Frauen-Pokalfinale : Kampf der Philosophien

Im Pokalfinale der Frauen trifft heute Turbine Potsdam auf den 1. FFC Frankfurt. Im Jahr der Heim-WM geht es um den Titel, das Prestige – und eine alte Rivalität.

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Auf Fliegen und Brechen. Die Nationalspielerinnen Dzsenifer Marozsan (Frankfurt, links) und Fatmire Bajramaj wollen sich heute einem Millionenpublikum zeigen.
Auf Fliegen und Brechen. Die Nationalspielerinnen Dzsenifer Marozsan (Frankfurt, links) und Fatmire Bajramaj wollen sich heute...Foto: dpa

Berlin - Es geht um den Pokal, um das Prestige, um Werbung für die Heim-WM, um elf Nationalspielerinnen, um das Duell zwischen Meister und Vizemeister. Wenn Turbine Potsdam und der 1. FFC Frankfurt heute in Köln im Endspiel des DFB-Pokals (16.15 Uhr, live in der ARD) aufeinandertreffen, geht es aber auch um zwei Philosophien. Die beiden erfolgreichsten Klubs im deutschen Frauenfußball verbindet der Anspruch auf sportliche Erfolge und Titel – in ihrem Denken sind sie aber ziemlich verschieden.

In der Vergangenheit kamen vor allen Dingen Turbines Trainer Bernd Schröder und Frankfurts Manager Siegfried Dietrich nicht immer gut miteinander aus. Nicht erst, seit Dietrich mehrere Potsdamer Spielerinnen abwarb. Die Hand schütteln werden sie sich morgen trotzdem, auch wenn Schröder sagt: „Die Spannungen zwischen den Klubs gibt es immer noch, das liegt an den verschiedenen Philosophien.“ Schröder sieht den Potsdamer Klub, dessen Geschicke er seit der Gründung vor 40 Jahren lenkt, als klassischen Ostverein. „Bescheidenheit ist bei uns die Grundlage jeder Vernunft“, sagt der 68-Jährige. „Frankfurt muss ganz anders in Erscheinung treten.“ Dietrich betont, sein Verein sei „auf Professionalität in allen Bereichen fokussiert, um sich als Marke zu entwickeln, wahrgenommen zu werden und erfolgreich zu sein“. Aussagen wie diese lassen die, wie Schröder sagt, „gewisse Distanz“ zwischen den Klubs deutlich werden. „Ich kann die Großspurigkeit nicht begreifen“, sagt der Potsdamer. Eine Großbank als Trikotsponsor wie bei den Frankfurterinnen könne er sich bei Turbine nicht vorstellen.

Zwischen 2004 und 2006 trafen beide Klubs dreimal in Folge im Finale aufeinander, dreimal siegte Turbine. Damals stand Nadine Angerer für Potsdam im Tor, heute spielt die Nationaltorhüterin für Frankfurt. Bei den Potsdamer Triumphen wurde das Endspiel noch im Berliner Olympiastadion ausgetragen, nun findet es zum zweiten Mal in Köln statt. „Berlin ist immer unser Wohnzimmer gewesen, wir hatten ein Heimspiel“, sagt Schröder. „Köln ist ein anderes Umfeld.“

Rund drei Monate vor dem Auftaktspiel der Weltmeisterschaft wollen sich vor allen Dingen die Nationalspielerinnen beider Klubs der großen Öffentlichkeit präsentieren. Bundestrainerin Silvia Neid hat sieben Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt in ihren vorläufigen WM-Kader berufen, Turbine stellt fünf Nationalspielerinnen. Von diesen zwölf wird heute nur Frankfurts gesperrte Nationalverteidigerin Saskia Bartusiak fehlen.

„Wenn 2,5 bis 4 Millionen Menschen im Fernsehen zusehen, dann kann das nur ein Prestigespiel sein“, sagt der 53-jährige Dietrich, im WM-Jahr sei zudem „jeder Titel wichtig“. Die Meisterschaft haben die Frankfurterinnen verpasst, trotz der überragenden Tordifferenz von 103:16 in 22 Spielen. „Wir haben über das Jahr den attraktivsten Fußball gespielt“, sagt Dietrich, das wolle man auch im Finale zeigen. „Gegen Turbine zu spielen, ist aber sowieso immer etwas Besonderes.“

Wie das Spiel auch ausgeht: Zwischen den beiden Frauenfußball-Großmächten wird sich wenig ändern. „Aus meiner Sicht haben wir ein sehr respektvolles Verhältnis“, sagt Dietrich. Sein Kontrahent sieht das auf seine etwas grummelige Art ähnlich. „Er hat mir mal das ,Du’ angeboten, was ihm eigentlich gar nicht zusteht“, sagt Schröder über Dietrich. „Ich habe es aber trotzdem angenommen.“

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