Frauen-Fußball-EM : Ariane Hingst: "Die Spiele werden enger"

Ariane Hingst spricht zum EM-Start der deutschen Fußballerinnen am Montag gegen Norwegen über die Professionalisierung ihres Sports und die erstarkte Konkurrenz.

Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen: Deutschland - Brasilien
Die Abwehrchefin. Ariane Hingst (rechts) im Zweikampf mit Brasiliens Marta.Foto: ddp

Frau Hingst, Sie spielen seit 1996 in der Nationalmannschaft. Was hat sich in diesen 13 Jahren im Frauenfußball, national wie international, verändert?



Der Frauenfußball ist auf jeden Fall deutlich professioneller geworden. Es gibt mehr und mehr Trainer in der Bundesliga, die auch halb hauptamtlich angestellt werden. Gerade in der Nationalmannschaft hat sich verdammt viel getan, mit einer Trainerin und zwei Assistenztrainerinnen. Dazu ist mit Doris Fitschen noch eine Managerin dazu gekommen. Und meiner Meinung nach ist auch das Leistungsniveau deutlich angestiegen.

Läuft die Europameisterschaft in Finnland schon als Generalprobe für die Heim-WM in zwei Jahren?

Ich weiß nicht, ob man es so sehen kann. Bis dahin ist ja doch noch einige Zeit. Für viele Spielerinnen ist die EM das erste große Turnier, da bin ich einfach erst einmal gespannt. Meine Gedanken gehen sicher noch nicht in Richtung 2011, aber die Bundestrainerin sieht das vielleicht ein bisschen anders.

Vorstellbar ist aber schon, dass eine erfahrene Spielerin wie Birgit Prinz der Gedanke an eine WM im Deutschland stärker motiviert als ein Turnier, das irgendwo anders stattfindet.

Klar, wir älteren Spielerinnen haben alle, als wir Deutschland 2011 hörten, gesagt: Okay, das ist das riesengroße Ziel, bis dahin möchten wir es auf jeden Fall schaffen. Allerdings bin ich mir bei Birgit ganz sicher: Wenn sie keinen Spaß mehr am Fußball hätte, würde sie auch jetzt schon aufhören. In der Mannschaft reden wir immer wieder mal über 2011, allerdings wirklich sehr, sehr selten. Natürlich merken wir, dass von Seiten des DFB wahnsinnig viel getan wird. Aber mir selber nützt es nichts, an 2011 zu denken. Denn dann spiele ich die EM garantiert nicht gut.

Bundestrainerin Silvia Neid sieht bei der EM in Finnland neben Deutschland fünf Titelkandidaten. Sehen Sie die auch?

Der Frauenfußball ist immer enger zusammen gerückt, gerade in Europa gibt es eine sehr enge Leistungsdichte. England hat über Jahre ein gutes Jugendprogramm gefahren und sich deutlich weiterentwickelt. Das hat man bei der letzten WM gesehen, bei der sie eine sehr gute Rolle gespielt haben. Auch Frankreich ist zu nennen, ebenso kleinere Nationen wie Holland – jetzt bitte nicht an das jüngste 0:6 gegen uns denken, das war ein schlechtes Spiel von denen – oder auch Island. Ohne dass man sagt, die seien der große Titelkandidat. Aber die Ergebnisse werden knapper, die Spiele enger.

Finden Sie es also angemessen, dass an der EM nun erstmals zwölf statt wie bislang acht Nationen teilnehmen?

Von meinem jetzigen Empfinden her schon. Schlauer sind wir aber natürlich erst nach der Europameisterschaft.

Interview: Andreas Morbach

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