Franz Reindl : "Wir müssen handeln"

DEB-Sportdirektor Franz Reindl spricht im Tagesspiegel-Interview über die WM, Uwe Krupp und Perspektiven für das Eishockey.

Franz Reindl
Franz ReindlFoto: dpa

Herr Reindl, Sie haben mit der deutschen Eishockeynationalmannschaft 1976 bei den Olympischen Spielen Bronze geholt. 34 Jahre später wurden die Deutschen nun bei der Weltmeisterschaft Vierter. Ein vergleichbarer Erfolg?

Ich glaube, diese WM ist höher zu bewerten. Wenn man bei einer WM mit 16 Mannschaften ins Halbfinale kommt, wenn man bei 16 Mannschaften 14 Punkte macht, wenn man gegen jede Güte von Gegnern ausgezeichnet aussieht und kein schlechtes Drittel spielt, ist das höher einzuschätzen als die Bronzemedaille von Innsbruck – ganz klar. Meine Kollegen von damals sollten das jetzt besser nicht hören (lacht).

Wie erklären Sie sich diesen unerwarteten Erfolg?

Bundestrainer Uwe Krupp hat in all den Jahren immer eine sehr, sehr gute Arbeit geleistet. Er weiß, auf welche Spieler er sich verlassen kann und wer internationale Klasse besitzt. Und er hat das Fingerspitzengefühl, auch mal zu sagen, der Spieler ist in der Liga gut, aber in der Nationalmannschaft nicht zu gebrauchen. Dass sich das jetzt so in den Ergebnissen niederschlägt, konnte keiner erwarten, und das ist fachlich auch nicht zu erklären. Aber es ist trotzdem so gekommen. Hut ab!

Nicht immer wurde die Leistung des Bundestrainers so positiv bewertet. Noch vor einem Jahr stand er arg in der Kritik.

Wenn du wie in Bern in der Abstiegsrunde spielst und 15. wirst, dann kommen automatisch Stimmen, die sagen: „Schmeiß den raus!“ Als Verantwortlicher bekommst du Probleme, wenn du es dann nicht tust. Da muss man stabil bleiben und die Arbeit an sich sehen. Auch als der öffentliche Druck sehr groß war, habe ich immer gewusst, dass Uwe Krupp unsere Nummer eins ist.

Bei so viel Komplimenten sollte Ihnen viel daran liegen, den Vertrag des Bundestrainers zu verlängern.

Es ist immer so, dass man sich über einen gewissen Zeitraum verabredet. Wir haben vorher noch nicht über eine Verlängerung oder Nicht-Verlängerung des Vertrags mit Uwe Krupp geredet. Aber wir haben immer gesagt, dass wir uns nach der WM 2010, unabhängig vom Ergebnis, zusammensetzen. Diese Gespräche werden wir nun möglichst schnell führen. Dass ich Uwe Krupp behalten möchte, ist logisch – das ist der Plan A. Aber es ist eine total offene Sache.

Eine Heim-WM wie diese kann Signalwirkung haben. Wie stehen die Chancen, dass von diesem Turnier mehr übrig bleibt als eine schöne Erinnerung?

Vorher waren wir im öffentlichen Erscheinungsbild und in Medienberichten ein wenig verschwunden. Das hat sich mit der WM verändert. Wenn man speziell über die Erfolge des deutschen Teams spricht, ist das natürlich auch ein Signal für den Nachwuchsbereich. Daran sieht man, was in Deutschland erreicht werden kann. Der deutsche Eishockeysport war insgesamt der Gewinner dieser Weltmeisterschaft.

Dennoch liegt weiterhin vieles im Argen. Denken Sie nur an das Kompetenzgerangel und die Streitigkeiten zwischen Verband und Liga.

Natürlich werden Gespräche im strukturellen Bereich zu führen sein, die den Weg ebnen müssen für eine positive Entwicklung. Der Schwung, der sich während der WM ergeben hat, darf nicht abebben. Wir müssen ihn mitnehmen.

Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie zu diesem Zweck ergreifen?

Wir müssen uns mit der Deutschen Eishockey-Liga zusammensetzen und unsere Vorschläge präsentieren, um die Strukturen zu verbessern. Sprüche helfen nicht. Es geht darum, zu handeln.

Das Gespräch führte Katrin Schulze.

Franz Reindl, 55, stand dem WM-Organisationskomitee vor und ist Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes. 1976 gewann er bei Olympia mit der Nationalmannschaft Bronze.

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