Sport : FRANKREICH

Die Mannschaft qualifizierte sich erst in letzter Sekunde für die WM, auch sonst ist Frauenfußball in Frankreich oft eine zähe Angelegenheit. Aber jetzt ist sogar

Laurent Blanc begeistert.

Gute Nachrichten waren zuletzt rar im französischen Fußball. Es ist also wenig verwunderlich, dass sich auch Männer-Nationaltrainer Laurent Blanc zum Frauen-Team äußerte. „Es macht Spaß, diesem Team zuzuschauen“, sagte Blanc. „Bravo! Ich gratuliere den Spielerinnen und dem Trainerstab von ganzem Herzen.“ Bereits im vergangenen September war die Freude groß, als die Französinnen in einem dramatischen Spiel – zwei Tore fielen in der Nachspielzeit – Italien mit 3:2 besiegten und sich für die Weltmeisterschaft qualifizierten. Die WM 2007 hatten Frankreichs Fußballerinnen noch verpasst. In gewisser Weise kann dieser zäh erkämpfte Erfolg als symptomatisch für die Situation des Frauenfußballs in Frankreich betrachtet werden. Dem Sport mangelt es an Zuspruch – zumindest von Seiten des Publikums. So bleiben die Zuschauerzahlen im Vergleich zu Deutschland immer noch sehr bescheiden. Selbst wenn, wie im Fall von Olympique Lyon, eine Mannschaft über Jahre fast sämtliche Meistertitel abräumt. Dabei hat der Frauenfußball in Frankreich eine längere Tradition als in vielen anderen Ländern. Bereits 1919 bildeten sich Mannschaften, die sogar an internationalen Wettkämpfen teilnahmen. Doch die Anfeindungen, denen sich die fußballspielenden Frauen ausgesetzt sahen, waren zu stark: Der Frauenfußball kam Anfang der 1930er Jahre fast vollständig zum Erliegen. Erst viele Jahrzehnte später, in den 1970er Jahren, gelang es, neue Klubs zu gründen. Auch die Berichterstattung in den Medien war vor der Weltmeisterschaft sehr zurückhaltend. Das hat sich inzwischen ein wenig geändert, die führende Sportzeitung „L’Équipe“ nahm den Viertelfinalsieg der Frauen auf ihre Titelseite.

Trotzdem scheinen die Fußballerinnen dem französischen Frauenbild immer noch grundsätzlich zu widersprechen. Das ist erstaunlich – besonders angesichts der im Vergleich zu Deutschland vorbildlichen und beherzten französischen Frauenpolitik. Es wird viel dafür getan, dass Frauen Familie und Beruf vereinbaren können und in Wirtschaft und Politik in Führungspositionen gelangen. Vielleicht tragen die Fußballerinnen nun dazu bei, dass sie auch als Sportlerinnen in Frankreich ernster genommen werden.

Das Goethe-Institut beurteilt im Tagesspiegel die Rolle der Frau und des Frauenfußballs in den WM-Ländern.

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