Sport : Französischer Spannungsbogen

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Benedikt Voigt über ein TourFinale, das diesen Namen verdient

Dreitausendzweihundertsechsundzwanzigkommafünf Kilometer – und keine Entscheidung. Einundzwanzig Tage in Frankreich, neunundsiebzig Stunden auf dem Fahrradsattel – und keine Entscheidung. Ein Prolog, ein Einzelzeitfahren, ein Mannschaftszeitfahren, sieben Bergetappen, neun Flachetappen – und keine Entscheidung.

In ihrem Jubiläumsjahr schlägt die Tour de France einen Spannungsbogen, wie er aufregender nicht sein könnte. Am Sonnabend, oder, wenn es noch dramatischer werden sollte, erst am Schlusstag wird die Tour de France des Jahres 2003 ihren Sieger finden. Lance Armstrong oder Jan Ullrich, Jan Ullrich oder Lance Armstrong, jede Sekunde wiegt schwer im Kampf, wer sich am Ende das Gelbe Trikot überziehen darf. Wer in Zukunft mitreden will, wenn die Sprache am Stammtisch auf Radsport kommt, muss das heutige Zeitfahren sehen. Nur dann kann er wissen, was die Tour in diesem Jahr entschieden haben wird. Die Übersetzung? Die Trittfrequenz? Das Wetter? Die Psyche? Die Muskeln? Die Ernährung? Es gibt viele Fragen, aber nur eine Antwort: ab 16 Uhr auf den 49 Kilometern zwischen Pornic und Nantes.

Etwas Besseres als das heutige Finale im Zeitfahren konnte der Tour de France nicht passieren. Nach der Skandaltour von 1998 besinnt sich die Rundfahrt durch Frankreich auf ihre Wurzeln. Das soll nicht heißen, dass die aktuelle Tour dopingfrei ist – wer weiß das schon? So wird Richard Virenque, einer der Hauptakteure beim Skandal von 1998, das Bergtrikot gewinnen. Doch das Duell Armstrong gegen Ullrich überdeckt alles andere. Und führt die Tour zurück zum Sport.

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