Sport : Frauen-Fußball-EM: Waltersleben grüßt die Weiber

Helen Ruwald

Die Rücken waren verräterisch. Trikots und Trainingsjacken, die am Sonnabend im Erfurter Steigerwaldstadion zu sehen waren, erzählten von der Heimat ihrer Träger. TSV Nettelerde, SV Kali Unterbreizbach, DSC Arminia Bielefeld, TSV Königshofen. Von überall her waren kleine und große Kickerinnen zum ersten Spiel der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft gereist. Mit ihnen feierten gesetzte ältere Herren und Damen, Familien mit kleinen Kindern und junge Männer, die früher für kickende Frauen nur blöde Sprüche übriggehabt hätten, den 3:1 Sieg gegen Schweden. In einer begeisternden Partie schossen Claudia Müller (2) und Maren Meinert die Tore für das DFB-Team, das in der Gruppe A den ersten Schritt in Richtung Halbfinale setzte. Die Fans drückten ihren Respekt vor dem Team mit liebevoll gemeinten Transparenten aus: "Waltersleben grüßt die Weiber."

Kathrin und Maike sind 15 Jahre alt und für drei Tage mit der ganzen Mannschaft aus Bielefeld angereist, um die Nationalmannschaft endlich live spielen zu sehen. Sie haben in der Jugendherberge in Ilmenau übernachtet, dort ein Freundschaftsspiel bestritten. Aber Höhepunkt war der Auftritt ihres Vorbilds, der Frankfurter Stürmerin Birgit Prinz, "sie schießt so schöne Tore" , sagt Kathrin bewundernd. Profi in den USA zu werden, wie es drei der Deutschen sind, wäre für Meike "ein Traum".

Familie Andersson aus Växjö in Südschweden interessierte sich eher für Stürmerin Hanna Ljungberg, die Schweden in Führung schoss. Nur übers Wochenende, zu diesem einen Spiel, kamen die Eltern mit den fußballverrückten Töchtern Elin (13) und Malin (16) mit Auto und Schiff nach Erfurt. Die ganze Familie steckte in gelben Trikots und hatte sich die schwedische Flagge ins Gesicht gemalt. "Es ist ein bisschen Urlaub", erzählten sie.

"Schoko Steffi und FC Zäpfle - ein starkes Team" steht auf den T-Shirts von vier jungen Leuten aus der Schwäbischen Alp. Schoko Steffi ist die dunkelhäutige Nationalspielerin Steffi Jones, die sie 1997 mal bei einem Spiel angesprochen haben. Inzwischen ist Jones mit dem FC Zäpfle befreundet. Das Quartett nennt sich so, weil es gerne "Zäpfle"-Bier trinkt. Die Schwaben halten per SMS Kontakt zu Jones, "sie ist ein super Typ". Das findet auch Heinz Suppa aus Bochum. "Sie nimmt den Ball an wie der Beckenbauer", schwärmte der 70-Jährige. Er muss es wissen. Er hat 92 Männer-Länderspiele live erlebt, war bei sechs Weltmeisterschaften. "Jetzt wollte ich mal die Frauen sehen."

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