Frauen-Nationalmannschaft : Diese 21 wollen den Titel

Hinten sicher, vorne vielfältig: Bundestrainerin Silvia Neid hat einen vielversprechenden Kader zusammengestellt

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Frauen im Fokus. Hintere Reihe (von links nach rechts): Bundestrainerin Silvia Neid, Ariane Hingst, Verena Faißt, Saskia Bartusiak, Fatmire Bajramaj, Inka Grings, Martina Müller, Assistenz-Trainerin Ulrike Ballweg. Mittlere Reihe: Alexandra Popp, Birgit Prinz, Kim Kulig, Almuth Schult, Ursula Holl, Nadine Angerer, Linda Bresonik, Kerstin Garefrekes, Simone Laudehr. Vordere Reihe: Torwart-Trainer Michael Fuchs, Annike Krahn, Melanie Behringer, Celia Okoyino da Mbabi, Lena Goeßling, Babett Peter, Bianca Schmidt und Managerin Doris Fitschen. Foto: dpa
Frauen im Fokus. Hintere Reihe (von links nach rechts): Bundestrainerin Silvia Neid, Ariane Hingst, Verena Faißt, Saskia...Foto: dpa

In einer Woche eröffnet die deutsche Nationalmannschaft der Frauen die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Im ausverkauften Berliner Olympiastadion trifft die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid auf Kanada. Wir stellen den deutschen Kader vor.

TOR

Nadine Angerer, 1. FFC Frankfurt, 32 Jahre, 98 Länderspiele
War zehn Jahre lang die Nummer 2 im deutschen Tor hinter Silke Rottenberg, mittlerweile ist sie aber schon lange unangefochten Neids erste Torhüterin. Bei der WM 2007 blieb Angerer ohne Gegentor – eigentlich ein Rekord für die Ewigkeit. Doch auch in der diesjährigen WM-Vorbereitung konnte keine gegnerische Mannschaft die 32-Jährige bezwingen. Das lag allerdings weniger an Angerers Glanzparaden: Die ganze deutsche Defensive arbeitete so konzentriert, dass sich die Torhüterin kaum einmal auszeichnen konnte.

Ursula Holl, FCR Duisburg, 28 Jahre, 5 Länderspiele
Hatte sich für diese WM viel vorgenommen und wollte den Druck auf Nadine Angerer verstärken. Aufgrund einer Beckenverletzung musste sie Anfang des Jahres allerdings vier Monate pausieren und war erst zu Beginn der WM-Vorbereitung wieder fit. Deswegen hat sie sich erneut mit der Situation als zweite Torhüterin arrangiert, obwohl es ihr von Jahr zu Jahr schwerer fällt. Dank ihr muss sich die deutsche Mannschaft keine Sorge machen, sollte Angerer mal ausfallen: Holl ist eine verlässliche Alternative.

Almuth Schult, Magdeburger FFC, 20 Jahre, 0 Länderspiele
Wartet noch auf ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft, bei der WM dürfte es aber kaum dazu kommen. Die Magdeburgerin ist die einzige Zweitliga-Spielerin in Neids Kader, wechselt zur kommenden Saison aber zum Bundesligisten Bad Neuenahr. Als dritte Torhüterin ist Schult zum Lernen bei der Weltmeisterschaft dabei, Ansprüche wird sie keine anmelden.

ABWEHR

Bianca Schmidt, Turbine Potsdam, 21 Jahre, 15 Länderspiele
War in der Jugend deutsche Vizemeisterin im Crosslauf und glänzt auch heute noch mit starker Kondition und Athletik. Auf der rechten Abwehrseite ist allerdings die wesentlich erfahrenere und technisch ausgereiftere Linda Bresonik gesetzt – bleibt Bresonik gesund, dürfte Bianca Schmidt die WM weitgehend auf der Bank verbringen.

Saskia Bartusiak, 1. FFC Frankfurt, 28 Jahre, 41 Länderspiele

Legte mit zehn Jahren eine Fußballpause ein, um Tennis zu spielen. Zum Glück für die deutsche Mannschaft kehrte sie allerdings drei Jahre später zurück und entwickelte sich zu einer soliden, beidfüßigen Verteidigerin. Der Durchbruch in der Nationalmannschaft gelang ihr jedoch erst recht spät, bei der EM 2009, als sich Ariane Hingst verletzte. Die hat Silvia Neid nun ins defensive Mittelfeld versetzt, weshalb Bartusiak zusammen mit Annike Krahn in der Innenverteidigung als gesetzt gelten darf. Neid deutete kürzlich an, in der Abwehr nicht mehr viel ändern zu wollen.

Babett Peter, Turbine Potsdam, 23 Jahre, 51 Länderspiele
Kann auch in der Innenverteidigung spielen, Neid setzt sie hauptsächlich auf der linken Abwehrseite ein. Peter verliert kaum einmal einen Zweikampf, weder auf dem Boden noch in der Luft und hat sich so einen festen Platz im Team erspielt. Auf dem Feld gibt die Potsdamerin lautstark Kommandos, abseits des Platzes tritt sie eher leise auf. Das liegt auch an einer halbseitigen Gesichtslähmung, unter der sie seit ihrem fünften Lebensjahr leidet.

Annike Krahn, FCR Duisburg, 25 Jahre, 66 Länderspiele
Kam nach einem Kreuzbandriss erst kurz vor der WM wieder in Form. Silvia Neid hat scherzhaft festgestellt, auch die Verletzungspause habe aus der Innenverteidigerin unglücklicherweise keine bessere Technikerin gemacht. Trotz sichtbarer Mängel im Spielaufbau und einer gewissen Hüftsteife ist Krahn dank ihres guten Stellungsspiels und ihrer Nervenstärke in der Abwehrzentrale aber gesetzt.

Linda Bresonik, FCR Duisburg, 27 Jahre, 65 Länderspiele
An ihr kommt auf der rechten Abwehrseite so schnell niemand vorbei – das gilt für Konkurrenz aus dem eigenem Team ebenso wie für die Gegenspielerinnen. Zuletzt aber gefährdete eine Achillessehnenreizung den WM-Einsatz der Allrounderin. Weil Bresonik immer sagt, was sie denkt und tut, was ihr passt, hatte ihre Karriere einige Tiefen. Sie wirkt nun gefestigter. Anfang Mai beendete sie aufgrund chaotischer Verhältnisse ihren Vertrag mit Duisburg, ohne einen neuen Verein zu haben. Sollte sie weiter so stark spielen, wie in der Vorbereitung, wird es aber kein Problem sein, einen zu finden.

Verena Faißt, VfL Wolfsburg, 22 Jahre, 3 Länderspiele
Rutschte gerade noch in den WM-Kader und wirkt abseits des Feldes manchmal so, als könne sie ihr Glück kaum fassen. Im WM-Testspiel gegen Nordkorea spielte die linke Verteidigerin aber fehlerfrei und ohne Nervosität. Trotzdem dürfte Faißt Bianca Schmidts Schicksal als stille Außenverteidigungsalternative auf der Bank teilen.

Lena Goeßling, SC07 Bad Neuenahr, 25 Jahre, 23 Länderspiele
Schaffte es bei den vorigen zwei Turnieren jeweils nur in den vorläufigen Kader und ist sichtlich froh, dass sie diesmal nicht wieder aussortiert wurde. Das hat sie sich verdient, indem sie intensiv an ihrer Fitness und Athletik gearbeitet und sich auch technisch verbessert hat. Ihren Ehrgeiz hat sie sich bei Inka Grings abgeschaut, Goeßling ist allerdings wesentlich ruhiger, manchmal fehlt ihr noch ein wenig Selbstbewusstsein. Wegen ihrer Passgenauigkeit könnte sie aber eine gute Alternative für Annike Krahn sein.

MITTELFELD

Simone Laudehr, FCR Duisburg, 24 Jahre, 41 Länderspiele
Schon lange vor der Kadernominierung hat Silvia Neid öffentlich bekundet, Laudehr müsse sich keinerlei Sorgen um ihre WM-Teilnahme machen. Zu wichtig ist die 24-Jährige im defensiven Mittelfeld, wo sie keinem Zweikampf aus dem Weg geht und ihre Mitspielerinnen antreibt. Sie ist zudem kopfballstark und torgefährlich, das hat nicht nur ihr Treffer zum 2:0-Endstand im WM-Finale 2007 gegen Brasilien bewiesen. Eine der wenigen, die eine Stammplatzgarantie haben.

Fatmire Bajramaj, Turbine Potsdam, 23 Jahre, 47 Länderspiele
Könnte einer der ersten Stars des Frauenfußballs werden. Bajramaj ist derzeit die gefragteste Spielerin und hat mehrere große Werbeverträge abgeschlossen, die auch ihre finanzielle Zukunft sichern könnten. Allerdings konnte sie zuletzt auf dem Platz nicht unbedingt überzeugen. Neid wechselt Bajramaj gern gegen Ende des Spiels ein, da diese dann durch ihre Schnelligkeit und Dribbelstärke die entstehenden Lücken ausnutzen kann. Sticht durch ihre herausragende Technik und ihre Wendigkeit heraus, ist allerdings oft noch zu ballverliebt und verspielt.

Melanie Behringer, 1. FFC Frankfurt, 25 Jahre, 65 Länderspiele
Das Gegenstück zur verspielten Bajramaj: geradlinig, schusskräftig, zweikampfstark. Die Bundestrainerin wird sich entscheiden müssen, ob sie im linken Mittelfeld der unglamourösen Arbeiterin Behringer den Vorzug gegenüber der launischen Künstlerin Bajramaj gibt. Im Moment scheint Behringer im Vorteil zu sein.

Celia Okoyino da Mbabi, Bad Neuenahr, 22 Jahre, 55 Länderspiele
Wird im Kader als Mittelfeldspielerin geführt, wird von Neid dank ihrer Torgefahr aber auch regelmäßig in die Spitze gestellt. Die Tochter einer Französin und eines Kameruners wurde bei ihren bisherigen 55 Länderspielen 45 Mal ein- und sechs Mal ausgewechselt, diese WM könnte ihre erste als Stammspielerin werden.

Kim Kulig, Hamburger SV, 21 Jahre, 24 Länderspiele
Ist auf der Sechser-Position neben Laudehr gesetzt. Überzeugt mit großer Übersicht, die Frau für den öffnenden Pass. Scheut sich trotz ihrer erst 21 Jahre auch nicht, Verantwortung zu übernehmen: Als keine ihrer Mitspielerinnen im Testspiel gegen Nordkorea Anstalten machte, beim Stand von 0:0 einen Elfmeter zu schießen, nahm sich die Hamburgerin den Ball und verwandelte sicher.

Ariane Hingst, 1. FFC Frankfurt, 31 Jahre, 173 Länderspiele
Die einzige gebürtige Berlinerin im deutschen Kader war als Abwehrspielerin bei allen Erfolgen der deutschen Frauen seit Olympia-Bronze 2000 dabei. Neid sieht sie jetzt im defensiven Mittelfeld, an den jüngeren Laudehr und Kulig dürfte Hingst aber kaum vorbeikommen. Ihre immense Erfahrung könnte trotzdem im Laufe des Turniers noch wichtig werden. Hingst wird ihre Nationalmannschafts- Karriere nach der WM beenden, am liebsten als dreimalige Weltmeisterin.

Kerstin Garefrekes, 1. FFC Frankfurt, 31 Jahre, 126 Länderspiele
Verrichtet seit 2001 ihren Dienst auf der rechten Außenbahn im deutschen Team, still, konzentriert und effektiv. Ist trotz ihrer 31 Jahre und ihres schlacksigen Laufstils immer noch antrittsschnell und aus dem Mittelfeld heraus auch sehr torgefährlich: Keine gegnerische linke Verteidigerin wird gegen Garefrekes und Deutschland viele offensive Vorstöße wagen wollen.

ANGRIFF

Inka Grings, FCR Duisburg, 32 Jahre, 90 Länderspiele
Spielt ihre erste Weltmeisterschaft, obwohl sie in insgesamt 90 Länderspielen bereits 62 Tore geschossen hat. 2007 war sie wegen eines Konflikts mit Silvia Neid nicht dabei, inzwischen haben die beiden sich aber ausgesprochen. Grings ist Rekordtorschützin in der Bundesliga und sechsmalige Torschützenkönigin. Bislang war sie als Stoßstürmerin gesetzt, in der Luft und im Zweikampf hat sie allerdings deutliche Schwächen im Vergleich zum deutschen Nachwuchs.

Birgit Prinz, 1. FFC Frankfurt, 33 Jahre, 212 Länderspiele
Nicht mehr ganz so durchsetzungsstark und dynamisch wie früher, allein die Präsenz der Stürmerin kann gegnerische Abwehrreihen aber immer noch einschüchtern. Hat bei vier Weltmeisterschaften 14 Turnier-Treffer erzielt. Und sonst? War Weltmeisterin 2003 und 2007, Europameisterin 1995, 1997, 2001, 2005, 2009, olympische Bronzemedaillengewinnerin 2000, 2004, 2008, Weltfußballerin des Jahres 2003, 2004, 2005, Uefa-Cup-Siegerin 2002, 2006, 2008, Deutsche Meisterin 1995, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2005, 2007, 2008, Deutsche Pokalsiegerin 1995, 1996, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2007, 2008 und 2011. Der Titel bei der Heim-WM würde dennoch ihre beispiellose Karriere krönen.

Alexandra Popp, FCR Duisburg, 20 Jahre, 12 Länderspiele
Gilt inzwischen als sichere Nachfolgerin von Birgit Prinz. Wurde bei der U-20-WM mit zehn Treffern Torschützenkönigin und schoss in nur zwölf A-Länderspielen schon neun Tore. Doch nicht nur die Quote macht Hoffnung. Popp hat ihre Athletik noch einmal verbessert, ist zweikampf- und kopfballstark und spielt erfrischend furchtlos. Silvia Neid hat nur lobende Worte für sie, sieht sie aber erst mal nur in der Jokerrolle. Popp gefällt das ganz gut: So kann sie frisch hereinkommen und Tempo machen. Ihr gehört die Zukunft, die könnte aber schon bei dieser WM beginnen.

Martina Müller, VfL Wolfsburg, 31 Jahre, 93 Länderspiele
Momentan wohl Stürmerin Nummer vier in Neids Planungen, dürfte damit aber kein Problem haben. Seit Jahren schon wird Müller in der Nationalmannschaft meist eingewechselt, seit Jahren trifft die 31-Jährige, wenn sie auf das Feld kommt. Diese Rolle wird bei der WM allerdings eher Alexandra Popp zukommen.

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