Sport : Franz Beckenbauer übergibt in Zürich die deutschen Bewerbungsunterlagen

Eric Dobias

Mit Zuversicht hat Franz Beckenbauer die deutsche Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2006 übergeben. "Ich bin überzeugt, dass Deutschland der ideale Standort ist. Wenn dies nicht so wäre, wäre ich heute nicht hier. Wir haben bereits bei der WM 1974 und der EM 1988 bewiesen, dass wir dazu in der Lage sind", erklärte der Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Chef des Bewerbungskomitees bei der Präsentation in der Fifa-Zentrale in Zürich. Die fünfköpfige DFB-Delegation mit Beckenbauer an der Spitze hatte als letzter der fünf Kandidaten die Bewerbung für die Ausrichtung der WM 2006 an Fifa-Präsident Joseph Blatter übergeben. Das in den vergangenen Wochen erstellte Dossier umfasst 1212 Seiten.

"Im Namen der Fifa-Familie bedanke ich mich für die Bewerbung, aber vor allem für die Entwicklungs-Tätigkeit, die der DFB in der ganzen Welt leistet", betonte Blatter in seiner Ansprache. Vor dem DFB hatte am Dienstag Brasilien seine WM-Bewerbung präsentiert, am Montag hatten bereits Südafrika, Marokko und England ihre Unterlagen abgegeben. Das 24 Mitglieder umfassende Exekutiv-Komitee des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) wird im Juli kommenden Jahres den Gastgeber für die Fußball-WM-Endrunde 2006 bestimmen.

In einer emotional gefärbten Rede wies Beckenbauer darauf hin, dass 80 bis 90 Prozent der deutschen Bevölkerung hinter der Bewerbung stünden. "Mit diesem Schub sind wir hergekommen", erklärte der "Kaiser". Nach Ansicht Beckenbauers wünschen sich "alle, von der Bundesregierung bis zum kleinen Fan, die WM in Deutschland".

Als größter Rivale des DFB gilt Südafrika, das von Blatter in den vergangenen Monaten immer wieder als Austragungsort favorisiert wurde. "Die Bewerbung Südafrikas wurde sehr emotional in den Vordergrund getragen. Wir wissen, dass Blatter sie favorisiert, aber alle anderen Bewerber haben ihre Hausaufgaben erstklassig gemacht", meinte WM-Botschafter Günter Netzer.

Das Kernstück der deutschen Bewerbung, die neben Beckenbauer und Netzer von DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, DFB-Pressechef Wolfgang Niersbach und Koordinator Fedor Radmann präsentiert wurde, bildet der sportliche Ablauf. Das Eröffnungsspiel würde in sieben Jahren am 9. Juni in München stattfinden, das Finale am 10. Juli in Berlin. Die Darstellung der 16 Städte mit ihren Stadien, von denen die Fifa zehn bis zwölf auswählen wird, nimmt den größten Raum der Bewerbung ein.

Beim Kampf um den Zuschlag für das größte Sportereignis kann der DFB auch auf die Unterstützung der Politik bauen. Nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder eine umfassende Regierungsgarantie abgegeben hatte, bezog auch Bundespräsident Johannes Rau eine positive Einstellung zu den DFB-Bemühungen.

Der viermalige Weltmeister Brasilien ging bei der Präsentation mit einem Star-Aufgebot ins Rennen. Im Mittelpunkt des Interesses stand der zweimalige Welt-Fußballer Ronaldo, ihm zur Seite standen mit Carlos Alberto, Zico und Dunga herausragende Spieler aus vergangenen, erfolgreichen Tagen. "Ich bin beeindruckt von der Zusammensetzung der brasilianischen Delegation. Brasilien hat nicht nur die Begeisterung für den Fußball, sondern auch große Spieler", erklärte Blatter.

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