übrig gehabt zu haben.

Unterdessen stellen die Sponsoren France Télécom, Danone oder Adidas die Verträge mit ihm nicht in Frage. „Zidane ist der Botschafter unserer Marke und er bleibt es bis 2017“, erklärte eine Sprecherin des deutschen Sportartikelherstellers.

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