Frauen-Fußball : Ausfall vor dem Ernstfall

Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid hat vor der Europameisterschaft in Schweden Mühe, einen schlagkräftigen Kader zu finden. Im Test gegen Schottland am Samstag sollen sich Spielerinnen aus der zweiten Reihe für das Turnier empfehlen.

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Nationaltrainerin Silvia Neid versucht ihre Spielerinnen vor der Europameisterschaft auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören.
Nationaltrainerin Silvia Neid versucht ihre Spielerinnen vor der Europameisterschaft auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören.Foto: dpa

Doris Fitschen war gerade erst im Teamhotel der deutschen Fußballerinnen eingetroffen, da wurde die Managerin der Frauen-Nationalmannschaft auch schon ein bisschen nervös. „Hat jemand die Linda gesehen?“, fragte die 44-Jährige, als sie leicht gehetzt durch das Foyer eilte. Linda Bresonik sollte schließlich gemeinsam mit ihr gleich eine Pressekonferenz bestreiten. Irgendwann tauchte die Legionärin von Paris St. Germain dann auf – aber kurz darauf auch schon wieder ab.

Wegen einer Entzündung der linken Achillessehne, die sie schon länger plagt, verzichtet Bresonik auf die Teilnahme an der EM, die am 10. Juli in Schweden beginnt. Es war noch nicht einmal die letzte Hiobsbotschaft für Bundestrainerin Silvia Neid. Bei Kim Kulig schmerzt das mehrfach operierte rechte Knie, auch ihr droht das Aus für die EM. Zuvor mussten bereits die Wolfsburgerinnen Viola Odebrecht (Knie-OP), Verena Faißt (Pfeiffersches Drüsenfieber) und Alexandra Popp (Sprunggelenksverletzung) für das Turnier in Skandinavien abwinken.

Die zahlreichen Ausfälle von Leistungsträgerinnen trifft die DFB-Auswahl sehr, zumal sie nach der enttäuschenden Heim-WM 2011 mit den Rücktritten von Birgit Prinz, Inka Grings, Kerstin Garefrekes oder Martina Müller ohnehin einen starken Aderlass erlebt hat. Vom damaligen Kader sind nur 13 Spielerinnen übrig.

„Das ist natürlich schon traurig, auch für die Spielerinnen“, beschrieb Anja Mittag die Stimmung im Essener Teamquartier. Am Donnerstag war die Stürmerin von einem Punktspiel mit ihrem schwedischen Klub LdB FC Malmö zur Nationalmannschaft gestoßen, allzu viel Trübsal wollte die 28-Jährige dort aber nicht verbreiten. „Wir dürfen uns jetzt nicht zu sehr damit beschäftigen, sondern müssen versuchen, die Ausfälle zu kompensieren“, sagte Mittag.

Bundestrainerin Neid sprach tags zuvor noch von „herben Schlägen“, die vor allem das Mittelfeld und den Angriff betreffen. In drei Testspielen haben die DFB-Frauen nun Gelegenheit, sich vor dem Turnier neu zu sortieren. Die ersten beiden Gegner – Schottland (Samstag, 15.15 Uhr, live im ZDF) und Kanada am Mittwoch – zählen dabei nicht zu den Topmannschaften im Frauenfußball. Die Chance zu zwei weitgehend druckfreien Probefahrten mit den zahlreichen jungen Testspielerinnen ist also gegeben. Der finale EM-Test gegen Weltmeister Japan folgt dann am 29. Juni.

„Inzwischen kennen wir uns alle sehr gut“, sagt Mannschaftsführerin Nadine Angerer und sagt: „Jetzt müssen wir schauen, was in Schweden herauskommt.“ Ein weiterer Überraschungsfaktor sind etablierte Spielerinnen wie Simone Laudehr, Fatmire Bajramaj und Annike Krahn, die zuletzt mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen hatten.

Dieses Trio immerhin sollte bis zur EM rechtzeitig fit werden. Der Bundestrainerin bringen die personellen Engpässe zumindest den kleinen Vorteil, dass die Zahl der Enttäuschten nun nicht ganz so groß sein wird. Zumindest nach dem Ausfall von Linda Bresonik verzichtete Silvia Neid auf eine Nachnominierung – so dass sie aus dem 27-köpfigen Kader nach dem Kanada-Spiel neben einer Torhüterin nur noch drei Feldspielerinnen nach Hause schicken muss.

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