Frauen-Fußball-WM : Deutschland ist Weltmeisterin

Die deutschen Frauen haben das WM-Finale gegen Brasilien gewonnen und damit ihren Titel von 2003 verteidigt.

Ulli Brünger[dpa]
Deutsche Frauen
Triumph ohne Gegentor: Mit einem Sieg gegen Brasilien haben die deutschen Fußball-Frauen ihren WM-Titel von 2003 verteidigt. -Foto: dpa

SchanghaiSie fassten sich an den Händen, hüpften ausgelassen durch den Mittelkreis und streiften sich freudestrahlend die vorbereiteten Trikots mit der Aufschrift "World champions" über: Als der zweite Titelgewinn bei einer Weltmeisterschaft feststand, kannte die Glückseligkeit bei Deutschlands Fußball-Frauen keine Grenzen mehr. Durch ein verdientes 2:0 (0:0) im Finale gegen Brasilien bestieg die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid zum zweiten Mal den WM-Thron und blieb dank der Paraden von Nadine Angerer als erstes Team in der WM-Historie im gesamten Turnier ohne Gegentor. "Das ist für den deutschen Fußball eine großartige Stunde. Nadine wird in die Geschichte eingehen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, "sie haben gezeigt, was deutsche Tugenden sind."

Um 16.16 Uhr reckte Spielführerin Birgit Prinz den goldenen WM-Pokal jubelnd in den Himmel über Shanghai - ein begeisternder Empfang an diesem Montag am Frankfurter Römer ist den Weltmeisterinnen sicher. "Wir haben wieder eine tolle Mannschaftsleistung gezeigt und sind bis an die Grenzen gegangen. Es ist total schön, zum zweiten Mal Weltmeister zu sein. Aber erst als Nadine den Elfmeter gehalten hat, bin ich etwas ruhiger geworden", gestand Neid nach dramatischen und temporeichen 90 Minuten im Hongkou-Stadion, die Birgit Prinz (52.) mit ihrem 115. Länderspiel-Tor und Simone Laudehr (86.) vor 31.000 Zuschauern zugunsten der deutschen Mannschaft entschieden.

Angerer Torhüterin des Turniers

Hauptanteil am Erfolg hatte Torfrau Angerer, die ihre überragende Turnierleistung mit der Parade beim Foulelfmeter von Marta (64.) krönte und zur besten Torhüterin des Turniers gewählt wurde. "Wir haben eine tolle Mannschaft gesehen mit einer Torhüterin, die unglaublich ist", meinte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und sprach vom Finale als einer "Werbung für den Frauen-Fußball".

Mit der erfolgreichen Titelverteidigung krönte die deutsche Mannschaft ein makelloses Turnier, in dem Angerer den WM-Rekord des italienischen Schlussmanns Walter Zenga von 1990 um 23 Minuten überbot und insgesamt 540 Minuten unbezwungen blieb. Im Finale stand der Torfrau von Turbine Potsdam aber auch das Glück zur Seite, so bei Danielas Pfostenschuss (24.). Gegen die Ballzauberinnen aus Südamerika verdiente sich aber auch die Innenverteidigung mit Ariane Hingst und Annike Krahn ein großes Lob. In ihrem 171. Länderspiel stellte Sturmführerin Birgit Prinz einmal mehr ihre Torgefährlichkeit unter Beweis, machte mit ihrem 14. WM-Tor den Anfang und betrieb zugleich Werbung für die deutsche Kandidatur um die WM-Ausrichtung 2011. "Nadse im Tor war sensationell", lobte Birgit Prinz, "wir haben aber auch das nötige Glück gehabt."

Wütender Sturmlauf der Brasilianerinnen

Nachdem Fifa-Präsident Joseph Blatter jede Spielerin auf dem Rasen per Handschlag begrüßt hatte, entwickelte sich das Duell der beiden offensivstärksten Mannschaften des Turniers zum offenen Schlagabtausch, in dem der Titelverteidiger die technischen Vorteile des Gegners mit großem Einsatz wettmachte. Das frühe 1:0 verpasste Sandra Smisek (14.), die bei der besten Gelegenheit völlig freistehend aus 16 Metern über das Tor schoss. Mitte der ersten Halbzeit bekamen die ballsicheren Brasilianerinnen, die auf dem Weg in ihr erstes WM-Finale Top-Favorit USA mit 4:0 deklassiert hatten, Oberwasser. In der 24. Minute bewahrte der Pfosten Angerer beim Distanzschuss von Daniela vor dem ersten Gegentor. Eine Minute später konnte die deutsche Torfrau die mit sieben Toren erfolgreichste WM-Torschützin Marta erst im letzten Moment am Einschuss hindern.

Mit einem Drehschuss über das Tor von Andreia eröffnete die von einer Wadenblessur rechtzeitig genesene Melanie Behringer (48.) die zweite Spielhälfte. Vier Minuten später legte Smisek Torjägerin Prinz den Ball mustergültig zu ihrem fünften Turnier-Tor auf. Die Brasilianerinnen antworteten mit wütenden Angriffen, doch die besseren Möglichkeiten lagen auf Seiten der deutschen Mannschaft. In der 60. Minute verpasste Garefrekes per Kopf knapp die endgültige Entscheidung. Als drei Minuten später Linda Bresonik im Strafraum Cristiane von den Beinen holte, drohte das Spiel zu kippen, doch Angerer wehrte den Schuss von Marta reaktionsschnell ab.

Die deutsche Mannschaft stemmte sich weiter erfolgreich gegen den Sturmlauf der Brasilianerinnen, die mit Macht, aber meist wenig Übersicht auf den Ausgleich drängten. In der Schlussphase gab es zwar kaum noch Entlastung, aber vier Minuten vor Schluss beendete Laudehr mit ihrem zweiten Länderspiel-Tor das Bangen der deutschen Fans.

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