Sport : Frauen-Basketball-WM: Cool bleiben und winzige Chance nutzen

ERNST PODESWA

BERLIN .Hätte Bernd Motte (42) als Vater von drei Kindern den Sprachgebrauch der jungen Generation benutzt, hätte er sagen können: "Wir müssen gegen den Weltmeister ganz cool bleiben - dann haben wir gewisse Möglichkeiten." Aber der Basketball-Bundestrainer der Frauen, obwohl von jungen Menschen umgeben, verfiel nicht auf das gängige Allerweltswort der kids.Vor dem ersten WM-Zwischenrundenspiel des deutschen Aufgebots heute um 15 Uhr in der Schmeling-Halle gegen Brasilien sagte er: "Bis jetzt kenne ich den Gegner nur von Videos - eine athletische und spielfreudige Mannschaft mit ausgezeichneter Defensive.Im Gegensatz zu Australien und Kuba scheint mir die Bank jedoch schwächer.Viel hängt von dem Trio Janeth Arcain auf dem Flügel, der Centerin de Oliveira und der Spielmacherin da Silva ab.Wir haben eine kleine, aber durchaus realistische Siegchance." Besser und wahrscheinlicher seien jedoch die Aussichten in den folgenden Zwischenrundenpartien gegen Ungarn und die Slowakei: "Die haben eher unser Niveau und sind daher leichter zu packen."

Ungeachtet des Resultats gegen den Favoriten aus Südamerika - cool muß ein anderes Gremium bei dieser Premiere einer Basketball-WM auf deutschem Boden bleiben.Denn es hat die "coolste Spielerin" der Begegnung auszumachen.Was das zu bedeuten hat, konnte uns bei der gestrigen Pressekonferenz so genau noch keiner erklären.

Coolness gehörte jedenfalls seitens des DBB-Präsidenten Roland Geggus dazu, sich 1994 gegen viele skeptische Stimmen im Präsidium durchzusetzen und sich um die Gastgeberschaft dieses Championats zu bewerben.Denn da war die deutsche Auswahlmannschaft noch nicht einmal für die Europameisterschaft qualifiziert.Das glückte zwar für das folgende Jahr, aber da wurden dann alle EM-Spiele verloren.Und niemand konnte ahnen, daß daraus im Vorjahr der Sprung auf den dritten EM-Rang werden würde.Motte: "Wir sind derzeit mit der Nationalmannschaft der allgemeinen Leistungsentwicklung in der Bundesliga voraus.Wir hoffen aber, daß die WM dem Frauenbasketball hierzulande in vielfältiger Weise einen Schub geben wird."

Geggus, selbst einst fünf Jahre Betreuer einer Basketball-Frauenmannschaft, zog gestern ein überaus positives WM-Zwischenfazit: "Wir haben mehr Anmeldungen von Medienvertretern als zur Männer-EM und hatten in der Vorrunde mit insgesamt 22 000 Zuschauern weit mehr als die kalkulierten 14 000.Nach Abschluß der Zwischenrunde sind alle sechs Auftritte unserer Mannschaft live im W 3 gesendet worden." Mit den Vorstellungen der DBB-Auswahl sei er "sehr zufrieden".Sensationellen Frauenbasketball hätten bsi dato schon die Formationen aus Kuba und Australien im direkten Vergleich geboten.Allein in diesem Match sei "die Riesenentwicklung im Damenbasketball sichtbar" gewesen.Vollends zufrieden wäre der coole Geggus übrigens, wenn das Finale vor vollem Haus mit 9000 Augenzeugen vonstatten ginge, der Gastgeber im Viertelfinale noch mitspiele, organisatorische Pannen ausblieben und sich am Ende ein "Fest des Basketballs" resümieren ließe.

Heute, 17 Uhr: Australien - Ungarn, 19 Uhr: Kuba - Slowakei.

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