Frauen-Radsport : Wo fahren sie denn?

Fahren Frauen eigentlich auch Fahrrad? Ja, sie tun es, aber ganz leise.

Marie Preuß
Cooke
Wer kennt sie? Nicole Cooke, erfolgreichste britische Radsportlerin aller Zeiten. -Foto: AFP

Nachdem der männliche Radsport im Dopingsumpf versinkt und sich viele der Sportler im Netz der Lügen verfahren haben, verstärkt sich die Sehnsucht nach Wahrheit, Klarheit und Ehrlichkeit. Könnten die Frauen nicht wieder einmal die Ehrenrettung für die Männer übernehmen?

Der Frauen-Radsport jedoch hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Die radelnden Damen wären vermutlich sogar froh, wenn sich jemand mit ihren Dopingproblemen beschäftigen würde. Sie jedoch strampeln sich ab - und kommen doch nicht aus dem Tal der Vergessenen.

Tour de France der Frauen

Einst gab es auch für Frauen eine Tour de France. Das war zwischen 1984 und 2003. Mit deutlich kürzeren Etappen zwar und unter einem anderen Namen brachte die "Grande Boucle Féminine Internationale" strahlende Siegerinnen aufs Treppchen. Von den Medien kaum beachtet, mit schweren organisatorischen Mängeln, in den Augen der Sponsoren wertlos und zudem noch durch einen Rechtsstreit geschwächt, wurde sie 2004 nicht mehr ausgetragen.

2005 versuchte man es wieder. Im Umfang nochmals deutlich verkürzt, hofften die Frauen auf ein Wiederaufleben ihrer Disziplin. Seitdem findet die Tour jährlich statt. Doch auch in diesem Jahr hielt sich die Beachtung in Grenzen. Gewinnerin der Grande Boucle Féminine Internationale wurde die britische Radrennfahrerin Nicole Cooke für das Team Univega. Sie ist immerhin die erfolgreichste britische Radsportlerin aller Zeiten.

"Wovon sollten wir Doping bezahlen?"

Doch warum anstrengen, wenn sowieso keiner hinsieht? Die Preisgelder für die weiblichen Radfahrer liegen in Deutschland im Schnitt bei etwa einem Zehntel dessen, was ihre männlichen Kollegen verdienen können. Bei der Tour de France ist es vielleicht ein Prozent, vermutet Birgit Söllner vom Team Specialized im Stern.de-Interview. Finanziell bietet der Frauen-Radsport also wenig Anreize. Doch genau darin könnte die Chance der Damen liegen. Denn, wie Söllner fragt: "Wovon sollten wir Doping bezahlen?"

Am 24. Juli beginnt übrigens die "Thüringen-Rundfahrt der Frauen". Es wird eine Jubiläumsveranstaltung. Zum 20. Mal bereits wird der Wettkampf ausgetragen. "Es wird ein Prüfstein der Weltelite. Da kommen dann auch die aus China" sagt Sprecher Helmut Wengel mit Stolz in der Stimme. Vielleicht fährt ja jemand hin.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben