Frauen-Fußball-WM : "Unser Plan ging auf"

Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid über den Titel bei der WM, die Zukunft der Bundesliga und die WM 2011.

Neid
1982 schon dabei: Silvia Neid nach dem Sieg in Schanghai. -Foto: ddp

Frau Neid, wie haben Sie das Finale erlebt?

Als tolle Mannschaftsleistung. Wir sind von Anfang an selbstbewusst aufgetreten. Die Spielerinnen haben viele Laufwege gemacht, sind füreinander gerannt. Unser Vorhaben war, die Brasilianerinnen nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, sie oft nach außen zu drängen. Das hat funktioniert, unser Plan ging auf.

War das Spiel entschieden, als Nadine Angerer den Elfmeter gehalten hat?

Als Nadine den Elfmeter abwehrte, hatte ich das Gefühl, das niemand mehr ein Gegentor gegen uns schießt – nicht mal die Brasilianerinnen. Ich muss sagen, da wurde ich schon ein wenig entspannter.

Sind Sie mit dieser WM endgültig aus dem Schatten Ihrer Vorgängerin Tina Theune-Meyer herausgetreten?

Zu Beginn meiner Zeit als Bundestrainerin wurde der Vergleich oft gesucht, aber das Thema ebbte schnell ab. Ich habe mich zu keiner Zeit so gefühlt, als würde ich im Schatten von Tina stehen.

Das Problem des deutschen Frauenfußballs ist noch die Bundesliga. Was können Sie tun, damit sie attraktiver wird?

Die Zusammenarbeit mit den Bundesliga-Vereinen funktioniert schon sehr gut, auch die Kommunikation mit den Trainern. Wir bieten seit diesem Jahr die Unterstützung durch unseren Konditionstrainer an, da hat sich ein reger Austausch entwickelt. Auch auf anderen Ebenen versucht der DFB zu helfen.

Inwiefern?

Der DFB finanziert jedem Bundesligisten aus den Überschüssen der WM 2006 für zwei Jahre einen Mitarbeiter. Und der Verband hat ein Bonussystem entwickelt für die Spitzenförderung in den Bundesliga-Vereinen. Das sind alles Hilfen und Anreize, die die Vereine aufnehmen und auch umsetzen müssen.

Könnte es einen weiteren Aufschwung geben, wenn Deutschland die WM 2011 zugesprochen bekäme?

Natürlich kann niemand mit Sicherheit vorhersagen, welchen Effekt die WM in Deutschland haben würde. Aber ich kann mir vorstellen, dass dadurch eine neue Begeisterung für den Frauenfußball entfacht wird. Das hat man 2006 gesehen.

Ist die bislang fehlende Olympische Goldmedaille ein Makel für den deutschen Frauenfußball?

Nein, auf keinen Fall. Es gibt drei große Turniere im Frauenfußball: die WM, die EM und die Olympischen Spiele. Die WM und EM haben wir schon gewonnen, die WM nun zum zweiten Mal hintereinander. Bei den Olympischen Spielen haben wir zweimal die Bronzemedaille geholt. Das ist eine sensationelle Bilanz. Man sollte nicht den Fehler begehen, die Titel als Selbstverständlichkeit anzusehen. Diese Erfolge zu wiederholen, wird immer schwieriger, denn der Frauenfußball entwickelt sich sehr gut. Die Weltspitze rückt enger zusammen.

Das Gespräch führte Matthias Koch.

Silvia Neid, 43, trainiert seit 2005 die Nationalelf der Frauen. Die langjährige Assistentin von Tina Theune-Meyer war schon 1982 beim ersten Frauen-Länderspiel dabei – als Spielerin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben