Sport : Frauen-Fussball: Eine Bühne für Potsdam

Kerstin Hebeler

Knapp zwei Wochen ist das jetzt her. Babelsbergs Fußballer stiegen in die Zweite Bundesliga auf, und auf einmal schien halb Deutschland zu sehen, dass da am Rande Potsdams nicht nur gute Filme gedreht werden, sondern auch ganz anständig gekickt wird. Eine bemerkenswerte Erkenntnis, und sie kommt reichlich spät. Kaum einer hat in den vergangenen Jahren mitbekommen, dass die brandenburgische Landeshauptstadt sogar einen Erstligisten hat. Turbine Potsdam. Nie gehört? Kein Wunder. Der Verein spielt in der Frauen-Bundesliga. Und im Gegensatz zu den Männern aus Babelsberg stellt der 1. FFC Turbine sogar zwei Nationalspielerinnen: Ariane Hingst und Madleen Wilder haben dieser Tage die Möglichkeit, auf einer großen Bühne für ihren Verein vorzuspielen. Beide gehören zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft für die am Samstag in Erfurt beginnende Europameisterschaft.

Mit erst 21 Jahren gehört Ariane Hingst schon zu den Routiniers. Denn die Mittelfeldspielerin hat bereits 50 Länderspiele bestritten. "Wir wollen bei der Europameisterschaft unseren Titel verteidigen", sagt Hingst. Und hofft, ihren Teil dazu beitragen zu können, trotz einer für sie etwas enttäuschenden Saison. "Es lief nicht so, wie ich das von mir erwartet habe", sagt sie. Zunächst hatte ihr lange Zeit ein doppelter Bänderriss zu schaffen gemacht, erlitten bei den Olympischen Spielen in Sydney. Der Bänderriss ist natürlich auskuriert, doch während der Vorbereitung auf die EM plagte Hingst eine starke Erkältung. Im ersten Testspiel gegen Kanada kam sie deshalb überhaupt nicht zum Einsatz, im zweiten, ebenfalls gegen Kanada, konnte sie erst in der zweiten Halbzeit auflaufen. Doch beim Eröffnungsspiel gegen Schweden soll die Zeit des Zuschauens vorbei sein.

Madleen Wilder, die 20-jährige Abwehrspielerin in Potsdamer Diensten, ist dagegen das erste Mal bei einem internationalen Turnier dabei. "Ich bin schon überrascht, dass ich im Aufgebot für die EM bin", sagt sie. Erst vor zwei Jahren hat sie ihre erste Saison durchgängig im Bundesliga-Team von Turbine Potsdam gespielt. Und absolvierte vor der Nominierung in den EM-Kader noch kein A-Länderspiel. Ihr persönliches Ziel für die EM klingt daher eher bescheiden: "Ich möchte ein gutes Bild abgeben." Das gelang ihr bereits bei ihrem Länderspieldebüt im Test gegen Kanada. Was vielleicht auch daran liegt, dass sie sich wohl fühlt an ihrem neuen Arbeitsplatz: "Ich bin sehr gut aufgenommen worden - als ob ich schon längst dazu gehöre."

Dazu gehören wollte eigentlich auch Conny Pohlers. Die Stürmerin von Turbine Potsdam hatte mit einer Nominierung für die Europameisterschaft gerechnet. Bundestrainerin Tina Theune-Meyer hatte auch den Telefonhörer in die Hand genommen und Conny Pohlers angerufen. Die Bundestrainerin hatte aber schlechte Kunde: Die EM fände zunächst einmal ohne Conny Pohlers statt, sie solle sich auf Abruf bereithalten. "Ich bin schon enttäuscht", sagt Pohlers. Eigentlich ist es in dieser Saison gut für die 22-jährige Stürmerin gelaufen. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl der Niederlage. Ihr persönliches Ziel von 20 Saisontoren hat sie erreicht. Es sind sogar drei mehr geworden. Aber für eine Berufung in die erste Reihe der Nationalelf langte das nicht. Die Bundestrainerin habe ihr, Conny Pohlers, das erklärt. "Sie hat Recht: Ich muss noch ballsicherer werden, noch durchsetzungsstärker", sagt Pohlers. "Aber das schaffe ich auch noch." So, wie sie es mit Turbine Potsdam schaffen möchte, im nächsten Jahr Meister zu werden. Diesmal ging der Titel wieder nach Frankfurt. "Nächstes Jahr greifen wir an. Wir müssen immer nach vorne schauen", verkündet Pohlers. Auch wenn sie bei der EM wohl nicht für die Nationalmannschaft auflaufen wird: Es ist trotzdem vielversprechend, was sich da bei Turbine Potsdam, in der Nähe der Filmstudios, getan hat.

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